Wer Medizin studiert hat, will auch Arzt oder Ärztin werden

Pressemitteilung

Ergebnisse einer Umfrage der Landesärztekammer Hessen

In letzter Zeit häufen sich die Warnungen vor einem drohenden ärztlichen Nachwuchsmangel. Doch stimmt es wirklich, daß viele angehende Ärztinnen und Ärzte kein Interesse mehr am Arztberuf haben und in andere Tätigkeitsfelder ausweichen? Da es bisher keine empirischen Untersuchungen über die Studienerfahrungen, mögliche „Ausstiegspläne" und Berufsziele angehender Mediziner gab, hat die Landesärztekammer Hessen mit Unterstützung des Landesprüfungsamtes für Heilberufe alle Absolventen des 3. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung eines Jahrgangs (Herbst 2003 und Frühjahr 2004) in Hessen befragt. Die Antwortquote betrug 63%.

Fazit: 98% aller Studenten und 92% aller Studentinnen, die den 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bestanden hatten, wollten innerhalb der nächsten sechs Monate eine Stelle als Arzt im Praktikum antreten. (Ab 1.10.2004 wurde der „Arzt im Praktikum" wieder abgeschafft – die jungen Ärzte können jetzt nach erfolgreicher Prüfung sofort als Assistenzärzte tätig werden.) Dieses Ergebnis weicht deutlich von Berechnungen ab, die bis zu 25% „Verlust" an Medizinstudenten, die nach ihrem Studium keine klinische Tätigkeit als Arzt aufnähmen, beschreiben. Ein Teil dieser Differenz könnte sich aus dem verhältnismäßig hohen Anteil junger Ärztinnen und Ärzte – immerhin 16% - erklären, die nach der Prüfung im Ausland arbeiten wollen. Häufigstes Ziel ist mit Abstand die Schweiz, gefolgt von Großbritannien.

Wenn junge Ärzte ihren Beruf nicht ausüben wollen, dann fällt diese Entscheidung also nicht schon am Ende des Studiums, sondern ist möglicherweise erst die Folge „schlechter Erfahrungen" in den ersten Jahren als Krankenhausarzt.

Weißer Kittel ab 30: Die meisten Studenten überschreiten die Mindeststudienzeit von zwölf Semestern nur geringfügig. Doch viele haben vor Beginn des Medizinstudiums andere Ausbildungen bzw. Studien begonnen oder sogar abgeschlossen und sind daher bei Berufseintritt bereits 30 Jahre und älter.

92% aller Befragten möchten sich zum Facharzt weiterbilden lassen. Die überwiegende Mehrheit (immerhin 78%) würde sich heute wieder für das Medizinstudium entscheiden; ganz sicher sind sich aber nur 41%. Lediglich 5% würden nicht wieder Medizin studieren.

Allerdings: Rund 30% der schließlich erfolgreichen Medizinstudenten haben während des Studiums mindestens einmal ernsthaft dessen Abbruch erwogen. Unzufriedenheit mit den zu erwartenden Berufsaussichten als Arzt und Zweifel an der Vereinbarkeit von ärztlicher Tätigkeit und Privatleben waren wichtige Gründe dafür.

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