Paracelsus-Medaille für Dr. med. Siegmund Kalinski

Pressemitteilung

Hessischer Arzt erhält höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft

Ulm. Der Frankfurter Allgemeinmediziner Dr. med. Siegmund Kalinski ist heute auf der Eröffnungsveranstaltung des 111. Deutschen Ärztetages in Ulm als einer von zwei hessischen Ärzten mit der Paracelsus-Medaille geehrt worden. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, der ihm die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft überreichte, würdigte Kalinski als Arzt, der sich in mehr als 40 Jahren ärztlicher Tätigkeit und berufspolitischem Engagement hervorragende Verdienste um die deutsche Ärzteschaft erworben habe. Er habe sich für die Förderung des hausärztlichen Nachwuchses eingesetzt und zudem als Journalist gesundheitspolitische Fragen kritisch beleuchtet. Hoppe erwähnte auch besonders Kalinskis Einsatz für die deutsch-polnischen Beziehungen und die Aufarbeitung des Holocaust.


Lebenslauf:
Kalinski kam am 21. März 1927 in Krakau zur Welt. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er als 15-jähriger Schüler 1942 verschleppt und war bis 1945 Gefangener der Konzentrationslager in Auschwitz, Szebnice, Oranienburg, Flossenbrück und Sachsenhausen. 1945 gelang ihm die Flucht nach Frankreich; er kehrte nach Polen zurück, machte Abitur und absolvierte sein Medizinstudium von 1947 bis 1954 in Krakau, Kattowitz und Warschau. 1963 floh Kalinski in den Westen, arbeitete vorübergehend in einem österreichischem Krankenhaus und kam dann nach Deutschland, wo er zunächst in Rheydt, später dann in Frankfurt-Höchst als Krankenhausarzt tätig war. 1968 wurde Kalinski promoviert und eingebürgert. Im selben Jahr ließ er sich als praktischer Arzt in Frankfurt-Schwanheim nieder. 1970 folgte die Anerkennung als Arzt für Allgemeinmedizin,1977 erhielt er die Weiterbildungsermächtigung im Gebiet "Allgemeinmedizin" und 1978 die Zusatzbezeichnung "Psychotherapie". 1984 wurde Kalinksi zum Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt und als Gastdozent an die Hochschule Kopernikus in Krakau berufen. 1992 habilitierte sich Kalinski an der Jagiellonen Universität Krakau.

Schon früh begann sein Engagement in der Berufs- und Standespolitik. Neben der Praxistätigkeit war Kalinski auch als Gutachter und Prüfer im Fach "Allgemeinmedizin" tätig. Seit 1980 gehört er der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) an. Er wirkte im Finanzausschuss und im Vorstand der Bezirksärztekammer mit. Seit 1996 bis heute ist er aktives Mitglied im Präsidium der Landesärztekammer. Über lange Jahre war er Prüfer im Weiterbildungswesen der Landesärztekammer im Gebiet Allgemeinmedizin. Von 1981 bis 1996 gehörte Kalinski der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) als Abgeordneter an und war von 1997 bis 2004 Abgeordneter der Außerordentlichen Mitglieder der KVH. Von 1996 bis 2004 war er Vertreter der außerordentlichen Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Darüber hinaus engagierte sich Kalinski im Berufsverband der praktischen Ärzte und im NAV-Virchow-Bund und war ehrenamtlicher Richter beim Finanzgericht in Kassel.

Auch mit seiner viel beachteten, kontinuierlichen journalistischen Tätigkeit für verschiedene Printmedien, darunter das Hessische Ärzteblatt und die Ärzte Zeitung, hat sich Kalinski als ebenso kritischer wie wortgewandter Autor ("Ironius") einen Namen gemacht. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel in medizinischen Fachzeitschriften und ist Mitautor und Mitherausgeber der Buches "Ärztliches Schicksal unter der Verfolgung 1933 bis 1945 in Frankfurt am Main und Offenbach".

Für sein Lebenswerk, zu dem neben der ärztlichen und berufspolitischen Tätigkeit der außerordentliche Einsatz für den Wiederaufbau Deutschlands, die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, die deutsch-polnische Verständigung und die Aufarbeitung des Holocausts gehören, wurde Kalinski mehrfach ausgezeichnet: 1987 mit dem Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1991 mit der Dr. Richard Hammer-Medaille der Landesärztekammer Hessen, 1992 mit der Johann Kirchner-Medaille der Stadt Frankfurt, 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 1997 mit der Ehrenplakette der Landesärztekammer Hessen in Silber.

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