Menschen lassen sich nicht auspressen wie Zitronen

Pressemitteilung

Landesärztekammer fordert Anpassung der Arbeitsbedingungen an Arbeitnehmer – und nicht umgekehrt

Die jüngsten Daten rütteln auf: Laut DAK-Gesundheitsreport haben psychische Leiden bundesweit einen neuen Höchststand erreicht. Die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet, dass jeder sechste Krankschreibungstag in Hessen auf eine psychische Diagnose entfalle. Auf Platz eins der Hauptursachen von Krankschreibungen steht die Depression, zu denen auch die Erschöpfungsdepression Burnout gehört. "Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich viele Menschen durch ihre Arbeit überfordert fühlen", erklärt Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen. Um dieser Entwicklung entgegen zu steuern, müsse in der Arbeitswelt ein Umdenken einsetzen: "Es können nicht immer mehr Aufgaben auf die Schultern von immer weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verteilt werden. Menschen lassen sich nicht wie Zitronen auspressen."

Eine Auffassung, die auch Dr. med. Horst Löckermann, Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in Darmstadt bestätigt. "Krankschreibungen wegen psychischer Leiden sind unser tägliches Brot in der ärztlichen Praxis. Die Gründe liegen vorwiegend im beruflichen Bereich: Arbeitsverdichtung führt zu Überforderung, die Wut auslöst und schließlich in eine depressive Reaktion als "Schutz" vor der Überlastung mündet." Nach Löckermanns Überzeugung hängen Erschöpfung durch Arbeitsbelastung und demografischer Wandel eng zusammen: "In einer älter werdenden Gesellschaft müssen sich Arbeitgeber daran gewöhnen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über Fünfzig zwar viel Erfahrung mitbringen, aber durchschnittlich weniger belastbar sind als ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen." Regelmäßige Überstunden und Wochenendarbeit zehrten an den Kräften, bis ein Zustand völligen Ausgebranntseins – der so genannte "Burnout" – eintrete. "Es ist daher höchste Zeit, dass sich die Arbeitsbedingungen den älter werdenden Menschen anpassen – und nicht umgekehrt", fordert Löckermann. 

Allerdings seien die steigenden Krankschreibungen aufgrund von Depressionen und Burnout kein Beweis dafür, dass heute mehr Menschen unter psychischen Leiden litten als vor zehn oder zwanzig Jahren, unterstreichen von Knoblauch zu Hatzbach und Löckermann. "Ärztinnen und Ärzte achten inzwischen wesentlich stärker auf psychosomatische Faktoren. Während früher meist körperliche Beschwerden bei Krankschreibungen im Vordergrund standen, werden heute wesentlich häufiger psychische Leiden diagnostiziert", so Löckermann. Das Bewusstsein und die Sensibilität von Ärzten und Patienten gegenüber psychischen Erkrankungen hätten sich glücklicherweise gewandelt.

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