Kammerpräsident warnt: Ärztlichem Nachwuchs nicht die Freude am Arztberuf austreiben

Pressemitteilung

Zwei Drittel der niedergelassen Ärzte in Hessen über 50 Jahre alt / Junge Ärzte motivieren, nicht zwingen

"Wer Ärztinnen und Ärzte dazu motivieren will, sich auf dem Land niederzulassen, muss sie dafür begeistern. Androhung von Zwangsmaßnahmen und Planwirtschaft sind völlig fehl am Platz": So kommentierte Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen, die Forderung der gesetzlichen Krankenkassen nach einer Befristung von Arzt-Zulassungen und Honorarkürzungen in Ballungsräumen. "Der Arztberuf ist ein freier Beruf. Dies beinhaltet auch die Freiheit, sich dort niederzulassen, wo die beruflichen und privaten Rahmenbedingungen stimmen." Dass die Angebote ländlicher Regionen häufig nicht mehr den Erwartungen vor allem junger Menschen entsprächen, mache der Exodus zahlreicher Berufsgruppen deutlich. "Warum sollten Ärzte die einzigen sein, die bleiben?", gab von Knoblauch zu Hatzbach zu bedenken: "Die Rahmenbedingungen müssen attraktiver werden, damit sich auch der ärztliche Nachwuchs wieder für die hausärztliche Tätigkeit auf dem Land interessiert."

Auch die Behauptung, angesichts steigender Arztzahlen sei der Ärztemangel nur "gefühlt", gehe ins Leere. "Die Zahlen allein sind nicht aussagekräftig, denn sie verraten nichts über Alter, Arbeitsumfang, Vollzeit- oder Teilzeittätigkeit und Fachrichtung der Ärztinnen und Ärzte", erklärte der hessische Ärztekammerpräsident. So ergibt sich aus der Statistik der Landesärztekammer Hessen eine Überalterung der niedergelassenen Ärzteschaft: Fast zwei Drittel aller niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Hessen (5.942 von insgesamt 9.218) haben das Alter von 50 Jahren überschritten. Immerhin 2.061 von ihnen sind sogar zwischen 61 und 66 Jahre alt oder noch älter und stehen damit kurz vor Ende ihres Berufslebens. Viele von ihnen werden wahrscheinlich keine/n Praxisnachfolger/in finden.

Die Niederlassung scheint für jüngere Ärzte wenig attraktiv zu sein. Gerade einmal 365 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte unter 40 Jahren sind bei der Landesärztekammer Hessen gemeldet. Unter den jüngeren Ärztinnen und Ärzten habe die Zahl der Teilzeitbeschäftigungen - sowohl im Krankenhaus als auch im niedergelassenen Bereich - in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. "Anstatt den ärztlichen Nachwuchs mit der Androhung von Zwangsmaßnahmen gänzlich die Freude am Arztberuf und an der Niederlassung auszutreiben, sollten alle Beteiligten im Gesundheitswesen gemeinsam mit Politik und Kommunen Anstrengungen unternehmen, die Tätigkeit als niedergelassene/r Arzt/Ärztin (auch auf dem Land) wieder attraktiv zu machen," forderte von Knoblauch zu Hatzbach.

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