Internationales Übereinkommen gegen Patente auf Gene Ärztepräsident warnt vor Kommerzialisierung menschlichen Lebens

Pressemitteilung

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft - Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 24.07.2002: Wir brauchen ein internationales Übereinkommen, dass jede Kommerzialisierung menschlichen Lebens ausschließt. Nur dann ist sichergestellt, dass sich Fälle wie das `Edinburgh-Patent` nicht wiederholen", so Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe zur heutigen Entscheidung des Europäischen Patentamtes, wesentliche Teile seines umstrittenen Stammzell-Patents nunmehr endlich einzuschränken. Der Ärztepräsident bekräftigte die Position des Weltärztebundes, dass das Genom des Menschen zum gemeinsamen Erbe aller Menschen gehöre und keine Handelsware sei."Die Gefahr der Kommerzialisierung ist aber gegenwärtig größer denn je. Mit der Patentierung von menschlichen Genen und Stammzellen versuchen offenbar einige Firmen "Claims" abzustecken, damit nur ihnen die grundlegende Information für die Medikamente der Zukunft gehört. Deshalb brauchen wir verbindliche internationale Regelungen, die Patente in diesem Bereich auf Verfahren und einzelne Verfahrensschritte zur Herstellung gentechnisch veränderter Medikamente beschränken. Menschliche Gene dagegen sind keine Erfindungen, sondern Erkenntnisse über natürliche Gegebenheiten und dürfen deshalb auch nicht kommerziell verwertet werden", forderte Hoppe.

Höchst problematisch sei auch die Konstruktion des Europäischen Patentamtes. Anders als das deutsche Patentamt werde das Europäische Patentamt nicht durch ein unabhängiges Patentgericht kontrolliert. Auch der Europäische Gerichtshof in Luxemburg wache nicht über die Entscheidungen des Europäischen Patentamtes. "Das Europäische Patentamt ist sich selbst erste und letzte Instanz. Es fehlt also die äußere Kontrolle und auch die innere scheint nicht verlässlich zu sein. Es ist aber ein Skandal der besonderen Güte, dass das Patentamt seine Entscheidungen, die es selbst als falsch erkannt hat, nicht selbst zurücknehmen kann, sondern erst Externe dagegen vorgehen müssen", kritisierte Hoppe.

Berlin:
Robert-Koch-Platz 7,
10115 Berlin;
Telefon (030) 30 88 98-30;
Fax (030) 30 88 98-33

Köln:
Postfach 41 05 06,
50862 Köln;
Telefon (02 21) 40 04-390;
Fax (02 21) 40 04-398

Internet:
http://www.bundesaerztekammer.de
E-Mail:pressestelle@bundesaerztekammer.de

Ansprechpartner: Alexander Dückers, Hans-Jörg Freese

Pressemitteilungen-Archiv:

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001