Hessische Ärztinnen fordern familienfreundlichere Arbeitsbedingungen von ihren Krankenhäusern

Pressemitteilung

Ergebnisse einer Studie der Landesärztekammer Hessen

Viele Unternehmen haben die Notwendigkeit einer familienorientierten Personalpolitik inzwischen erkannt und umgesetzt. Auch die Krankenhäuser dürfen sich der Forderung nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht länger verschließen. Bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind ein zentrales Anliegen von Ärztinnen und Ärzten. Um zu ermitteln, ob und in welchem Umfang hessische Kliniken Betreuungsangebote zur Verfügung stellen, hat die Landesärztekammer Hessen im Sommer 2006 über 4000 ihrer Ärztinnen bis einschließlich 45 Jahre befragt. Die hohe Antwortquote von fast 60 % macht die Aktualität und Brisanz des Themas deutlich.

Mehr als 90 % der befragten hessischen Ärztinnen fordern ein Betreuungsangebot für Säuglinge, über 95 % für Kindergartenkinder und mehr als die Hälfte auch über das Grundschulalter hinaus. Doch nur 32 % der Ärztinnen mit Kindern berichten über die Existenz eines Kinderbetreuungsangebotes (eigene Krippe, Hort, Kindergarten bzw. Kooperation) ihrer Klinik. Gerade einmal 76, d.h. weniger als 6 % der insgesamt 1277 antwortenden Ärztinnen mit Kindern können eine Kinderbetreuung durch den Arbeitgeber nutzen. Das äußerst geringe Angebot an kliniknahen Kinderbetreuungsmöglichkeiten steht also in krassem Widerspruch zum tatsächlichen Bedarf.

Zahlreiche Kliniken haben schon heute Probleme, für alle offenen Positionen qualifizierte jüngere Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen. "Dies ist kein Wunder, denn der ärztliche Nachwuchs kehrt Deutschland zunehmend den Rücken zu", erklärt Martin Leimbeck, Vizepräsident der Landesärztekammer Hessen. "Wir bilden Ärztinnen und Ärzte für viel Geld aus und verlieren sie dann an das Ausland, weil die Arbeitsbedingungen hier nicht stimmen. Unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zählen wesentlich dazu." Krankenhäuser, die diese Zeichen der Zeit erkennen und geeignete eigene Kinderbetreuungsangebote schaffen, werden als Arbeitgeber wesentlich attraktiver für qualifizierten ärztlichen Nachwuchs und können dadurch auch erhebliche Wettbewerbsvorteile erlangen.

Erste Ergebnisse der Studie werden im Dezember-Heft des Hessischen Ärzteblattes veröffentlicht und können ab sofort online unter Hessisches Ärzteblatt, Dezember-Ausgabe 2006 heruntergeladen werden.

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