Zum 100-jährigen Bestehen der Universitätsaugenklinik in Frankfurt am Main (1914–2014). 

Mit dieser Monographie legen Klaus Albert Müller und Udo Hennighausen eine lange erwartete, umfassende Darstellung der Geschichte der Frankfurter Universitätsaugenklinik vor. Dieses Werk, dessen Grundlagen bereits vor über drei Jahrzehnten mit dem Ziel einer Dissertation gelegt wurden, erscheint nun in deutlich erweiterter Form und schließt damit eine wichtige Lücke in der deutschen ophthalmologischen Medizingeschichte.

Die Darstellung beginnt weit vor dem eigentlichen Gründungsdatum der Universitätsklinik. Bereits die Frankfurter Augenheilanstalt von 1845 sowie die 1910 daraus hervorgegangene Städtische Augenklinik unter Otto Schnaudigel werden quellenbasiert aufgearbeitet. Mit der Universitätsgründung 1914 entfaltet das Buch dann seine eigentliche Stärke: Anhand von Archivmaterial aus Stadt-, Universitäts- und Dekanatsarchiven werden die Klinikdirektoren Otto Schnaudigel, Rudolf Thiel und Wilhelm Doden nicht nur als Administratoren, sondern als Ärzte, Wissenschaftler und Zeitgenossen ihrer jeweiligen Epoche porträtiert. Besonders verdienstvoll ist die differenzierte Aufarbeitung der Klinikgeschichte während des Nationalsozialismus.

Chronologische Zeittafeln, Personalbibliographien, Fotos und ein Personenverzeichnis erhöhen den wissenschaftlichen Nutzwert erheblich. Gelegentlich merkt man dem Text seine jahrzehntelange Entstehungsgeschichte an – manche Abschnitte wirken im Vergleich unterschiedlich dicht. Dies tut dem Gesamteindruck jedoch keinen Abbruch.

Dieses Werk ist uneingeschränkt zu empfehlen, da es einen wertvollen medizinhistorischen Beitrag zur regionalen Ophthalmologie leistet und auch die gesamtdeutsche Augenheilkunde dieser Zeit mit einbezieht.

 Dr. med. Wolfgang Hanuschik, Augenarzt aus Berlin