Longevity ist ja heutzutage in aller Munde. Apropos „in aller Munde“: Gesunde Ernährung ist ganz unbestritten ein wesentlicher Grundpfeiler, um ein langes und noch dazu möglichst gesundes Leben führen zu können. Zwei weitere entscheidende Faktoren sind Bewegung und soziale Kontakte.
Diese Aspekte der Lebensführung können wir in unserem Land zum Glück in wesentlichen Teilen selbst beeinflussen und damit unsere Selbstwirksamkeit deutlich unterstützen. Wie ist das eigentlich mit Institutionen, gelten die beiden letzten Empfehlungen nicht auch für diese?
Ich meine ja, denn auch eine altehrwürdige Einrichtung wie unsere Landesärztekammer Hessen muss beständig in Bewegung bleiben und soziale, fachliche und politische Kontakte pflegen und unterhalten. Und das tut sie. Ich habe es schon in der Januarausgabe gesagt: Stillstand bedeutet Rückschritt. So nimmt es daher nicht wunder, dass die Landesärztekammer Hessen im März ihren 70. Gründungstag sozusagen quicklebendig erlebte. Sieben volle Jahrzehnte, in denen viel passierte. Genaueres finden Sie auf den Seiten ab S. 198, die Ihnen einen Überblick über unsere Kammergeschichte geben. Der Blick zurück, auch wenn er Interessantes offenbart, genügt allerdings nicht, denn als Kammer wollen wir nicht nur verwalten, auch wenn dies ein Teil der uns gesetzlich auferlegten Aufgaben ist, sondern wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten gestalten und mit guter politischer Arbeit ärztliche Arbeitsbedingungen und selbstredend die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten erhalten und verbessern. Die Frage nach den aktuellsten Herausforderungen beantworte ich in dem Interview auf S. 196.
Ungeachtet dieser Herausforderungen kann ich mit nun ebenfalls sieben Jahrzehnten Lebenserfahrung und 32 Jahren berufspolitischer Erfahrung sagen, dass Erfolg in der Berufspolitik einen langen Atem benötigt. Viele Argumente müssen immer wieder an vielen verschiedenen Stellen vorgebracht und selbstredend gut begründet werden. Dazu braucht es nicht nur Fach- und Sachkenntnisse, sondern eben auch eine gute Vernetzung. Und damit komme ich zu den (sozialen) Kontakten. Wie oft durfte ich erleben, dass Erläuterungen in einem persönlichen Gespräch mit der Gelegenheit für Rückfragen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und vor allem zur Bereitschaft führen, gemeinsame Lösungen zu finden. So hilfreich und unverzichtbar Videokonferenzen auch sind, das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist nicht zu ersetzen, denn wir sind Menschen und damit soziale Wesen.
Das wirft die Frage auf, wie sozial die sogenannten Social Media denn wirklich sind? Eine vertiefte Erörterung an dieser Stelle würde den Rahmen sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf wenige Aspekte. Weder Kinder noch Jugendliche, aber auch nicht Erwachsene dürfen mit zweifelhaften Algorithmen zum Dauerscrollen verführt werden. Es tut uns allen nicht gut. Dennoch sollten wir die positiven Seiten von Social Media nutzen. Das tun wir auch als Kammer, denn Informationen lassen sich kaum schneller verbreiten als über diese bekannten Kanäle. Nicht zuletzt nutzen wir diese Wege, um gerade auch die jüngeren Kolleginnen zu erreichen und sie zu ermutigen, sich in der Kammer zu engagieren.
Die ärztliche Selbstverwaltung lebt von der aktiven Beteiligung ihrer Mitglieder. Die Fortführung der langen Geschichte der ärztlichen Selbstverwaltung ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, sondern muss vielmehr immer wieder von jeder Generation mit Leben erfüllt und verteidigt werden. Niemand kann die Geschicke der Ärztinnen und Ärzte sinnvoller lenken als wir selber. Wir wollen auch in Zukunft die Verantwortung für unsere Arbeit selbst übernehmen. Dafür stehe ich.
Dr. med. Edgar Pinkowski, Präsident
P.S. Fast hätte ich es vergessen: Das Hessische Ärzteblatt erschien vor 100 Jahren zum ersten Mal, siehe S. 195.

