Vor 100 Jahren wurde das „Hessische Ärzteblatt“ (HÄBL) aus der Taufe gehoben. Am 1. Januar 1926 erschien die erste Ausgabe des offiziellen amtlichen Mitteilungsorgans der Hessischen Ärztekammer, der ärztlichen Standesvereine und der ärztlichen wirtschaftlichen Verbände im Volksstaat Hessen. Hintergrund: Artikel 34 der hessischen Ärzteordnung von 1924 verpflichtete die Ärztekammer dazu, ihre Bekanntmachungen und Beschlüsse zu veröffentlichen.

Das Blatt war Nachfolgerin des 1891 gegründeten „Correspondenzblatt der ärztlichen Vereine des Großherzogtums Hessen“, das sein Erscheinen im Juni 1920 aus wirtschaftlichen Gründen einstellen musste. Erster Schriftleiter des HÄBL wurde Sanitätsrat Dr. med. Karl Heil, der in der gleichen Funktion auch schon für das „Correspondenzblatt“ tätig gewesen war. Nach seinem Tod übernahm Dr. med. Carl Oelemann im Februar 1930 die Schriftleitung.

Inhaltlich widmete sich das frühe HÄBL sowohl medizinischen Themen (Krankheiten und deren Therapie, Impfpflicht sowie Kampagnen zur Eindämmung des Alkohol- und Nikotinmissbrauchs) als auch der Standespolitik. Außerdem informierte das Blatt über Fortbildungen, Kongresse, Gebührenordnung und das Abrechnungswesen. Veröffentlicht wurden Erlasse und Verordnungen der Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege und Stellungnahmen der Kammer zu – die Ärzteschaft betreffenden – Gesetzen des Hessischen Landtages. Beiträge aus Wissenschaft, Kunst und Literatur rundeten die Themenpalette ab.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete auch für das Hessische Ärzteblatt eine Zäsur. Im September 1933 wurde das HÄBL eingestellt und durch den „Weckruf“, ein nationalsozialistisches Kampfblatt, ersetzt.

Neustart nach dem Krieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs plante die hessische Ärzteschaft die Einführung eines neuen Ärzteblattes und beauftragte Oelemann mit den Vorarbeiten. Am 20. Mai 1949 erschien die erste Ausgabe des neuen HÄBL mit Carl Oelemann als Schriftleiter. Nach Gründung der Landesärztekammer Hessen im Jahr 1956 hatte Oelemann die Schriftleitung des HÄBL noch bis 1957 inne. Nachfolger wurde Dr. med. Wilhelm Theopold. Neben einem standespolitischen und fachmedizinischen Teil befasste sich das Hessische Ärzteblatt inhaltlich auch in diesen Jahren mit medizinhistorischen Fragen und kulturgeschichtlichen Ereignissen.*

Mit dem Wechsel in der Chefredaktion des Hessischen Ärzteblattes im Jahr 1999 war eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes und der Inhalte verbunden. Als Hauptschriftleiter engagierte sich Prof. Dr. med. Toni Graf-Baumann, der viele Jahre wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Klinische Literatur beim Springer Verlag in Heidelberg war, von 1999 bis 2014 für eine weitere Professionalisierung des Blattes. Bis 2010 stand ihm Dr. med. Michael Popović – seit 1987 Schriftleiter – zur Seite.

2014 und 2015 waren Jahre einschneidender Veränderungen: Dr. med. Peter Zürner, Mitglied des Präsidiums der Landesärztekammer, übernahm die Schriftleitung des Hessischen Ärzteblattes. Zürner ist Verantwortlicher Redakteur des HÄBL und leitet die Redaktionskonferenz. Stv. Verantwortlicher Redakteur ist Dr. med. H. Christian Piper. Seit 2015 wird das HÄBL von der Stabsstelle Medien (heute: Stabsstelle Kommunikation) produziert, die sowohl ein neues Erscheinungsbild gestaltete als auch ein neues inhaltliches Konzept entwarf. Im Januar 2015 erschien die erste Ausgabe des HÄBL im neuen Gewand: Ein abwechslungsreiches Heft mit aktuellen Berichten und vertiefenden Hintergrundinformationen. Medizinische Fortbildungsartikel, Neuigkeiten aus der Kammer, gesundheitspolitische Kommentare, Interviews, Berichte aus der hessischen Ärzteschaft, kulturelle Highlights in Hessen und amtliche Bekanntmachungen machen den Themenmix aus.

Und die Entwicklung schreitet voran: Das HÄBL wird digital. Seit Oktober 2023 erscheint das amtliche Mitteilungsorgan der LÄKH primär als Online-Ausgabe im Magazinformat. Mit Hessischem Ärzteblatt, Website, Newsletter, Social-Media-Kanälen und dem Portal bietet die Landesärztekammer ihren Mitgliedern ein breitgefächertes, interaktives Spektrum wichtiger und aktueller Informationen.

Katja Möhrle

*Quelle: „Lest aber auch bitte unser Hessisches Ärzteblatt“, HÄBL 09/2016