2026 wird die LÄKH 70 Jahre alt: Anlass für eine Rückschau, die ohne Anspruch auf Vollständigkeit Schlaglichter auf ausgewählte Entwicklungen und Ereignisse in den zurückliegenden Wahlperioden bis heute wirft.
„Gäbe es die Landesärztekammer nicht – man müsste sie erfinden“: So brachte der frühere Präsident und heutige Ehrenpräsident der hessischen Ärztekammer, Dr. med. Alfred Möhrle die Unverzichtbarkeit der Institution 2006 auf den Punkt.
Eine Überzeugung, die Dr. med. Edgar Pinkowski, seit 2018 Präsident der Landesärztekammer Hessen (LÄKH), teilt. Allerdings müsse die Existenzberechtigung der Ärztekammer kontinuierlich unter Beweis gestellt werden, machte Pinkowski 2023 auf der konstituierenden Delegiertenversammlung zu Beginn seiner zweiten Amtszeit deutlich: „Die Stärkung und Verteidigung der ärztlichen Selbstverwaltung ist eine Daueraufgabe.“ In einer Zeit vielfacher Herausforderungen sei eine starke Vertretung der Ärzteschaft durch ihre Kammer wichtiger denn je (HÄBL 01/2026).
Tatsächlich erfüllt die LÄKH ein breites Aufgabenspektrum: Als Körperschaft des öffentlichen Rechts und zentrale Standesvertretung vertritt sie die Interessen der Ärztinnen und Ärzte in Hessen und berät die Politik auf der Grundlage ärztlichen Sachverstands. Die Landesärztekammer überwacht die Qualität ärztlicher Berufsausübung. Als Dienstleisterin bietet sie ihren Mitgliedern Beratung, Information und Hilfe. Und damit nicht genug: Durch die Organisation ärztlicher Weiterbildung und die Förderung der ärztlichen Fortbildung – beides Kernaufgaben der LÄKH – sichert die Kammer die Qualität der gesundheitlichen Versorgung der hessischen Bevölkerung. Die LÄKH ist außerdem zuständige Stelle für die Berufsausbildung Medizinischer Fachangestellter.
Wurzeln in der Vergangenheit
Die Aufgaben der Landesärztekammer Hessen wurzeln in der Vergangenheit, werden aber laufend den aktuellen Anforderungen angepasst und weiterentwickelt: U. a. der Ausbau der Serviceleistungen für Kammermitglieder, die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, aber auch von Fort- und Weiterbildungsangeboten, die Stärkung der Präventionsarbeit sowie Vorbereitung und Unterstützung des Gesundheitssystems in Krisensituationen. Mit neuen Aufgaben befindet sich das Profil der Ärztekammer in einem ständigen Wandlungsprozess. „Stillstand bedeutet Rückschritt. Unser Ziel ist die stete Fortentwicklung unserer Angebote für unsere Mitglieder“, betont Pinkowski (HÄBL 01/2026).
1956: Gründung der Landesärztekammer Hessen
Der 10. März 1956 war ein besonderes Datum für die hessischen Ärztinnen und Ärzte. Dr. med. Carl Oelemann, der seit 1946 die Geschicke der hessischen Ärztekammer lenkte, leitete die erste ordentliche Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen in Bad Nauheim. In seinem Grußwort machte der hessische Minister des Innern, Heinrich Schneider, darauf aufmerksam, „dass die Ärzte zwar an diesem Tag de jure ihre Angelegenheiten wieder selbst in die Hand nehmen würden, die Ärztekammer jedoch de facto seit dem Kriegsende trotz der unklaren Rechtsbasis als Selbstverwaltungsorgan der hessischen Ärzte tätig gewesen sei“ (vgl. Thomas Gerst in „50 Jahre Landesärztekammer Hessen, S. 15). Was die organisierte Ärzteschaft betreffe, befinde man sich in Bad Nauheim auf klassischem Boden, ergänzte Oelemann: „Denn hier ist fast alles gegründet worden, was in Deutschland nach dem Kriege die Ärzteschaft wieder repräsentiert hat.“ Allerdings, so fügte er hinzu, blicke man am Gründungstag der Landesärztekammer auf eine lange und schwierige Zeit zurück.
1956 bis 1964
Der Neuanfang
Oelemann, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern und Präsident der Landesärztekammer Hessen, führte zwar die erste Delegiertenversammlung der LÄKH im März 1956 durch, musste jedoch noch am selben Tag aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied aus der aktiven Berufspolitik verkünden. Zu seinem Nachfolger als Präsident der Landesärztekammer Hessen wählten die Delegierten Dr. med. Franz Mündel. Der Facharzt für Laboratoriumsdiagnostik in Frankfurt am Main hatte sich in der Nachkriegszeit für den Wiederaufbau der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung eingesetzt und war am Wiederaufbau des Gesundheitswesens und der ärztlichen Standesorganisation in Hessen beteiligt gewesen.
„Ungeheuer spannende Herausforderung“
Es sei „eine ungeheuer spannende Aufgabe und Herausforderung“ gewesen, die Kammer gegen alle Widerstände mit aufzubauen und zu einer starken öffentlichen Institution zu machen, erinnerte sich Prof. Dr. med. Horst Joachim Rheindorf, von 1956 bis 1992 Geschäftsführender Arzt und Hauptgeschäftsführer der LÄKH, in einem Interview, das 2006 in dem Band „50 Jahre Landesärztekammer Hessen“ (S. 31) erschien. Als „abenteuerlich“ beschreibt er darin die Situation im Jahr 1956. Es habe so gut wie keine Strukturen gegeben und alles neu entwickelt werden müssen.
Mit zwei Mitarbeiterinnen und einem Buchhalter begann Rheindorf seine hauptamtliche Arbeit in anderthalb Zimmern am Blittersdorffplatz (heute François-Mitterand-Platz) in Frankfurt. Für das Hessische Ärzteblatt, dessen Schriftleitung Prof. Dr. med. Wilhelm Theopold 1957 übernommen hatte, wurde eine Redaktionssekretärin eingestellt. Später zog das Team in das Gebäude der Kassenärztlichen Vereinigung in der Frankfurter Georg-Voigt-Straße um. Doch je mehr Konturen das facettenreiche Aufgabenprofil der Kammer annahm, desto höher wurde der Personalbedarf. Schließlich wurden die Räumlichkeiten so eng, dass die Kammer ein eigenes Haus in der Frankfurter Myliusstraße 30 erwarb.
Von Berufsordnung bis Weiterbildungswesen
In der Aufbauphase, in der Franz Mündel die Präsidentschaft innehatte, mussten die Grundlagen für die Arbeit der Landesärztekammer gelegt werden. Im Vordergrund standen dabei die Berufsordnung für Ärzte, Fortbildung, Berufsgerichtsbarkeit, die Neuordnung des Weiterbildungswesens, Arzthelferinnen-Ausbildung und die Fürsorgeeinrichtungen. Für die einzelnen Gebiete wurden Satzungen und Geschäftsordnungen beschlossen, die von der Delegiertenversammlung verabschiedet wurden. 1958 trat eine neue Facharztanerkennung in Kraft.
Schon in den 1950er-Jahren hatte sich Theopold, damals noch Vizepräsident der Landesärztekammer, für eine Zentralisierung des Weiterbildungswesens stark gemacht. Mit dem Ergebnis, dass die Weiterbildung von den Bezirksärztekammern alten Stils auf die Landesärztekammer Hessen übertragen wurde, die als treibende Kraft bei der Vereinheitlichung des Weiterbildungswesens der Ärztekammern der Länder galt.
Turbulente Zeiten
Auch die 1960er- und 70er-Jahre erwiesen sich als turbulente Zeiten: „Als um das Jahr 1960 die großen politischen Auseinandersetzungen um die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung entbrannten, …, konnte die in Bedrängnis geratene Kassenärztliche Vereinigung auf Landes- und auf Bundesebene mit der tatkräftigen Unterstützung der hessischen Landesärztekammer rechnen“, erinnerte sich der ehemalige Ärztekammerpräsident Theopold – von 1957 bis 1999 auch Schriftleiter des Hessischen Ärzteblattes – in einem Interview, das 2006 in dem Band „50 Jahre Landesärztekammer Hessen“ (S. 42) erschien.
Die Ärzteschaft nahm den Kampf mit Theodor Blank, dem Sozialminister in der Adenauer-Ära, auf. Nach der großen Kundgebung der deutschen Ärzteschaft in der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1960 endete der Konflikt mit der Entlassung Blanks durch Bundeskanzler Adenauer. Die Rechte der Kassenärztlichen Vereinigung wurden gewahrt und der Kampf um den Erhalt der Berufsfreiheit war gewonnen.
1964 bis 1968
1964 wählten die Delegierten Theopold zum Präsidenten der Landesärztekammer Hessen; er hatte das Amt bis 1968 inne. Sein besonderes Interesse galt der ärztlichen Fort- und Weiterbildung. Auf Theopolds Initiative gingen neue Fortbildungsaktivitäten in Bad Nauheim zurück, die später zur Gründung der „Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung“ führten.
Mit der kontinuierlichen Ausweitung der Kammeraufgaben platzte das Haus an der Myliusstraße bald aus allen Nähten, so dass die LÄKH am 1. April 1966 in eine neu erworbene Immobilie in der Broßstraße 6 umzog. Die sechs regionalen Bezirksärztekammern – unselbstständige Einheiten der LÄKH – blieben dagegen über Hessen verteilt in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel, Marburg und Wiesbaden als lokale Ansprechpartner für die Mitglieder.
Frühes Engagement für Prävention
Auch im Bereich der Prävention begann die Landesärztekammer Hessen eine wachsende Rolle bei der Mitgestaltung der gesundheitspolitischen Grundlagen des Landes Hessen zu spielen. Theopold war Vorsitzender des Ausschusses „Vorbeugende Gesundheitspflege“ im Hessischen Landesgesundheitsrat. Dort entstand das Vorsorgeprogramm für Kinder, das regelmäßige Untersuchungen bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern in den ersten Lebensjahren enthielt und dank Theopolds Engagements 1971 in die gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen wurde. Eine bahnbrechende Entscheidung, da zuvor präventive Leistungen nicht von den Krankenkassen bezahlt wurden.
Berufliche Altersversorgung seit 1968
Am 1. Januar 1968 wurde – zusätzlich zu der „Erweiterten Honorarverteilung“ der Altersversorgung der Kassenärztlichen Vereinigung, von der die nicht kassenärztlich tätigen Ärztinnen und Ärzte ausgeschlossen waren – das Versorgungswerk der Landesärztekammer Hessen gegründet.
1968 bis 1986
Gründung der Akademie
Von 1968 bis 1973 war Dr. med. Heinz Stroh Präsident der Landesärztekammer Hessen. Der praktische Arzt und Geburtshelfer zählte zu den Gründern des Verbandes der niedergelassenen Nichtkassenärzte (NAV) und engagierte sich vor allem für die Belange der Allgemeinmedizin. Während seiner Amtszeit wurde die Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der LÄKH per Beschluss der Delegiertenversammlung gegründet. 1973 konnte das Akademiegebäude in Bad Nauheim eingeweiht werden. Im selben Jahr wurde der Orthopäde Dr. med. Wolfgang Bechthold zum Präsidenten der Landesärztekammer Hessen gewählt. Bechthold hatte das Präsidentenamt bis 1986 inne.
Gründung der Carl-Oelemann-Schule
Die Gründung der Carl-Oelemann-Schule (COS) geht auf den Beschluss der Delegiertenversammlung vom 14. Dezember 1974 zurück. Im Jahre 1975 wurden dann weitere grundlegende Voraussetzungen für die Schule geschaffen: Weiterbildungsordnung und Prüfungsordnung für Arztfachhelfer/-innen, der Kauf eines Grundstückes in Bad Nauheim mit Baubeginn der Schule und des Internates und der erste Weiterqualifizierungslehrgang für Arzthelfer/-innen zur Arztfachhelfer/-in.
Gutachter- und Schlichtungsstelle
Seit 1977 prüft die Gutachter- und Schlichtungsstelle (GuS) bei der Landesärztekammer Hessen in einem für Patienten und Mitglieder der LÄKH freiwilligen und kostenlosen Verfahren, ob ärztliche Behandlungsfehler vorliegen.
Berufsgerichtsabteilung
Die fest in der Struktur der Kammer verankerte Berufsgerichtsabteilung untersucht Verstöße gegen die Berufsordnung, führt Verfahren und bereitet Anschuldigungen beim Berufsgericht vor.
Facharztprüfungen und Berufsbild Allgemeinmedizin
Mi der Änderung des Heilberufsgesetzes im Jahr 1979 wurden im Weiterbildungswesen die Facharztprüfungen in Hessen eingeführt.
1986 bis 1992
Als ein Wegbereiter des einheitlichen Berufsbildes Allgemeinmedizin galt Dr. med. Helmuth Klotz, der von 1986 bis 1992 als Präsident an der Spitze der Landesärztekammer Hessen stand. Zuvor hatte der Praktische Arzt u. a. von 1978 an das Amt des Vizepräsidenten der Europäischen Akademie für ärztliche Fortbildung inne und war von 1978 bis 1995 Vizepräsident der Bundesärztekammer.
Unterstützung nach der Wiedervereinigung
Im Rahmen des „Aufbau Ost“ unterstützte die LÄKH den Aufbau der Ärztekammer Thüringen und beriet weitere östliche Nachbarstaaten. Unter anderem unterstützte die LÄKH, auch dank des Engagements von Dr. med. Michael Popović, seit 1987 Hauptgeschäftsführer, die tschechischen Kollegen beim Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung.
Folgen der „Ärzteschwemme“
Von den 1980er- bis in die 1990er-Jahre hinein überstieg die Zahl der approbierten Ärztinnen und Ärzte die verfügbaren Stellen deutlich. Die LÄKH setzte sich für die Bekämpfung der negativen Folgen der „Ärzteschwemme“ wie Lohndumping oder Gastarztverträge ein. Außerdem brachte sie das Projekt „Deutsche Ärzte für Südafrika“ auf den Weg.
1992 bis 2004
Umzug und Umstrukturierungen
Von 1992 bis 2004 war der Orthopäde Dr. med. Alfred Möhrle Präsident der Landesärztekammer Hessen: Zwölf ereignisreiche Jahre, in denen u. a. der Umzug in ein neues Gebäude auf dem Plan stand. 1992 war die Zentrale der LÄKH in dem gut gelegenen, aber viel zu kleinen Gebäude in der Broßstraße untergebracht. Um alle Abteilungen der Kammer – mit Ausnahme von Akademie und COS sowie der Bezirksärztekammern – unter einem Dach zusammenzuführen, fand am 1. Juli 1994 der Umzug in das neu angemietete Gebäude Im Vogelsgesang 3 statt. Damit waren Umstrukturierungen auf der Verwaltungsebene sowie die Umverteilung von Aufgaben und Entscheidungskompetenzen verbunden.
Stärkere Serviceorientierung
Mehr Mitgliedernähe, Service und Beratung: Um die Ärztekammer serviceorientierter zu gestalten, wurden die Mitarbeitenden in kommunikativem Verhalten geschult, übermäßig bürokratische Verfahren abgebaut und Vorgänge schneller bearbeitet – unterstützt durch den konsequenten Ausbau der EDV und der Informationstechnik.
Fokus Öffentlichkeitsarbeit
Ein weiteres Augenmerk galt dem Ausbau und der Professionalisierung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Arbeit der Kammer in der breiten Öffentlichkeit und innerhalb der Ärzteschaft besser bekannt zu machen. Regelmäßiger Austausch mit Journalisten, Pressemitteilungen und -konferenzen gehören seither zum breiten Aufgabenspektrum der Presseabteilung, die Anfang der 2000er-Jahre in Zusammenarbeit mit der EDV-Abteilung die erste Website der Kammer gestaltete.
Die Öffentlichkeit für die Bedeutung von Prävention sensibilisieren: Auch das zählt zu den Aufgaben: Neben der jährlichen Aufforderung zur Grippeschutzimpfung wurde 2002 der erste Präventionstag der LÄKH im Frankfurter Hauptbahnhof organisiert.
Anfang der 2000er-Jahre erfolgte eine Modernisierung des Hessischen Ärzteblatts. Um mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen, wurde die Veranstaltungsreihe „Bad Nauheimer Gespräche“ von Bad Nauheim nach Frankfurt verlegt.
Neues Seminargebäude
Das 1973 eingeweihte Akademiegebäude in Bad Nauheim konnte zwar 1998/99 renoviert werden, doch das Seminargebäude, ein Fertighaus, war nicht mehr sanierbar. Daher beschloss die Delegiertenversammlung 1998, an seiner Stelle ein neues Gebäude zu errichten, das sowohl der Akademie als auch der Carl-Oelemann-Schule dienen sollte. Das neue Haus wurde 2000–2002 erbaut und am 31.8. 2002 eingeweiht. 2004 erfolgte der Abriss der über 25 Jahre alten Kongresshalle, deren Räumlichkeiten durch das neue Fortbildungszentrum ersetzt wurden.
Zum umfangreichen Angebotsspektrum der Akademie gehörten auch die ärztliche Fortbildung nicht unmittelbar betreffende Themen, wie die Stellung des Arztes im Dritten Reich: In insgesamt 16 Einzelveranstaltungen vermittelte Dr. med. Siegmund Drexler von 1994 bis 2001 die Vergangenheit in der Gedenkstätte Hadamar als Veranstaltungsort.
Beginnender Ärztemangel
Ende der 1990er-Jahre begann sich dann immer deutlicher ein künftiger Ärztemangel abzuzeichnen, der u. a. mit gesellschaftlichem Wandel, dem wachsenden Anteil von Ärztinnen an der Ärzteschaft, insbesondere aber auch mit den belastenden Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis in Zusammenhang stand.
LÄKH: Vorreiterin bei Umfragen unter Ärzten und medizinischem Nachwuchs
2001 startete die LÄKH ihre erste Umfrageaktion mit dem Ziel, verlässlichere Daten über die tatsächlichen Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus zu gewinnen. Der überdurchschnittliche Rücklauf zeigte im Ergebnis, dass viele Überstunden nicht nur unentgeltlich geleistet wurden, sondern vielmehr in den meisten Kliniken überhaupt nicht erfasst wurden. Um die Auswirkungen der Arbeitsbelastung und -zufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten auf den medizinischen Nachwuchs zu untersuchen und auf Landes- und Bundesebene zu dokumentieren, führt die Landesärztekammer seit den 2000er-Jahren repräsentative Umfragen unter Medizinstudierenden und Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung durch.
2004 bis 2008
Einsatz für Verbesserung der ärztlichen Arbeitsbedingungen
Als erste Frau wurde 2004 die Chirurgin Dr. med. Ursula Stüwe zur Präsidentin der Landesärztekammer Hessen gewählt. Deutlich prangerte sie die Missstände im Gesundheitswesen an. Wettbewerb sei keine Lösung der Probleme im Gesundheitswesen, anders als von Politikern, Ökonomen und Krankenkassen propagiert, betonte Stüwe. Im Namen der Landesärztekammer setzte sie sich mit Verve gegenüber Politik und Öffentlichkeit für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten ein.
Weiterbildung, elektronische Gesundheitskarte, Heilberufsausweis
Am 1.11.2005 trat in Hessen die neue Weiterbildungsordnung in Kraft. Die Delegiertenversammlung der LÄKH beschloss eine 5-jährige Weiterbildungszeit für den „Facharzt für Innere Medizin“, der die europäischen Anforderungen erfüllt.
Weitere Zukunftsprojekte, mit denen sich die Landesärztekammer ab 2004 beschäftigte, waren u. a. die geplante Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und des Heilberufsausweises.
50 Jahre Landesärztekammer Hessen
2006 organisierte die Ärztekammer eine feierliche Veranstaltung anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens; gleichzeitig erschien der Band „50 Jahre Landesärztekammer Hessen“.
Prävention weiter großgeschrieben
Weiterhin wurde und wird Prävention großgeschrieben: So fand der Auftakt der Aktion Impfaufklärung 2004 statt; außerdem gab die LÄKH einen Flyer über die notwendigen Impfungen und Auffrischungsimpfungen im Kindes- und Jugendalter heraus. 2007 startete das an Kinder und Jugendliche adressierte Alkoholpräventionsprojekt „Hackedicht – Besser geht’s dir ohne“ der Landesärztekammer, das nach wie vor mit großem Erfolg an hessischen Schulen veranstaltet wird.
Anerkennungsstelle
Von der neu ins Leben gerufenen Anerkennungsstelle werden seither die Fortbildungsveranstaltungen zertifiziert und die erworbenen Fortbildungspunkte gepflegt; dank weiterer Entwicklungen im EDV-Bereich konnten schon Anfang 2008 die ersten Fortbildungszertifikate ausgestellt werden.
Bündnis Heilen & Helfen
Gemeinsam stark: Um den Anliegen der Heilberufe mehr Gehör seitens der Politik und mehr Aufmerksamkeit im gesellschaftlichen Diskurs zu verschaffen, wurde 2007 das Bündnis Heilen & Helfen der hessischen Heilberufskörperschaften aus der Taufe gehoben. Vertreten sind die Landesärztekammer, die Landeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Vereinigung, die Landesapothekerkammer, die Psychotherapeutenkammer sowie die Landestierärztekammer. Im Januar 2008 fand der erste Heilberufetag des Bündnisses in Wiesbaden statt.
COS: Überbetrieblichen Ausbildung und Gästehaus
Das neue Konzept in der Überbetrieblichen Ausbildung konnte im Jahr 2008 erfolgreich etabliert werden.
Am 19. Januar 2008 wurde das Gästehaus der Carl-Oelemann-Schule (ehemaliges Internatsgebäude) eingeweiht.
2008 bis 2018
Der Internist Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach wurde 2008 als Nachfolger von Dr. med. Ursula Stüwe gewählt und führte die Kammer über zwei Amtszeiten bis 2018. Eine ereignisreiche Zeit, in der viele Innovationen auf den Weg gebracht wurden.
Digitale Weiterentwicklung
Neben der neu aufgestellten Website mit zielgruppengerechten Online-Angeboten und der Einrichtung des ersten Social-Media-Kanals der LÄKH wurden das Mitglieder-Portal und das Kammer-Wiki eingerichtet. Außerdem entwickelte die EDV-Abteilung eine App für die ärztliche Fortbildung, die sogenannte Fobi@pp mit Anwendungen zur Punktekonteneinsicht für Ärztinnen und Ärzte und zur Punktemeldung für Anbieter von zertifzierten Fortbildungsveranstaltungen.
Ein weiteres großes Plus für die Mitglieder der LÄKH: Viele Verwaltungsprozesse, u. a. rund um die Antragstellung in Weiterbildungswesen, wurden zunehmend digitalisiert.
LÄKH: Alleinige Herausgeberin des Hessischen Ärzteblattes
Die gemeinsame Herausgeberschaft des Hessischen Ärzteblattes durch die Landesärztekammer Hessen und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen wurde zum 31. Dezember 2007 von der Kassenärztliche Vereinigung gekündigt. Seit 2008 ist die Landesärztekammer Hessen damit alleinige Herausgeberin des HÄBL.
Impulse für ärztliche Weiterbildung
Auch die Angebotspalette der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung wurde ständig weiterentwickelt, um ein umfangreiches Seminarprogramm auf hohem Niveau anbieten zu können. Ein besonderes Augenmerk galt der Verbesserung der Weiterbildung, da hier die Weichen für den ärztlichen Berufsweg gestellt werden. Die Landesärztekammer rief 2010 einen Runden Tisch Weiterbildung ins Leben, von dem entscheidende Impulse für die künftige Gestaltung der Weiterbildung ausgehen sollten.
Kongress in Grado
Von 2016 bis 2018 war die LÄKH für die Organisation des Internationalen Seminarkongresses in Grado, Italien, zuständig.
Aufbau eines Weiterbildungsregisters
Um junge Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung in Zukunft direkt ansprechen zu können und von ihnen zu erfahren, wie die Weiterbildung in Hessen optimiert werden kann, baute die Landesärztekammer in von Knoblauchs Amtszeit ein Register der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung auf.
Neustrukturierung der Geschäftsführung der Landesärztekammer Hessen
Nachdem der langjährige Hauptgeschäftsführer und Geschäftsführende Arzt der LÄKH Dr. med. Michael Popović 2010 in den Ruhestand getreten war, wurde die Geschäftsführung neu strukturiert: Seitdem wird die Kammer auf hauptamtlicher Ebene von einem ärztlichen, einem kaufmännischen und einem juristischen Geschäftsführer geleitet.
Runder Tisch Migration
Ein 2010 eingerichteter Runder Tisch Migration setzte sich mit den besonderen Anliegen von Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund, aber auch mit dem Umgang von Ärzten mit Patienten mit Migrationshintergrund auseinander.
TÜV-Zertifizierung
Für den Aufbau eines internen Qualitätsmanagement-Systems wurde die Carl-Oelemann-Schule 2011 durch den TÜV Hessen nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert.
Palliativmedizin
Förderung und Ausbau der palliativen Versorgung in Hessen waren eines der Ziele in den Jahren 2008 bis 2018. So wurde die Reihe der Fachtagungen zur palliativen Versorgung in der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung fortgesetzt. Außerdem machte sich die Landesärztekammer für die universitäre Forschung in der Palliativmedizin stark.
Ambulante Ethikberatung
Ethische Fragestellungen im Gesundheitswesen waren Kammerpräsident von Knoblauch zu Hatzbach ein besonderes Anliegen. 2016 wurde auf seine Initiative hin der Verein „Ambulante Ethikberatung in Hessen e. V.“ gegründet.
Hessische Ärztetage und 60 Jahre LÄKH
In den 2010er-Jahren wurde die Tradition der Hessischen Ärztetage wieder aufgegriffen. 2013 fand der erste Hessische Ärztetag mit dem Titel „Dschungel Gesundheitssystem“ in den Mainarcaden in Frankfurt statt. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der LÄKH wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts zur Geschichte der hessischen Ärztekammern 2016 auf dem 2. Hessischen Ärztetag vorgestellt.
Weiteres Präventionsprojekt
2017 wurde das Alkohol-Präventionsprojekt „Hackedicht – Besser geht’s dir ohne!“ zehn Jahre alt.
Mit ihrem neuen Diabetes-Präventionsprojekt „Fit und gesund älter werden“ wandte sich die LÄKH an Menschen ab dem mittleren Lebensalter.
Deutscher Ärztetag 2015
Ein Höhepunkt war der 118. Deutsche Ärztetag vom 12.–15. Mai 2015 in Frankfurt am Main. Als Gastgeberin war die Landesärztekammer Hessen für das Rahmenprogramm des mehrtägigen Kongresses verantwortlich, der in der Frankfurter Paulskirche eröffnet wurde.
Mitgliederbefragung
Wie zufrieden sind hessische Ärztinnen und Ärzte mit den Serviceangeboten der Landesärztekammer Hessen? 2017 führte die LÄKH erstmalig eine repräsentative Mitgliederbefragung durch.
Partnerschaft mit der Ärztekammer von Salerno
Am 10. Juni 2017 unterzeichneten die Präsidenten der Landesärztekammer Hessen und der Ärztekammer von Salerno (Ordine dei Medici ed Odontoiatri della Provincia di Salerno) eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung von ärztlichen Fortbildungspunkten. Zu den weiteren gemeinsamen Aktivitäten gehören seither der regelmäßige Erfahrungsaustausch und fachliche Symposien.
Neubau an Hanauer Landstraße
Bereits 2013 hatte sich abgezeichnet, dass die gemietete Immobilie Im Vogelsgesang nicht mehr den Anforderungen der LÄKH an ein modernes, für die wachsenden Aufgaben und digitale Ausstattung der Kammer gerüstetes Verwaltungsgebäude entsprach. Nachdem die Erweiterungs- und Umbaupläne mit dem Vermieter 2015 gescheitert waren, wurde nach intensiven Sondierungen 2016 ein geeignetes Objekt – damals noch in der Entwurfsplanung – an der Hanauer Landstraße 152 gefunden. Der Kaufvertrag wurde 2017 geschlossen und das Ziel, 2019 in das neue Kammergebäude einzuziehen, nach intensiven Vorbereitungen eines LÄKH-internen Planungsstabes und der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Architekten und Bauträger erreicht.
2018 bis heute
2018 wurde Dr. med. Edgar Pinkowski, Anästhesist und Schmerzmediziner, zum Präsidenten der Landesärztekammer Hessen gewählt; Start einer ereignisreichen Zeit. Neun Monate nach der konstituierenden Delegiertenversammlung konnten die Räume an der Hanauer Landstraße 152 in Frankfurt im Juni 2019 bezogen werden. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu ahnen gewesen, dass Herausforderungen wie die Coronapandemie und der die Sicherheitslage in Europa verändernde russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auch die Arbeit der Landesärztekammer massiv beeinflussen sollten.
Neue IT-Infrastruktur
Räumlich und technisch bot das neue Kammergebäude die Voraussetzungen, um die Arbeit für die Mitglieder auch in den herausfordernden Jahren der Pandemie aufrechtzuerhalten. Die Ausstattung mit einer vollkommen neuen IT-Infrastruktur erlaubte es einem großen Teil der Mitarbeiterschaft, während des Lockdowns in der Hochphase der Pandemie von zu Hause aus mobil zu arbeiten. Wo dies – bspw. in der Hausverwaltung oder durch die Bearbeitung von Mitgliederakten – nicht möglich war, boten die Räumlichkeiten der Landesärztekammer durch Abstandsgebote und mehrfachen Luftaustausch sichere Arbeitsplätze.
Umgang mit Coronapandemie
Ein eigens für die Sicherheit von Mitgliedern und Belegschaft ins Leben gerufener Corona-Krisenstab sorgte dafür, dass die Coronaregeln umgesetzt wurden und wichtige Aufgaben der LÄKH für die Ärzteschaft, darunter die Organisation der Facharzt- und Kenntnisstandprüfungen, weiterhin geleistet werden konnten.
Dank minutiöser Planung war es während der Pandemie auch möglich, Fort- und Weiterbildungsangebote von Akademie und Carl-Oelemann-Schule in Bad Nauheim mit Online-Angeboten und mit coronakonformen Präsenzveranstaltungen aufrechtzuerhalten. Unter Wahrung der Coronaregeln konnten auch die Prüfungen zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) erfolgen.
Unterstützung der Politik
Während der Pandemie unterstützte die Landesärztekammer die Politik aktiv bei ihren Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. So rief die LÄKH im Dezember 2020 Ärztinnen und Ärzte, Studierende und Medizinische Fachangestellte dazu auf, sich für die Mitarbeit in den Corona-Impfzentren zu melden. Die Resonanz auf den Aufruf war überwältigend!
Digitalisierung und Servicequalität
Die Arbeit der Landesärztekammer wird immer digitaler. Arbeitsprozesse wurden und werden zunehmend digitalisiert. Eine Entwicklung, die durch die Coronapandemie noch beschleunigt wurde. Gleichzeitig wird die Servicequalität für die Mitglieder mit Hilfe digitaler Anwendungen kontinuierlich verbessert. Das Mitgliederportal ist mittlerweile die zentrale Anlaufstelle für Ärztinnen und Ärzte in Hessen.
Kommunikation
Im August 2020 ging die neue Website mit völlig überarbeiteter Struktur, zukunftsorientierter Technik und modernem Design online – ein weiterer Meilenstein in puncto Serviceorientierung der Landesärztekammer.
Wie die 2022 durchgeführte Mitgliederbefragung zeigte, sind das Hessische Ärzteblatt (Spitzenreiter mit 81 % der Mitglieder), die Website (68 %) sowie das Mitgliederportal (63 %) die am häufigsten genutzten Medien der Landesärztekammer. Außerdem baut die LÄKH seit Beginn der 2020er-Jahre die Kommunikation über ihre Social-Media-Kanäle kontinuierlich weiter aus.
Digitalisierte Arbeitsabläufe in der Weiterbildung
Die 2020 in Kraft getretene neue Weiterbildungsordnung bedeutete nicht nur für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Weiterbildungsbefugte eine Zeitenwende. Auch die Weiterbildungsabteilung der Landesärztekammer musste neustrukturiert werden, um den neuen Herausforderungen gerecht werden zu können. Dass viele Arbeitsabläufe digitalisiert, Anträge online gestellt und bearbeitet werden können, erleichtert die Prozesse für Mitglieder und Mitarbeitende gleichermaßen.
Digitalisierung des Hessischen Ärzteblattes
Um den Mitgliedern zeitgemäß, schnell und umweltschonender die relevanten Informationen in dem Mitteilungsblatt der Landesärztekammer zu bieten, beschloss die Delegiertenversammlung, die schon seit vielen Jahren zur Verfügung stehende digitale Ausgabe des Hessischen Ärzteblattes ab dem 1. September 2023 zur führenden Version zu machen.
Patientensicherheit und Fehlerkultur
Auf Landes- und Bundesebene setzt sich die LÄKH für Patientenrechte und Patientensicherheit ein. U. a. wurden die Arbeitsgruppe „Sicherer Umgang mit digitaler Gesundheitsinformation“ eingerichtet, die Serie „Patientensicherheit“ im Hessischen Ärzteblatt veröffentlicht, Live-Online-Sonderveranstaltungen zum Welttag der Patientensicherheit organisiert und der Patientensicherheitspodcast „Sichere Medikation geht alle an“ produziert.
Ärztliche Arbeitsbedingungen und Nachwuchsförderung
Weiterhin engagiert sich die Kammer für gute Rahmenbedingungen der ärztlichen Arbeit im Gesundheitswesen und die Förderung des beruflichen Nachwuchses. Die Freiheit des Arztberufs ist für die LÄKH unverzichtbar. Als Teil des Gemeinwesens stellt sie sich im Rahmen ihrer Aufgaben auch gesellschaftspolitischen Herausforderungen wie der demografischen Entwicklung und dem Klimawandel.
Deutsch-italienisches Symposium
Partnerschaft mit Ärztekammer von Salerno: Seit 2017 finden sowohl in Salerno als auch in Hessen gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen statt; im Juni 2022 in Frankfurt mit dem deutsch-italienischen Symposium „Kampf gegen das Virus: Wie Hessen und die Region Kampanien die Coronapandemie bewältigen“. Für August 2026 ist das gemeinsame Symposium „KI in der Medizin“ wieder in Frankfurt geplant.
Unterstützung der Ukraine
Neben der Einrichtung einer Webseite mit wichtigen Informationen sowohl für ukrainische Staatsangehörige in Hessen als auch für hessische Ärztinnen und Ärzte, die Hilfe leisten wollen, brachte die LÄKH im März 2023 mit Unterstützung des „Ukraine Medical Help Fund“ Arzneimittel für drei ukrainische Krankenhäuser auf den Weg. Eine weitere Hilfslieferung erfolgte im Mai 2024.
Neues Präventionsprojekt
Im Juni 2024 war Auftakt des neuen Präventionsprojektes „Cannabis: Kiffen, bis der Arzt kommt?“ der Landesärztekammer. Wie bei dem 2007 gestarteten Alkoholpräventionsprojekt informieren ärztliche Expertinnen und Experten Jugendliche an hessischen Schulen über die Risiken des Cannabis-Konsums.
2025: Jubiläum der Carl-Oelemann-Schule
Mit einem Fortbildungstag feierte die Carl-Oelemann-Schule 2025 ihr 50-jähriges Bestehen.
Zivil-militärische Zusammenarbeit
2026 fand das dritte Symposium zur zivil-militärischen Zusammenarbeit der LÄKH auf Schloss Oranienstein statt. Dr. med. Edgar Pinkowski: „Es ist ein Baustein, wie wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden wollen. Für eine gute Patientenversorgung ist ein resilientes Gesundheitssystem in Krisenzeiten unabdingbar“ (HÄBL 01/2026).
Neuausrichtung der Akademie
Um die Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung zukunftsfähig zu machen, entschied sich das Präsidium auch auf Grundlage der Analyse einer Unternehmensberatung zu einer Neustrukturierung. Zu der Veränderung der Organisationsstruktur gehörte die Umwandlung der zuvor doppelt aufgestellten Spitze in eine Leitungsspitze, die auch professionelles Marketing betreibt. Neben der Fokussierung auf kostendeckende Kurse und einen Ausbau des Kursangebots in Frankfurt sind noch mehr Online-Angebote als bisher im Programm der Akademie enthalten: Grundlegende Veränderungen, die auf ein positives Echo der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stoßen.
Sanierung des Akademiegebäudes
Da das in den 1970er-Jahren entstandene Akademiegebäude in die Jahre gekommen war, beschlossen die Delegierten eine Sanierung, die das Gebäude technisch, energetisch und architektonisch auf den aktuellen Stand bringen soll. 2026 haben die Umbauten begonnen. Eine Herausforderung, zumal der Akademiebetrieb ohne Einschränkungen weiterläuft. Dazu wurden Räumlichkeiten in Bad Nauheim angemietet; ein Teil der Veranstaltungen findet in Frankfurt statt.
Ausblick: Deutscher Ärztetag 2027
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und erfordern umfangreiche Vorbereitungen: Die LÄKH ist Gastgeberkammer des Deutschen Ärztetages 2027 in Wiesbaden.
Katja Möhrle
Quellen:
- „50 Jahre Landesärztekammer Hessen“
- „Geschichte der hessischen Ärztekammern 1887–1956“ (GdhÄ)
- Tätigkeitsberichte der LÄKH
- Interview mit Dr. med. Edgar Pinkowski, HÄBL 01/2026
Historischer Rückblick
1887 bis 1945
Die Geschichte der hessischen Ärztekammer war nicht erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wechselvoll. Um die historische Perspektive bis zur Gegenwart beleuchten zu können, bedarf es zunächst eines Überblicks über die Zeit vor 1956.
Wie haben sich die Ärztekammern in Hessen herausgebildet? Was waren die zentralen Themen, Ziele und Interessen der sich organisierenden Ärzteschaft? Gegenstand eines zweijährigen Forschungsprojekts, in dessen Rahmen sich die Autoren Benno Hafeneger, Marcus Velke und Lucas Frings in Zusammenarbeit mit Präsidium, Beirat und Mitarbeitenden der LÄKH mit der Geschichte der hessischen Ärztekammern auseinandergesetzt hatten, war eine institutions- und regionalgeschichtliche Rekonstruktion der Standesgeschichte der organisierten Ärzteschaft in Hessen. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Landesärztekammer Hessen im Jahr 2016 erschien ihr Buch „Geschichte der hessischen Ärztekammern 1887–1956“.
Von lokalen Vereinen zu Ärztekammern
Die Geschichte der Ärztekammern begann in den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Ärzte fingen an, sich zunächst in lokalen Vereinen, dann im Hessischen Landesverein zu organisieren, bis im Jahr 1887 – mit der preußischen Königlichen Verordnung – die Ärztekammer der Provinz Hessen-Nassau gegründet wurde. Die lokalen Vereine dienten sowohl dem gesellschaftlichen Leben als auch der Fortbildung, der Mitarbeit in der kommunalen Gesundheitspolitik und der Formulierung ärztlicher Interessen.
Staatlicherseits – vom deutschen Kaiserreich über die parlamentarisch-demokratische Demokratie bis zum demokratischen Verfassungsstaat – wurden die organisierten Ärzte als Verhandlungspartner und Akteure in medizinischen Fragen unterstützt (vgl. „Geschichte der hessischen Ärztekammern 1887–1956“, S. 70).
Fortsetzung der Interessenpolitik
Auch in der neu gegründeten Weimarer Republik (1919–1933) setzten die ärztlichen Standesvertreter in zwei Ärztekammern – eine im Volksstaat Hessen, als Nachfolger des Großherzogtums Hessen, die andere in der preußischen Provinz Hessen-Nassau – ihre Interessenpolitik fort, die mit einem weiteren Professionalisierungsprozess (frei praktizierende und angestellte Ärzte) verbunden war (vgl. GdhÄ, S. 86).
Tiefer Einschnitt Nationalsozialismus
Rassenlehre, Antisemitismus und Gewalt: Die in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Ideologie des Nationalsozialismus hatte mit der Machtübernahme der NSDAP auch einschneidende Folgen für die Gesundheits- und Ärztepolitik: Gleichschaltung der Ärztekammern bereits im Jahr 1933, verbunden mit ihrer Übernahme durch Funktionäre der NSDÄB (Nationalsozialistischer Deutscher Ärztebund). Auch in den beiden hessischen Ärztekammern wurden Gleichschaltung und Übernahme durch den NSDÄB zügig umgesetzt. Von 1934 bis 1941 fungierte das „Ärzteblatt für Hessen“ als „Nachrichten- und Kampfblatt“ für völkisches Denken. Jüdische und politisch missliebige Ärztinnen und Ärzte wurden verfolgt und ihre berufliche Existenz zerstört (vgl. GdhÄ, S. 254).
1945 bis 1956
Nachkriegszeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen die Alliierten die oberste Kontrolle in Deutschland, das in vier Besatzungszonen aufgeteilt wurde. Die amerikanische Militärregierung in Deutschland wies den Ärztekammern auf Landesebene die Selbstverwaltung der ärztlichen Angelegenheiten unter Aufsicht der zuständigen Militärvertreter zu.
Bad Nauheim – wo alles begann
Im September 1945 war die Entscheidung über die territoriale Neuschöpfung des Landes Hessen getroffen worden, in dem die ehemalige preußische Provinz Kurhessen und Nassau sowie der ehemalige Volksstaat Hessen zusammengefügt wurden. Angetrieben von der Notwendigkeit, die ärztliche Versorgung der notleidenden Bevölkerung zu organisieren, vollzog sich der Neuaufbau der Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Ärztekammern und der Arbeitsgemeinschaft der Kassenärztlichen Vereinigungen in Bad Nauheim, der Wiege der Nachkriegs-Ärztekammerstrukturen.
„Lange währendes Provisorium“
Als „ein lange währendes Provisorium“ bezeichnet der Historiker Thomas Gerst die Vorläufer der Ärztekammer Hessen in den Jahren 1945 bis 1955 in dem Band „50 Jahre Landesärztekammer Hessen (ebda S. 15), der 2006 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der LÄKH erschien. Mit Dr. med. Paul Hofmann wählte die hessische Ärzteschaft im Dezember 1945 einen politisch unbelasteten, ehemals vom NS-Regime verfolgten jüdischen Arzt an die Spitze ihres ersten landesweiten Zusammenschlusses.
In Darmstadt, Frankfurt, Marburg, Gießen, Wiesbaden und Kassel nahmen ärztliche Standesorganisationen als Nachfolger ärztlicher Bezirksvereinigungen ihre Arbeit auf. 1949 wurde eine Landesärztekammer als eingetragener Verein ins Leben gerufen. Doch obwohl inzwischen die Hessische Landesregierung an die Stelle der amerikanischen Militärregierung getreten war, gab es zwischen Politik und Ärzteschaft, aber auch unter den ärztlichen Verbänden, Differenzen hinsichtlich der Etablierung einer Ärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit subsidiär übertragenen Aufgaben des Staates. Aber die Entwicklung war nicht aufzuhalten: Am 10. November 1954 wurde das „Kammergesetz“ erlassen und im März 1956 konstituierte sich die Landesärztekammer Hessen in Bad Nauheim.













