Dr. Reinhard Kaden Verlag, Heidelberg 2021, 188 Seiten (gebunden), ISBN: 9783942825870, € 24.80

 

„Chirurginnen“ – ein Buchtitel, der Aufmerksamkeit erregt. Denn ein ganzes Buch den Vertreterinnen dieses Berufes zu widmen, ist sicherlich beachtenswert. Volker Klimpel, habilitierter Chirurg und Medizinhistoriker, gibt im ersten Abschnitt einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der „weiblichen Chirurgie“. Im zweiten Teil stellt der Autor kurz die Lebensläufe von mehr als 100 Chirurginnen aus allen Epochen vor, bevor er zum Abschluss heutige Chefärztinnen und Abteilungsleiterinnen auflistet.

 

Zunächst beleuchtet der Autor den Werdegang von Chirurginnen von der Antike bis zur heutigen Zeit. Dass die Abschnitte bis zum 19. Jahrhundert relativ kurzgehalten sind, liegt sicherlich am fehlenden Material. Frauen in der Medizin waren rar und Chirurginnen erst recht. Obwohl es umso inspirierender ist, dass auch in dieser dunklen Zeit einige Frauen, aller Widrigkeiten zum Trotz, ihrer Passion zur Chirurgie gefolgt sind und so einen verdienten Platz in diesem Buch finden. Um 1900 schien sich dann die Situation für Frauen in der Medizin langsam zu verbessern. Es gab immer mehr Frauen, die Medizin studieren konnten, und somit auch mehr Chirurginnen, die beeindruckende Beiträge zur chirurgischen Tätigkeit entwickelt haben.

Endlich kamen Anfang des 21. Jahrhunderts Frauen an die Spitze der chirurgischen Abteilungen. Allen voran Prof. Dr. med. Doris Henne-Bruns als erste Ordinaria für Chirurgie, die das Vorwort für dieses Buch geschrieben hat. Dennoch wird am Ende des Kapitels auf die immer noch erschreckende Unterzahl weiblicher Kollegen am oberen Ende der Karriereleiter hingewiesen.

Geschrieben ist das Buch für alle, die einen Einblick in das Wirken von Chirurginnen aller Epochen, inklusive der heutigen Situation in den Führungsetagen bekommen wollen. Ich als junge Chirurgin fand das Buch sehr informativ und interessant. Dass wenige Formulierungen des Autors über die weiblichen Kollegen als strittig wahrgenommen werden könnten, lässt dennoch keinen Zweifel daran, dass er allen Chirurginnen seinen Respekt zollt. Und auch wenn wir in der Chirurgie noch weit von Gleichberechtigung entfernt sind, macht dieses Buch auf unseren außergewöhnlichen Beruf aufmerksam und inspiriert hoffentlich viele Medizinerinnen, diesen zu wählen.

Dr. med. Carolin Piotrowski, Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie, St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig

Diese Rezension ist ein Nachdruck aus dem Ärzteblatt Sachsen, 7/2021, S. 31.

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