1942 starb Dr. med. Alfred Lipstein im KZ Theresienstadt. Lipstein war in Frankfurt als Arzt für Magen-Darmkrankheiten niedergelassen und wurde als Jude gemeinsam mit seiner Ehefrau Hilde 1942 deportiert.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Geboren wurde Alfred Lipstein in Königsberg und studierte Medizin in Freiburg, Heidelberg, München und Kiel. 1899 erfolgten nach bestandenem Staatsexamen in Heidelberg sowohl die Approbation als auch die Promotion über ein viszeralmedizinisches Thema mit dem Titel: „Beiträge zur Kasuistik der Leberchirurgie“. 1907 heiratete er seine Frau Hilde Lipstein, geb. Sulzbach.
Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die beiden Töchter Beate und Margot und die Söhne Kurt und Walter. Alle vier Kinder wurden im Jahr 1918 in Frankfurt christlich getauft. Der Sohn Kurt Lipstein, 1909 geboren, emigrierte nach England und wurde an der Universität Cambridge ein bekannter Rechtswissenschaftler. Eine besondere Laufbahn als Ärztin zeichnete die 1912 geborene und 2015 verstorbene Tochter Beate Lipstein-Davidson aus. Sie hatte in Frankfurt das Medizinstudium aufgenommen und 1933 politisch bedingt unterbrochen. Nach ihrer Flucht nach Rom beendete sie dort das Studium und emigrierte kurz vor Ausbruch des Krieges nach Palästina. Beate war als qualifizierte Gynäkologin tätig und engagierte sich für arabische und jüdische Frauen im Bereich der Geburtenkontrolle.
In Frankfurt war Lipstein zunächst Assistenzarzt am dortigen Pathologischen Institut und wechselte dann zur Weiterbildung und Spezialisierung an das Städtische Krankenhaus und die Poliklinik für Magen-Darmkranke in Berlin. Zurück in Frankfurt, war Lipstein Assistent von Paul Ehrlich und ließ sich 1907 als praktischer Arzt nieder.
Frühzeitig spezialisierte er sich für das neue Fachgebiet Gastroenterologie und war seit 1924 als Internist und eigenständiger Facharzt für Magen-Darmkrankheiten tätig. In Frankfurt wohnte die Familie in der Westendstraße 23, dann im Kettenhofweg 121 und zuletzt in der Gaußstraße 30.
1933–1942
Das Ehepaar Lipstein wurde 1942 im Zuge der neunten großen Deportation aus Frankfurt in das Durchgangs- und Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Warum sie nicht vorher emigriert sind, hängt mit dem epilepsiekranken Bruder Edmund von Hilde Lipstein zusammen. So hatte Hilde ihren Eltern vor deren Tod versprochen, sich um ihn zu kümmern und daher in Frankfurt zu bleiben. Zwei Wochen nach der Deportation kam Alfred Lipstein am 1. Oktober 1942 mit 66 Jahren in Theresienstadt ums Leben. Seine Ehefrau Hilde verstarb bereits am 16. September 1942.
Geehrt wurden Hilde und Alfred Lipstein mit der Stolpersteinverlegung der Evangelischen Dreikönigsgemeinde in Frankfurt-Sachsenhausen in der Westendstraße 23 am 12. Mai 2011.
Prof. Dr. med. Daniel Jaspersen, Fulda, E-Mail: d.jaspersen@live.de




