Die Feiertage haben es drastisch gezeigt – die Reform der Notfallversorgung ist dringend erforderlich.
In unserer Zentralen Notaufnahme (ZNA) und im direkt nebenan befindlichen Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) waren noch nie so viele Patientinnen und Patienten vorstellig wie zu diesem Jahreswechsel.
Die gesamte Notfallversorgung wurde in diesen zwei Wochen auf ZNA und ÄBD abgewälzt, der Rettungsdienst war ebenfalls komplett gefordert. Wir haben mittlerweile mit SmED Kontakt+ (strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) sowie den Triagesystemen in den ZNA durchaus Möglichkeiten der Patientensteuerung. Wenn aber die Anzahl der Menschen, die Hilfe suchen via Internet, Telefon (116 117) oder persönlicher Vorstellung die personellen und räumlichen Ressourcen der jeweiligen Versorgungsstrukturen überschreitet, dann wird es kritisch für alle.
Natürlich können mit diesen Systemen diejenigen herausgefiltert werden, die keine Notfälle sind. Deren Unmut wächst natürlich, wenn sie sich selbst als Notfall einschätzen und wir trotz SmEd Kontakt+ und Triage diskutieren müssen, bis hin zu schwerer Körperverletzung eines Kollegen durch einen Angehörigen, wie es Ende Dezember in unserer ZNA im Klinikum Darmstadt bekanntlich passiert ist.
„Zum Nulltarif kann es nicht gehen. Ansonsten wird auch diese Reform nichts ändern.“
Aber trotz allem haben wir eine Zunahme in den Notfallsystemen an Menschen, die Hilfe benötigen.
In der Notaufnahme sind es die chronisch Kranken, die immer wieder mit Verschlechterung z. B. der Nieren- und Herzerkrankung vorstellig werden, es sind diejenigen mit Immun-/Chemotherapien, die mit Komplikationen und Infektionen kommen, dazu aktuell Influenzaerkrankte, die einer stationären Versorgung bedürfen, es sind die Hochbetagten aus Pflegeheimen bzw. häuslicher Pflege mit diversen Problemen. Es sind die akuten Schlaganfälle, die Sepsis jedweder Ursache, die Schockräume traumatologisch und konservativ, die Herzinfarkte und die cerebralen Blutungen …
Die Aufzählung der nicht-internistischen Bereiche würde den Text hier sprengen.
Wenn die Politik den Bürgerinnen und Bürgern eine 24/7 medizinische Notfallversorgung via Integrierten Notfallzentren verspricht, dann müssen ausreichende Ressourcen – finanziell, personell, räumlich zur Verfügung stehen.
Zum Nulltarif kann es nicht gehen.
Ansonsten wird auch diese Reform nichts ändern.
Dr. med. Christine Hidas, Mitglied des Präsidiums der Landesärztekammer Hessen

