„Der fachliche Austausch beim 9. Schlaganfallsymposium in Frankfurt unterstrich die Bedeutung von Kooperation und kontinuierlicher Fortbildung als Basis einer patientenzentrierten Versorgung über Sektorengrenzen hinweg“, sagt Dr. med. Christian Schwark, Vizepräsident der Landesärztekammer Hessen (LÄKH).
Die Landesarbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung Hessen (LAGQH) und die LÄKH hatten Fachleute aus Medizin, Rettungsdienst, Rehabilitation, Krankenkassen, Ministerium sowie Selbsthilfeorganisationen in die Landesärztekammer nach Frankfurt eingeladen. Schon bei der Begrüßung betonten die Veranstalter, dass eine hochwertige Schlaganfallversorgung in Hessen auf einem stark vernetzten System von Rettungsdienst, Akutbehandlung, Rehabilitation und Nachsorge beruht – und dass diese Strukturen auch angesichts der aktuellen Krankenhausreform zukunftssicher weiterentwickelt werden müssen.
Im ersten thematischen Block ging es um die Frage, wie die Versorgung in Hessen im Kontext des neuen Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHVVG/KHAG) bewertet und eingeordnet werden kann. Dr. med. Björn Misselwitz (LAGQH) stellte zur Einführung aktuelle Daten zur stationären Schlaganfallversorgung in Hessen vor und zeigte die Entwicklungen der letzten 20 Jahre auf. Dr. Ben Michael Risch vom Hessischen Gesundheitsministerium ging auf das KHVVG bzw. KHAG und die Auswirkungen auf die Schlaganfallversorgung in Hessen ein. Prof. Dr. med. Steffen Gramminger (Hessische Krankenhausgesellschaft) erläuterte die strukturellen Rahmenbedingungen, bevor Prof. Dr. med. Tobias Neumann-Haefelin die Herausforderungen aus Sicht der Deutschen Schlaganfallgesellschaft darstellte.
In einer Podiumsdiskussion mit Schwark und den oben genannten Referenten sowie Petra Hummel (Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen), Rainer Sand (Verband der Ersatzkassen) und Hans Niepötter (Schlaganfall-Selbsthilfe Kreis Bergstraße) wurde deutlich, wie regionale Netzwerke und interdisziplinäre Kooperationen die Versorgung stärken und an die Anforderungen der Reform anpassen können.
Ein Schwerpunktthema war die präklinische Versorgung. Jörg Blau (Main-Taunus-Kreis) zeigte auf, wie Krankenhausstrukturen die rettungsdienstliche Versorgung beeinflussen. Dr. med. Christian Claudi (Uniklinik Gießen) stellte das prähospitale Schlaganfallkonzept für Hessen vor. PD Dr. med. Ferdinand Bohmann (Uniklinik Frankfurt) gab Einblicke in funktionierende Netzwerkstrukturen am Beispiel des Interdisziplinären Neurovaskulären Netzwerkes Rhein-Main (INVN).
Im letzten Symposiumsabschnitt rückte die stationäre Rehabilitation in den Fokus. Prof. Dr. med. Gerhard-Michael von Reutern (Bad Nauheim) gab einen historischen Überblick über die Entwicklung der Stroke-Units in Hessen im Kontext zu deren akuttherapeutischen und rehabilitativen Versorgungsansätzen, bevor Dr. med. Jens Allendörfer (Asklepioskliniken Bad Salzhausen) die aktuelle Versorgungsrealität im Bereich der stationären Rehabilitation nach Schlaganfall reflektierte und den „richtigen Weg“ für die Patientinnen und Patienten diskutierte. Er machte deutlich, dass trotz bemerkenswerter Fortschritte in der Akutversorgung ein Rückgang der Reha-Nutzung nach Schlaganfall in Hessen zu beobachten ist. Den Abschluss bildete ein wissenschaftlicher Vortrag von Prof. Dr. med. Christian Grefkes-Hermann (Uniklinik Frankfurt) zur kortikalen Reorganisation und Funktionserholung nach Schlaganfall, der die neurologischen Mechanismen der Rehabilitation und neurobiologischen Erholungsprozesse anschaulich erläuterte.
Fazit der Veranstalter: Hessen verfügt über ein starkes, interprofessionell vernetztes Versorgungsnetz, das Akutmedizin, Rettungsdienst, Rehabilitation und Nachsorge eng verzahnt. Gleichzeitig steht die Gesundheitsversorgung vor strukturellen Herausforderungen, die es mit koordiniertem Engagement aus Politik, Gesundheitswesen und Praxis zu bewältigen gilt.
Dr. med. Björn Misselwitz, Lisa Heinrich, Peter Böhnel
Die Präsentationen des Symposiums finden Sie auf der Website der LAGQH.

