Gekürzter Nachdruck aus dem Deutschen Ärzteblatt 1/2026, S. 53
Insbesondere dort, wo die Entscheidungsfindung so schnell wie möglich vonstattengehen sollte, kann Künstliche Intelligenz (KI) eine spürbare Entlastung bringen, zumindest als Entscheidungshilfe für Ärztinnen und Ärzte.
Dr. med. Sabine Geck, Funktionsoberärztin vom Agaplesion Elisabethenstift Darmstadt berichtet von ihren Erfahrungen mit KI-gestützten Systemen.
Geck: „Wir verwenden seit März in der Notaufnahme eine digitale Entscheidungsunterstützung, die mit KI unter anderem Frakturen identifiziert. Dazu lassen wir die Patientin oder den Patienten röntgen, schicken die Bilder zum Dienstleister und erhalten innerhalb einer Minute eine Einschätzung, ob eine Fraktur vorliegen könnte. Die KI markiert die betreffenden Stellen auf der Aufnahme: Rot steht für einen hohen Verdacht auf Fraktur, Dislokation oder Gelenkerguss sowie im Thorax für Erguss, oder auch Pneumothorax, eine orangene Linie für einen geringen Verdacht und Schwarz dafür, dass kein Verdacht besteht. Bisher erhalten wir rund ein Prozent falsch-negative und elf Prozent falsch-positive Befunde, wobei uns natürlich lieber ist, wenn etwas falsch über- statt unterbewertet wird. Bei Ergüssen und Rippenfrakturen wurde die Sensitivität nach unserem Feedback durch den Anbieter angepasst. Prinzipiell können wir nach jedem Bild ein Feedback senden. Die KI lernt also kontinuierlich hinzu und wird besser. Seit dem letzten Update erkennt sie auch alte Frakturen, was vor allem bei der Wirbelsäule und älteren Patienten sehr nützlich sein kann. Unser Workflow hat sich durch die Anwendung zwar nicht wesentlich verändert, aber wir merken bereits, dass sich die Abwicklung der Patienten durch sie beschleunigt. Die Zeitersparnis zeigt sich vor allem bei jüngeren, weniger erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die ansonsten für eine Diagnose noch länger brauchen. Für sie ist das Gold wert.“
Dr. med. Sabine Geck, Darmstadt

