Es stimmt, es ist schon wieder so weit. Das Ende der laufenden Legislaturperiode der Landesärztekammer Hessen wirft seine Schatten bereits voraus. Im September des nächsten Jahres werden die dann von Ihnen gewählten Delegierten der hessischen Ärzteschaft ihr Amt antreten. Doch bis es soweit ist, liegt noch einiges an Arbeit vor uns, sowohl für die ehrenamtlichen als auch für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LÄKH. Die Vorbereitung und ordnungsgemäße Durchführung einer demokratischen Wahl ist nicht nur für die Kandidatinnen und Kandidaten ein gelegentlich durchaus aufreibendes Geschäft, sondern natürlich auch für die Verwaltung, die im Hintergrund den Wahlvorgang organisieren muss. Deshalb möchte ich diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schon jetzt danken, denn deren Arbeit hat längst begonnen. Das erkennen Sie einerseits auf der Titelseite dieses Hessischen Ärzteblatts wie auch auf den Seiten 676 bis 680 mit der Wahlbekanntmachung. Darin heißt es für mich persönlich ganz zentral: „Die Landesärztekammer ist Ausdruck einer starken ärztlichen Selbstverwaltung. Die Landesärztekammer Hessen ist die berufliche Vertretung aller 39.466 Ärztinnen und Ärzte in Hessen (Stand 11/2022), egal ob selbstständig, angestellt oder im Beamtenverhältnis tätig.“ Die berufliche Vertretung aller Ärztinnen und Ärzte in Hessen, ja das ist genau das Anliegen der gewählten Selbstvertretung. Doch deren Stärke hängt vom Engagement ihrer Mitglieder ab. Wünschenswert ist zunächst eine hohe Zahl von Kandidatinnen und Kandidaten und in der Folge eine hohe Wahlbeteiligung. Dass demokratische Verfahren durchaus überraschende Veränderungen bewirken können, haben die jüngsten Ereignisse in Frankfurt eindrucksvoll gezeigt.

Auch für uns gelten die Worte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowohl im Allgemeinen als auch im Speziellen: „Vertrauen wir einander – und wir vertrauen uns selbst! Und lassen wir uns nicht entmutigen vom Gegenwind, der uns in dieser neuen Zeit entgegenweht. Es kommt nicht darauf an, dass alle dasselbe tun – aber dass wir eines gemeinsam im Sinn haben: alles zu stärken, was uns verbindet!“

Vielfalt stärken, vom anderen lernen und dennoch den Diskurs suchen, um im respektvollen Austausch von Gedanken und Argumenten die bestmögliche Lösung zu finden. Das ist die Stärke demokratischer Gesellschaften und Organisationen, sei es die Bundesrepublik Deutschland oder unsere „kleine“ Ärztekammer. Das ist nicht immer einfach und es erfolgt schon gar nicht von allein. Vielmehr erfordert es Einsatz und Engagement und ist – wie ich meine – aller Mühe wert.

Mühe und Einsatz hat uns auch das sich dem Ende zuneigende Jahr abverlangt, das dritte Jahr der Coronapandemie (eigentlich ist die Pandemie inzwischen in die Endemie übergegangen, siehe Seite 685) und das erste Jahr des Ukrainekriegs. Ich wünsche mir sehnlich, nie von einem zweiten Jahr des Ukrainekriegs sprechen zu müssen. Viele unserer Mitglieder haben mit Unterstützung der anderen Gesundheitsberufe weiter um das Leben von Coronapatienten gekämpft, sich unermüdlich für die Impfung eingesetzt, daneben auch die „ganz normale“ Versorgung aufrecht erhalten und nicht zuletzt Geflüchtete versorgt. Dabei zeigt sich immer deutlicher, dass es überall an Fachkräften mangelt: Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte, Hilfs- und Servicepersonal. Der Ärztemangel wird sich nicht schnell beheben lassen, denn selbst wenn es im kommenden Jahr 5.000 zusätzliche Studienplätze gäbe, würden mindestens elf weitere Jahre vorüberziehen, bis die ersten dieser Studierenden dann fertig weitergebildete Fachärztinnen und -ärzte wären. Es ist daher absolut zwingend, nicht nur ärztliche, sondern auch pflegerische Tätigkeiten von überflüssiger und zum Teil sogar mehrfach identischer Dokumentation zu entlasten. Das gilt übrigens auch für die Arbeit von Behörden und Krankenkassen, denn auch dort stehen die Nachwuchskräfte nicht gerade Schlange. Wie oft werden beispielsweise Daten erfragt, ohne die Möglichkeit zu nutzen, bereits erfasste Informationen vorauszufüllen?

Das Jahr 2022 hat uns einmal mehr viel abverlangt und nun ist es Zeit innezuhalten. Hoffentlich lässt Ihnen der Dezember die Gelegenheit, eine Pause einzulegen und bei Kerzenlicht und einer Tasse warmen Tees die Seele baumeln zu lassen.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest mit der Möglichkeit, ruhige und besinnliche, aber auch gesellige Stunden im Kreise von Familie und Freunden zu verbringen.

Dr. med. Edgar Pinkowski, Präsident