Reaktionen auf den Leserbrief „Wenn man sich schämt, Arzt zu sein...“ von Dr. med. Andreas Hofmann (HÄBL 02/2021, S. 99)

 

Dr. med. Michael Degott, Rimbach:

Vielen Dank für Ihre offenen Worte! Ich stimme im Wesentlichen mit Ihnen überein. Kürzlich sind wieder hier in Rimbach 20–30 Leute in einer so genannten Demo durch den Ort gezogen, auf einem der Schilder stand „Gegen den Faschismus!”

Aber schämen sollten wir uns nicht – bloß nicht! Ich plädiere für einen Arbeitskreis unter uns aktiven Ärzten, um sich mit diesem Thema professionell zu beschäftigen. Wir müssen herausfinden, was diese Leute bewegt.

 

Dr. med. Sabine Flommersfeld, Marburg:

Das ist ja unter Kollegen beliebt, den anderen ärztliches Handeln abzusprechen, wenn es einem selber so ganz gegen den Strich geht. Ist bei allen Themen so, ob Sterbehilfe, Palliativmedizin, Schwangerschaftsabbrüche etc. Was auch immer das „richtige“ ärztliche Handeln ist und die „richtige“ Ethik. Denn je älter ich werde, desto unsicherer werde ich mir in meiner Meinung, gibt es doch so viele unterschiedliche Menschen, Meinungen, Ansichten – es ist halt echt komplex, das Leben. Ich weiß aber, dass – sofern ich nicht mehr mit Strafverfolgung rechnen muss – ich auch wieder auf die Straße gehen werde, denn in meiner Ethik ist das aktuelle Vorgehen in der sogenannten Coronapandemie unethisch den jüngeren Generationen gegenüber. Es wird in zehn Jahren den Jüngeren kaum zu erklären sein, dass sie einen massiven Schuldenberg haben, ein verhunztes Klima und keine Bildungschancen, weil alte Leute im Heim geschützt werden sollten, die man meiner Meinung nach besser anders schützen sollte als mit einem Lockdown oder Masken tragen an der frischen Luft. Daher bin ich auch für eine andere Impfstrategie. Und meine Meinung lass ich mir auch nicht verbieten, weil sogenannte Reichsbürger und Afd’ler auf diesen Zug aufspringen. Deswegen bleibe ich dennoch bei meiner Meinung.

Aber die wahre Ethik und das echte „richtige“ Handeln, das weiß ich leider auch nicht. Und deswegen brauche ich mich auch nicht für andere zu schämen, ein Glück.

Und deswegen bleiben KollegInnen KollegInnen, ob ich sie mag oder sie meine Meinung haben oder auch nicht. Jede Jeck es anders.

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. habil. Adorján Kovács, Bad Nauheim:

Ihnen ist klar, dass der Leserbrief zum Beispiel im sechsten Absatz vor Unterstellungen strotzt. Das geht gar nicht.

Ärzte sind nicht nur Ärzte, sondern auch Bürger. Ich kenne gar nicht wenige Kolleginnen und Kollegen, die eine Gegenmeinung vertreten. Wie ich natürlich auch andere mit Herrn Kollegen Hofmanns Meinung kenne. Beide Seiten haben Argumente, die alle zu prüfen unsere wissenschaftliche Aufgabe ist.

Andreas Geiß, Anästhesist, Kronberg:

Die in dem Leserbrief gewählte Art der Auseinandersetzung mit denen, die drängende Fragen erörtert und geklärt sehen wollen, ist alles andere als hilfreich. Hier wird in diffamierender Art vielen derjenigen, die öffentlich kritische Fragen zu SARS-CoV-2 bzw. den völlig überzogenen Maßnahmen, der Berichterstattung und der Impfung stellen, bescheinigt, es könne sich dahinter nur Eitelkeit, Ego und allerlei Verurteilenswertes verbergen. Es gibt aber zahlreiche gut belegbare, gravierende Kritikpunkte: Die Art des Zustandekommens der Fallzahlen des RKI: PCR-Massentestungen an klinisch Gesunden, Fragen hinsichtlich Sensitivität, Spezifität, Prävalenz, positivem Vorhersagewert oder zu technischen Daten der Tests wie bspw. cycle thresholds. Aussagen zur Letalität von Covid-19 seitens der WHO, die Ergebnisse von Prof. John Ioannidis aus der ersten Jahreshälfte 2020 längst bestätigt – das Infektionsgeschehen durch SARS-CoV-2 ist offensichtlich doch mit dem der saisonalen Grippe vergleichbar. Die Bewertung sog. Lockdownmaßnahmen als nutzlos (WHO/Ioannidis); viele Studien über Sinn und Unsinn von Masken (z. B. von Prof. Dr. med. Ines Kappstein) oder auch WHO-Verlautbarungen hierzu. Ca. 25.000 Grippetote trotz Impfung 2017/18 in etwa fünf Monaten versus ca. 400 in der Saison 2019/20; seit also etwa KW 14/20 offenbar bedeutungslos? [...] Ich bestreite nicht, dass gravierende Verläufe bei Betagten und/oder schwer Vorerkrankten bis hin zum Tod in gewissem Umfang vorkommen – dass dies in Einzelfällen sogar Jüngere und sonst Gesunde betreffen kann.

So tragisch das ist: Wir haben niemals versucht, deswegen die Welt aus den Angeln zu heben. Die geschätzt 25.000 Influenza-Toten von 2017/18 waren in der medialen Präsentation und der öffentlichen Wahrnehmung nicht einmal eine Fußnote. Die Forcierung einer Impfung, die ein gentechnisches Großexperiment ist, stellt vor dem Hintergrund dieser Gemengelage eine Verantwortungslosigkeit ersten Ranges dar. Es gibt zahlreiche Unwägbarkeiten.

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