Ärztinnen und Ärzte verbringen einen erheblichen Teil ihres Arbeitsalltags mit Dokumentation, Korrespondenz und der Aufbereitung medizinischer Informationen. Generative künstliche Intelligenz, kurz GenKI, kann dabei unterstützen: Sie erstellt Entwürfe für Arztbriefe und Verlaufsnotizen, strukturiert Befunde, vereinfacht Fachsprache und hilft bei Patienteninformationen oder SOPs. Der derzeit am besten belegte Nutzen liegt nicht in einer autonomen Diagnostik oder Therapieentscheidung, sondern in der Entlastung bei sprachlichen und administrativen Aufgaben. Entscheidend ist dabei der Begriff Entwurf: Die KI kann vorbereiten und formulieren, die fachliche Prüfung und die medizinische Verantwortung bleiben jedoch bei der Ärztin oder dem Arzt.

Was Studien zeigen

Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass KI-gestützte Dokumentationssysteme den Zeitaufwand reduzieren können. In einer Studie sank die durchschnittliche Bearbeitungszeit einer klinischen Notiz von 6,2 auf 5,3 Minuten. Eine weitere Untersuchung zeigte eine um rund 20 % kürzere Bearbeitungszeit pro Notiz sowie weniger Dokumentationsarbeit nach Dienstschluss.

Der Nutzen besteht nicht nur in eingesparten Minuten. Statt Texte vollständig neu zu verfassen, können Ärztinnen und Ärzte strukturierte Entwürfe prüfen und korrigieren. Dadurch kann mehr Aufmerksamkeit für medizinisch relevante Inhalte und das persönliche Gespräch bleiben.

Die Evidenzbasis ist allerdings noch jung. Viele Studien liefen nur über kurze Zeiträume oder beruhten teilweise auf Selbsteinschätzungen.

Gute Prompts und sorgfältige Prüfung

Nicht jeder automatisch erzeugte Text spart Zeit. Unklare Aufträge können zu langen, unvollständigen oder unübersichtlichen Entwürfen führen. Gute Prompts sollten deshalb Aufgabe, Zielgruppe, erlaubte Informationen und gewünschte Struktur klar festlegen. Ebenso wichtig ist die Anweisung, keine fehlenden medizinischen Angaben zu erfinden und Unsicherheiten sichtbar zu machen. Generative KI kann sprachlich überzeugende Texte erzeugen, die dennoch Fehler enthalten. Diagnosen, Medikamente, Dosierungen, Allergien, Laborwerte und Therapieempfehlungen müssen daher besonders sorgfältig kontrolliert werden. Auch der Datenschutz ist zentral. Personenbezogene Gesundheitsdaten dürfen nur in technisch, organisatorisch und rechtlich geprüften Systemen verarbeitet werden. Die informelle Nutzung frei zugänglicher KI-Tools, oft als „Schatten-KI“ bezeichnet, birgt erhebliche Risiken.

Fazit

Generative KI ersetzt weder ärztliche Expertise noch klinische Urteilskraft. Richtig eingesetzt kann sie jedoch Dokumentations- und Formulierungsaufgaben erleichtern und mehr Zeit für die persönliche Patientenversorgung schaffen. Der größte Nutzen entsteht durch klare Anwendungsfälle, präzise Prompts, sichere technische Rahmenbedingungen und eine konsequente ärztliche Prüfung.

Patrick Merke, Akademieleiter bei frankfurter akademie für neue arbeitskultur und neue führung & Geschäftsführer bei „Fit für KI GmbH“

Doreen Ziedorn, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin, Leitende Ärztin Krankenhaushygiene, Lahn-Dill-Kliniken Wetzlar

Workshop „Generative KI im ärztlichen Alltag einsetzen“ – sicher und effizient
Termin:

Samstag, 07.11.2026, 9–17 Uhr, Präsenzveranstaltung

Freitag, 20.11.2026, 15–17:30 Uhr, Follow-Up als Live-Webinar via Zoom

Information und Anmeldung:Jennifer Konert, M.A., Fon: 06032 782-219, E-Mail: jennifer.konert@laekh.de, www.akademie-laekh.de