Im Mai mussten wir uns von unserem langjährigen Kollegen Gabriel Nick verabschieden, der sich um die Belange seiner Patienten und die der hessischen Ärzteschaft immer engagiert verdient gemacht hat. 1938 in Britisch-Palästina geboren – seinen Eltern war in diesem Jahr gerade noch die Ausreise aus NS-Deutschland geglückt –, nach dortiger und im späteren Israel verbrachter Schul- und Miltärzeit ab 1958 in Berlin mit Unterstützung durch ein Stipendium (wegen bester Chemieprüfung aller ausländischen Studenten jemals) Medizin studierend, war er nach kurzer Assistenzarztzeit ab 1970 Landarzt in Hessen, von 1974 bis zu seinem Ruhestand 2005 in Braunfels, ab 1986, dem Jahr seiner Promotion, in hausärztlicher Gemeinschaftspraxis, in der ich von Anfang an trotz seines immensen Erfahrungsvorsprungs immer gleichberechtigt und auf Augenhöhe behandelt wurde.

Dies als schon Verheirateter und glücklicher Vater eines Sohnes, eine Tochter und ein weiterer Sohn sollten folgen, schließlich noch drei Enkelkinder – die Familie ging ihm über alles.

Engagement für die Patientenversorgung war sein Leitmotiv, der Aufbau einer Notfalldienstzentrale, Lehrbeauftragter der Uni Gießen, 1995 die Facharztanerkennung, viele Jahre berufspolitische Tätigkeit in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, später in der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen, auch als Mitglied in deren Finanzausschuss, und Mitgründer (mit Prof. Jakob Altaras) sowie auch späterer Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Gießen sind Wegmarken seines Lebens, zu dem auch der Einsatz für den Erhalt des als „Falkeneck“ bekannten Kreiskrankenhauses in Braunfels im Vorstand der Interessengemeinschaft zählt. Eine verdiente Würdigung erhielt er 2023 durch die Verleihung der Ehrenplakette der Kammer in Silber.

Meinen in der Patientenversorgung überaus engagierten und im positiven Sinne streitbaren Kollegen (etwas, das vor allem bei seinem berufspolitischen Einsatz wiederholt missverstanden wurde), immer für die Sache unterwegs, immer aufrecht und geradlinig, werde ich nicht vergessen können – als Verfechter der Interessen der hessischen Ärzteschaft vermissen wir ihn alle.

Martin Leimbeck für die Landesärztekammer Hessen