In Deutschland ist jeder zweite Erwachsene übergewichtig und rund jeder Fünfte adipös. Zahlreiche Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen einem hohen Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel (Ultra Processed Foods) und dem Auftreten von Adipositas sowie Folgeerkrankungen.

Zur Förderung der Gesundheit hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) im Frühjahr 2024 ihre Empfehlungen überarbeitet: Aus den bisherigen „10 Regeln“ wurden die lebensmittelbezogenen Empfehlungen „Gut essen und trinken“ und der DGE-Ernährungskreis. Diese berücksichtigen neben der Nährstoffversorgung und Prävention ernährungsbedingter Erkrankungen erstmals auch Umweltbelastungen. Das Ergebnis ist eine pflanzenbetonte Ernährung – mit einem Anteil von über drei Vierteln pflanzlicher und weniger als einem Viertel tierischer Lebensmittel. Damit basieren die DGE-Empfehlungen auf der 2019 von der EAT-Lancet-Kommission entwickelten Planetary Health Diet, einer globalen Referenz für eine gesunde und nachhaltige Ernährung.

Der DGE-Ernährungskreis

Als Orientierungshilfe für eine optimale Lebensmittelauswahl dient der DGE-Ernährungskreis. Dieser stellt dar, wie eine gesundheitsfördernde und umweltverträglichere Ernährung aussehen kann: Je größer der Anteil einer Lebensmittelgruppe am Kreis, desto mehr kann davon gegessen werden.

Im Zentrum stehen Getränke, gefolgt von den pflanzlichen Lebensmitteln – Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Getreide, Kartoffeln und pflanzliche Öle. Sie bilden die Basis einer optimalen Lebensmittelauswahl. Die DGE empfiehlt dabei Vielfalt und Abwechslung. Tierische Lebensmittel ergänzen den Speiseplan in geringeren Mengen. Der Ernährungskreis dient als flexibler Richtwert und legt den Fokus auf eine ausgewogene Wochenbilanz.

Die DGE-Empfehlungen „Gut essen und trinken“

Unter dem Motto „Bunt und gesund essen und dabei die Umwelt schonen “ zeigen die DGE-Empfehlungen, welche Lebensmittelgruppe in welcher Menge verzehrt werden kann und wie sich ein gesundheitsfördernder Lebensstil gestalten lässt:

1. Am besten Wasser trinken

Mindestens 1,5 Liter täglich. Idealerweise Wasser oder kalorienfreie Getränke wie ungesüßter Tee. Zuckerhaltige oder alkoholische Getränke sind nicht empfehlenswert.

2. Obst und Gemüse – viel und bunt

Mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, da diese reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen sind.

3. Hülsenfrüchte und Nüsse regelmäßig essen

Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen mindestens einmal pro Woche und Nüsse täglich in kleiner Menge. Diese liefern neben Eiweiß wichtige Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie lebensnotwendige Fettsäuren, die zur Herzgesundheit beitragen.

4. Vollkorn ist die beste Wahl

Bei Getreideprodukten wird Vollkorn bevorzugt: mehr Ballaststoffe, längere Sättigung und bessere Mikronährstoffversorgung.

5. Pflanzliche Öle bevorzugen

Pflanzliche Öle wie Raps, Lein, oder Olivenöl und daraus hergestellte Fette sind gegenüber tierischen Fetten zu bevorzugen, da sie gesunde Fettsäuren und Vitamin E liefern.

6. Milch und Milchprodukte jeden Tag

Täglich zwei Portionen Milch oder Milchprodukte. Wenn pflanzliche Alternativen genutzt werden, ist auf die Versorgung mit Calcium, Jod, Vitamin B2 und B12 zu achten.

7. Fisch jede Woche

1 bis 2 Portionen fettreicher Fisch pro Woche, wie z. B. Lachs oder Makrele, als Quelle für Omega-3-Fettsäuren.

8. Fleisch und Wurst – weniger ist mehr

Maximal 300 g Fleisch und Wurst pro Woche liefern Eisen, Selen und Zink. Zu viel Fleisch belastet dagegen die Umwelt und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

9. Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen

Produkte mit hohem Zucker-, Salz- oder Fettanteil, wie z. B. Fertiggerichte oder Süßwaren, möglichst selten konsumieren.

10. Mahlzeiten genießen

Zeit nehmen, bewusst essen, Gemeinsamkeit pflegen – langsames Essen unterstützt das Sättigungsgefühl.

11. In Bewegung bleiben und auf das Gewicht achte

Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Regelmäßige Bewegung ist zentral für die Gesundheit.

Im Vergleich zu den früheren Empfehlungen ergeben sich mehrere wesentliche Änderungen:

  • Die DGE-Empfehlungen werden nicht nur gesundheitsbezogen gedacht, sondern berücksichtigen zusätzlich die Umweltauswirkungen der derzeitigen Ernährungssysteme.
  • Die genaue Aufteilung von drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst entfällt zugunsten des Ziels von mindestens fünf Portionen.
  • Besonders hervorgehoben werden Hülsenfrüchte und Nüsse, als Quellen von pflanzlichem Eiweiß und gesunden Fetten.
  • Der Anteil tierischer Lebensmittel wurde reduziert.

Eine pflanzenbetonte Kost fördert die Gesundheit – vorausgesetzt, sie besteht überwiegend aus hochwertigen, unverarbeiteten Lebensmitteln. Die DGE-Empfehlungen sind dabei als flexible Leitplanken zu verstehen, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen bieten. Für die Gemeinschaftsverpflegung liefern die DGE-Qualitätsstandards darauf aufbauend konkrete Unterstützung, um eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Versorgung der Tischgäste zu gewährleisten.

Dr. Anna Kaiser, Geschäftsführerin Sektion Hessen – DGE e. V., Taunusstr. 151, 61381 Friedrichsdorf, E-Mail: sektion@dge-hessen.de, Internet: www.dge-hessen.de

Die Literaturhinweise finden Sie hier.

COS: Lehrgang Ernährungsmedizin für MFA

Termin: In Planung. Wir nehmen Sie gerne auf unsere Interessentenliste.

Information: 120-stündiger Qualifizierungslehrgang der Carl-Oelemann-Schule (COS) auf der Grundlage des Fortbildungs­curriculums „Ernährungsmedizin“ der Bundesärztekammer im Blended-Learning-Konzept.

Anmeldung: Julia Werner, Fon: 06032 782-185, E-Mail: julia.werner@laekh.de, www.carl-oelemann-schule.de