Die Resonanz kann sich sehen lassen: Von den 769 Schülerinnen und Schüler aus Hessen, die bisher am Präventionsprojekt „Cannabis: Kiffen, bis der Arzt kommt?“ der Landesärztekammer Hessen teilgenommen sowie einen Fragebogen ausgefüllt haben, gibt eine große Mehrheit dem Projekt positives Feedback. Das zeigen erste Auswertungen der Stabsstelle Qualitätssicherung, Patientensicherheit und Analysen im Gesundheitswesen. Die fortlaufende Evaluierung soll die Qualität des Projekts sichern und weitere Verbesserungen ermöglichen.
Besonders positiv schneidet das Projekt beim subjektiv erlebten Wissenszuwachs ab: 87 % der Befragten gaben an, dass die Aktion ihr Wissen sicher beziehungsweise eher vergrößert habe. Ein ebenso großer Anteil würde das Projekt tendenziell anderen Klassen oder Schulen weiterempfehlen. Insgesamt 59 % stimmten der Aussage zu bzw. eher zu, dass ihnen einige Gefahren von Cannabis zuvor nicht bewusst waren.
77 % der Schülerinnen und Schüler bewerteten den Vortrag als gut verständlich, 18 % als teilweise verständlich. Lediglich 5 % gaben an, dass die Inhalte unverständlich waren. Auf erste Rückmeldungen reagierte die Stabsstelle Kommunikation, die das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für Drogen und Sucht der Landesärztekammer Hessen entwickelt hat, bereits und ergänzte Materialien in leichterer Sprache.
Ärzte besonders vertrauenswürdig
Gut ein Drittel der Schülerinnen und Schüler gab an, sich bereits im Vorfeld über Cannabis informiert zu haben, rund zwei Drittel hingegen nicht. Unter den Informierten ist das Internet mit 52 % die häufigste Informationsquelle. Aber auch Freunde (34 %), Familie (20 %) und Schule (43 %) werden als wichtige Wissensquellen genannt.
Auch nach Vertrauenspersonen bei möglichen Drogenproblemen wurde gefragt. Am wichtigsten sind für die Schülerinnen und Schüler – wenig überraschend in diesen Jahrgangsstufen – ihre Freunde: 72 % der Befragten würden sich in einem solchen Fall an sie wenden.
Ein besonders hohes Vertrauen genießen jedoch auch Ärztinnen und Ärzte: 58 % der befragten Schüler würden bei Problemen sicher beziehungsweise eher mit ihrer Hausärztin bzw. ihrem Hausarzt sprechen, bei spezialisierten Fachärztinnen und Fachärzten steigt dieser Wert sogar auf 64 %. Damit liegen Ärzte vor den eigenen Eltern (56 %), Geschwistern (46 %) oder einer Vertrauenslehrkraft (24 %).
Ausgewählte Ergebnisse aus dem Evaluationsbogen für das Präventionsprojekt „Kiffen, bis der Arzt kommt?“ (Werte gerundet)
Projektstart im Juni 2024
Vor fast zwei Jahren feierte das Präventionsprojekt „Cannabis: Kiffen, bis der Arzt kommt?“ an der Wöhlerschule in Frankfurt Premiere. Im Oktober 2024 startete das Projekt dann in der Fläche. Bis zum aktuellen Zeitpunkt nahmen 22 Schulen und über 1.200 Schülerinnen und Schüler teil. Das Projekt richtet sich vorrangig an Klassen der Jahrgangsstufen sieben bis neun. „Cannabis: Kiffen, bis der Arzt kommt?“ orientiert sich am erfolgreichen Schwesterprojekt „Hackedicht“ zur Alkoholprävention. Ärztinnen und Ärzten wird ein „Werkzeugkasten“ mit Methoden und Materialien zur Verfügung gestellt, den sie individuell an die jeweilige Lerngruppe anpassen können. Den Referentinnen und Referenten stehen dabei eine Präsentation, verschiedene didaktische Methoden wie Arbeitsblätter, ein Kurzfilm sowie ein Cannabis-Quiz zur Verfügung. Die Ärztinnen und Ärzte werden von der Landesärztekammer auf Anfrage an die Schulen vermittelt und klären – in Abstimmung mit Fach- und Beratungslehrkräften – im Unterricht, bei Projekttagen oder auf Informationsveranstaltungen auf.
Am Ende jeder Veranstaltung können die Schülerinnen und Schüler über einen QR-Code einen Evaluationsbogen aufrufen. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Abgefragt werden unter anderem Einschätzungen zu den Inhalten, zur referierenden Ärztin bzw. zum referierenden Arzt sowie eine persönliche Selbsteinschätzung.
Lukas Reus


