Die Diphtherie galt in vielen Teilen Europas lange als nahezu besiegt. Im Jahr 2022 kam es jedoch zu einem deutlichen Anstieg sowohl der Diphterieverdachts- als auch der tatsächlichen Krankheitsfälle. In den Folgejahren gingen die Fallzahlen zwar wieder zurück, liegen jedoch weiterhin über dem Niveau der Jahre vor 2022. Als Ursache dafür werden vor allem Impflücken in der erwachsenen Bevölkerung gesehen.

Die wirksamste Schutzmaßnahme ist und bleibt die Impfung. Die Impfung gegen Diphtherie ist seit Jahrzehnten erprobt, hoch effektiv und bietet einen zuverlässigen Schutz gegen die durch das Diphtherietoxin verursachten Symptome. Sie wird ausschließlich in Form von Kombinationsimpfstoffen angeboten, die ebenfalls vor Tetanusinfektionen, Pertussis und Polio schützen können. Die Grundimmunisierung erfolgt im Kindesalter. Im Erwachsenenalter empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) alle zehn Jahre Auffrischimpfungen. Dennoch zeigen aktuelle Daten, dass viele Erwachsene ihren Impfschutz nicht mehr auf dem neuesten Stand halten.

Kommt es zu einer symptomatischen Infektion, spielt die Verabreichung von Diphtherie-Antitoxin-Antikörpern eine entscheidende Rolle. Wichtig und notwendig ist in solchen Fällen eine frühzeitige Verabreichung. Für den Ausnahmefall werden geringe Mengen Diphtherie-Antitoxin im Notfalldepot am Universitätsklinikum Frankfurt am Main vorgehalten.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) warnt in einem aktuellen Epidemiologischen Bulletin vor einem deutschlandweiten Ausbruch von Diphtherie (Sequenztyp ST-574). Aktuelle Genomsequenzanalysen legen nahe, dass von einer vermehrten Übertragung innerhalb Deutschlands ausgegangen werden muss.

Aus diesem Grund ruft das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege Ärztinnen und Ärzte eindringlich dazu auf, den Impfstatus von Patientinnen und Patienten zu überprüfen und ggf. Impflücken zu schließen. Je nach Alter und Impfstatus empfiehlt die STIKO die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen mit Diphtherie-Komponente (z. B. Td, Tdap oder Tdap-IPV). Insbesondere in Notfallambulanzen sollte nach Möglichkeit auf die isolierte Gabe von Tetanusimpfstoffen z. B. nach Verletzungen verzichtet, sondern immer auch der Schutz gegen Diphtherie mitgedacht werden.

Die Diphtherie ist keine Krankheit der Vergangenheit. Sie bleibt ein reales Risiko – aber eines, dem wir mit konsequentem Impfschutz wirksam begegnen können.

Dr. Julia Andrea Horstmann, Hess. Landesamt für Gesundheit und Pflege, Abteilung Öffentlicher Gesundheitsdienst E-Mail: julia.horstmann@hlfgp.hessen.de