Als ich den Artikel des Vizepräsidenten der LÄK Hessen, Dr. med. Christian Schwark, las, war mein erster Gedanke: Vielleicht bin ich mit meinen Einstellungen gar nicht so allein. Und auch: Da schaut einer über den „Suppentellerrand“ der Ärzteschaft weit hinaus und strapaziert keinesfalls mit Allgemeinplätzen.

In Zeiten vorherrschender neoliberaler Ideologie und Politik (die uns noch gewaltig „auf die Füße fallen“ wird) kann man gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass wir soziale Wesen sind. An dieser Stelle möchte ich gern noch hinzufügen, dass der Mensch das einzige Tier ist, das aus dem Wissen und den Erfahrungen vieler zurückliegender Generationen lernen kann und darauf aufbauend zur Entstehung neuer Erkenntnisse beitragen kann. Kein Tier kann ein Buch lesen oder im Netz recherchieren und daraus neue Schlüsse ziehen.

Am Schluss sagt der Autor, „dass einer allein nichts, wenige einiges, aber alle zusammen so gut wie alles erreichen können.“ Das ist richtig. In der Realität ist es aber leider meist noch so, dass die meisten Ärzte zwar unter dem Joch jahrzehntelanger neoliberaler Gesundheitsreformen jammern, stöhnen und schimpfen. Wenn man das bei Gelegenheit im kleinen Kreis tut, ändert das nichts. Das „Zauberwort“ heißt innerärztliche Solidarität. Wie kann man diese unter den vielen, meist selbstständigen „Einzelkämpfern“ herstellen? Ich denke, dass die wirtschaftliche Einbindung in die Selbstständigkeit eines der größeren Hemmnisse für innerärztliche solidarische Gegenwehr gegen restriktive Einschränkungen unserer Arbeit darstellt. (Ich fürchte, hier möglicherweise einen „shitstorm“ losgetreten zu haben.) Aber es ist doch so, wenn man als niedergelassener Kassenarzt/-ärztin streikt, zahlt einem keiner die Umsatzeinbußen. Ich rede hier aber auch nicht einer Anstellung in einem MVZ das Wort, in dem Shareholder das Sagen haben und Rendite sehen wollen. Das wäre noch schlimmer als „der eigene Herr“ am Gängelband.

Um wieder auf den Artikel von Herrn Schwark zurückzukommen: Es ist ein wohltuendes Gefühl, wenn man weiß, dass es Kollegen gibt, deren Gedanken ähnlich sind wie meine, und ich hoffe, dass es derer vielleicht doch recht viele sein mögen.

Dr. med. Harald Knigge