Prof. Dr. med. Ulrich Gottstein wurde am 28.11.1926 in Stettin geboren. Nach seiner Freilassung aus der britischen Kriegsgefangenschaft studierte er in Berlin, Göttingen und Heidelberg Medizin. Das Staatsexamen legte er im Dezember 1952 ab und wurde gleichzeitig promoviert. Den Facharzt für Innere Medizin erlangte er 1960 in München und erhielt noch im gleichen Jahr die Venia Legendi für Innere Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zwei Jahre später wurde er an der Medizinischen Universitätsklinik in Kiel leitender Oberarzt. Dort wurde er 1966 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. 1971 übernahm er die Leitung der Medizinischen Abteilung des Bürgerhospitals in Frankfurt am Main und habilitierte sich an die Frankfurter Universität um. Er war bis zum Eintritt in den Ruhestand 1991 nicht nur Chefarzt, sondern auch Beauftragter für ärztliche Fortbildung in der Bezirksärztekammer Frankfurt.

Gottstein war nicht nur Präsident und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Angiologie, Mitglied in der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Mitglied im Ausschuss „Sanitätswesen im Katastrophen- und Zivilschutz“ der Bundesärztekammer, sondern auch Vertreter der Gesundheitskommission der Stadt Frankfurt am Main, Mitglied im Arbeitskreis „Palliativmedizin“ der Landesärztekammer Hessen, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Fördervereins für das Evangelische Hospital für Palliative Medizin in Frankfurt, welches 1996 eröffnet wurde. Mit damals 20 Palliativbetten war es die erste Einrichtung dieser Art in Hessen und die dritte in Deutschland. Er setzte sich leidenschaftlich dafür ein, die Palliativmedizin durch Aufklärung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Geprägt durch einen zutiefst christlichen Geist und seine Erlebnisse während der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg setzte er sich in besonderer Weise für die Friedensförderung und die Vermeidung von Kriegen ein. So wurde Gottstein Initiator und Gründungsmitglied der deutschen Sektion der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“. Dieses Bemühen um friedliche Konfliktlösungen betrachtete er als humanitäre ärztliche Aufgabe, die ihn selbst immer wieder ins Ausland geführt hatte.

Für sein vielfältiges Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Senckenberg-Wissenschaftspreis, die Ehrenplakette in Silber der Landesärztekammer Hessen und die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Ich denke gern an unser letztes Wiedersehen in der Landesärztekammer Hessen anlässlich der Würdigung besonders verdienter Mitglieder zurück.

Nicht nur die hessischen Ärztinnen und Ärzte werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Gottstein hat bleibende Spuren hinter­lassen.

Dr. med. Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen