Wir schreiben das Jahr 2026 und eines ist klar: Die Förderung des ärztlichen Nachwuchses in Zeiten des doppelten demografischen Wandels, der Krankenhausreform und der voranschreitenden Ambulantisierung ist wichtiger denn je.

Es wird nur von „Leistungsgruppen“ und „Hybrid-DRG“ gesprochen, aber über „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und „Sicherstellung der Weiterbildung nach Eingruppierung und Leistungsverschiebung in den ambulanten Sektor“ hüllt sich eine Decke des Schweigens. Die Baby-Boomer-Generation geht bald in ihre wohlverdiente Rente und die jungen Ärztinnen und Ärzte sollen die Lücken am besten fertig ausgebildet mit 150 % Arbeitseinsatz auffüllen. Dass diese Annahme weit an der Realität vorbeigeht, ist mir und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bewusst. Doch was nun? – Eine Kernfrage für mich als junge Ärztin und Delegierte in der Kammer.

Meine jungen MitstreiterInnen und ich haben uns in den vergangenen Jahren mit einer Bestandsaufnahme der Ist-Situation der „neuen Generation Arzt“ beschäftigt, gingen ins Gespräch mit Studierenden der Humanmedizin aller drei medizinischen Fakultäten des Landes Hessen, hörten Lebensgeschichten ausländischer Kolleginnen und Kollegen über die Hürden zur Erlangung einer Berufserlaubnis, Durchführung der Fachsprachprüfung und vieles mehr; diskutierten über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, allen voran über das Thema Mutterschutz, sowohl im stationären als auch ambulanten Setting, und standen im ständigen Austausch mit entsprechenden Ausschüssen der Kammer.

Insbesondere wird eine zeitgerechte Weiterbildung für viele Kolleginnen und Kollegen angesichts der Arbeitsverdichtung, der Krankenhausreform und der Ambulantisierung nahezu unmöglich. Bei vielen Reformen wird die fachliche und persönliche Zukunft des ärztlichen Nachwuchses sträflich vernachlässigt.

Was neben den ganzen Hürden bleibt, ist, so wie ich finde, etwas sehr Positives: Das Wissen über eine motivierte und für den ärztlichen Beruf in allen Facetten begeisterte Basis an jungen Kolleginnen und Kollegen jeglicher Couleur. Jetzt ist es an uns den Weg für diese – unsere – Zukunft zu ebnen.

Allen voran die großen Kliniken, aber auch Arbeitgeber in der Niederlassung müssen ihre Arbeitszeitmodelle modernisieren, die Weiterbildung unserer nächsten Generation muss trotz der Krankenhausreform auf allen Ebenen gesichert werden und die Wichtigkeit einer besseren Ausstattung an Kinderbetreuungsmöglichkeiten gehört auf die große politische Bühne.

Als Landesärztekammer ist es unser Auftrag, auch den jungen Ärztinnen und Ärzten eine Stimme zu geben und deren Anliegen an die Entscheidungsträger heranzutragen und somit eine Perspektive zu bieten.

Dr. med. Tanja Baumgarten, Delegierte der Landesärztekammer für die Liste Marburger Bund