Die Initiative des Mobile Retter e. V., die bereits in Wiesbaden gestartet wurde (Hessisches Ärzteblatt 3/2023, S. 176), hat das Ziel, die Rettungskette zu ergänzen. Ende des vergangenen Jahres implementierte auch der Rheingau-Taunus-Kreis die Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung. Gesucht werden nun weitere medizinische Fachkräfte, die sich für eine Teilnahme am Projekt entscheiden und damit die regionale Notfallversorgung stärken wollen.

Das Projekt, das bereits in anderen Regionen erfolgreich etabliert ist, soll die Rettungskette insbesondere bei Herz-Kreislauf-Stillständen stärken und das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen professioneller Hilfe deutlich verkürzen. Geht zum Beispiel ein Notruf mit der Meldung Herz-Kreislauf-Stillstand in der Rettungsleitstelle ein, wird vom Disponenten der Alarm sowohl für den Rettungsdienst als auch über die Mobile-Retter-App ausgelöst. Es sollen immer zwei mobile Retter alarmiert werden. Diese können den Rettungseinsatz annehmen oder auch ablehnen, heißt es von Seiten des Kreises. Wenn sie ihn annehmen, bekommen sie automatisch die Koordinaten und Anfahrtsskizze des Einsatzortes zugesandt.

Schnelles Handeln erhöht Chancen

Mit diesem Vorgehen soll die übliche Zeit bis zum Einsatz medizinischer Maßnahmen am Notfallort auf durchschnittlich 4,5 Minuten verkürzt werden. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt vor allem die Zeit: Frühzeitige Wiederbelebung und Defibrillation erhöhen die Überlebenschancen deutlich. Mobile Retter ermöglichen Ersthelfenden, lebensrettende Maßnahmen schneller zu starten – noch bevor der Rettungsdienst vor Ort ist“, sagt Matthias Nagel, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes des Rheingau-Taunus-­Kreises.

In der Aufbauphase habe der Schwerpunkt im Kreis zunächst auf der Qualifizierung von Angehörigen der sogenannten Blaulichtfamilie, also Mitarbeitenden aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutzeinheiten gelegen. Durch dieses Engagement sollen bereits mehr als 300 qualifizierte Mobile Retter gewonnen worden sein. Ab dem zweiten Quartal 2026 soll der Kreis der teilnahmeberechtigten Berufsgruppen erweitert werden. Dann erhalten auch weitere medizinische Berufsgruppen die Möglichkeit, sich als Mobile Retter registrieren zu lassen. Ein Vorteil bestehe für bereits registrierte Mobile Retterinnen und Retter aus Wiesbaden: Wer im Rheingau-Taunus-Kreis wohnt oder dort beruflich tätig ist, soll ohne erneute Schulung auch im Kreisgebiet alarmierbar werden. Hierfür sei lediglich eine entsprechende Anpassung im Nutzerportal erforderlich. Jeder Mobile Retter erhalte vor der Teilnahme eine initiale, ortsnahe und kostenfreie Schulung. Diese umfasse unter anderem eine Ersteinweisung in das System, die Einführung in die App, Informationen zu Versicherungs- und Rechtsfragen, die Teilnehmervereinbarung sowie ein praktisches Reanimationstraining. Das System richte sich unter anderem an Ärztinnen und Ärzte, Rettungsdienstpersonal sowie weiteres medizinisches Fachpersonal, wie etwa Medizinische Fachangestellte.

Interessierte Ärztinnen, Ärzte oder anderes medizinisches Personal können sich bei Fragen per Mail an mobile.retter@rheingau-taunus.de wenden.

Infos zu Mobile Retter e. V. und weitere Regionen: mobile-retter.org

Lukas Reus