Bereits beim Betreten des Rohbaus der Akademie an diesem Junimorgen wird deutlich: Die Zukunft hat hier längst begonnen. Die Orientierung im Gebäude fällt zunächst schwer. Die Treppe im Flur endet unvermittelt im Nichts. Das vierte Obergeschoss, zu dem sie einst führte, existiert bereits nicht mehr. Auch große Teile des dritten Obergeschosses sind abgetragen worden – von einem Abrissroboter, der nur bei trockenem Wetter zum Einsatz kommt, sowie in aufwendiger Handarbeit mit Presslufthämmern.
Im Blauen Hörsaal haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Bad Nauheim, des Präsidiums, der Geschäftsführung, der Projektleitung, der Nachbarschaft sowie der beteiligten Gewerke versammelt. Von dem Raum sind nur noch die tragenden Wände erhalten geblieben – ein sichtbares Zeichen des tiefgreifenden Wandels, den das Gebäude derzeit durchläuft.
Es ist ein besonderer Tag in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Akademie. Gefeiert werden nicht nur Holz, Stahl und Beton, betont LÄKH-Präsident Dr. med. Edgar Pinkowski in seiner Ansprache, sondern auch ein Stück Zukunft der ärztlichen Fort- und Weiterbildung in Hessen. Die Akademie sei weit mehr als ein Gebäude: Sie stehe für ärztliche Selbstverwaltung, für Lernen, Austausch und kollegiale Begegnung.
„Die Akademie ist ein Statement. Die Ärzteschaft gestaltet ihre eigene Fortbildung selbst – frei von kommerziellen Interessen, frei von industrieller Einflussnahme“, so Pinkowski.
Auch die Ärztliche Geschäftsführerin der LÄKH, Nina Walter, greift in ihrer Rede das Thema Wandel auf. Sie zieht eine Parallele zwischen dem Umbau der Akademie und dem medizinischen Behandlungsprozess: von der langwierigen Diagnose über die sorgfältige Therapieplanung bis hin zur intensiven Behandlung – inklusive überraschender Nebenbefunde. Ein solcher Prozess erfordere Ausdauer, Fachkompetenz und großes Engagement.
Den Mut zu diesem Vorhaben würdigt auch der Bad Nauheimer Bürgermeister Klaus Kreß. Er lobt die Entscheidung, nicht lediglich zu reparieren, sondern die Zukunft der medizinischen Fort- und Weiterbildung aktiv zu gestalten.
Architekt Jan-Benjamin Schäfer spricht von einer Revitalisierung des Gebäudes. Besonders hebt er die Lage am Waldrand hervor und den klaren architektonischen Dialog, den das revitalisierte Akademiegebäude künftig mit seiner Umgebung eingehen werde.
Während an diesem Tag die Werkzeuge auf der Baustelle ruhen und das bisher Erreichte gefeiert wird, läuft der Betrieb der Akademie uneingeschränkt weiter. Für die Dauer der Bauarbeiten wurden die Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen ausgelagert. Die Auslagerung dauert an, bis die neuen Räume für die hessischen Ärztinnen und Ärzte bereit sein werden, um sie mit Leben zu füllen und die Zukunft der unabhängigen, ärztlichen Fort- und Weiterbildung aktiv gestalten zu können-- in einem Gebäude, das die Tradition der Akademie mit der Zukunft der ärztlichen Fort- und Weiterbildung verbindet.
Susanne Florin, M.A., MBA, Leiterin der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen



