Wie bereits in früheren HÄBL-Beiträgen berichtet, gibt es jenseits der primären Projekte in unserer Ukrainehilfe-Partnerschaft immer wieder auch Gelegenheit für weitere großzügige Hilfen:
Zum Jahresanfang zeichnete sich in zwei klinischen Einrichtungen Hessens ab, zugunsten der inzwischen im fünften Jahr unter der russischen Aggression leidenden Zivilbevölkerung, aber auch zur Versorgung der verwundeten Soldaten und Soldatinnen der ukrainischen Streitkräfte dringend benötigte Medizinprodukte erhalten zu können.
In der Universitätsmedizin Frankfurt am Main wurden 17 funktionstüchtige EKG-Monitore mit zugehörigen Patientendatenmodulen im Rahmen der fortlaufenden Geräteaktualisierung aus dem Betrieb genommen. Die Geräte wurden unserer gemeinsamen Ukrainehilfe gespendet. Dies ist namentlich Prof. Dr. med. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender, sowie den engagierten Mitarbeitenden der beiden Dezernate 3.6 (Operative Medizintechnik) und des Dezernats 3 (Materialwirtschaft und Dienstleistungen) zu verdanken.
Aus dem varisano Krankenhaus Bad Soden konnten wir durch Vermittlung meines Spiegelpartners in der zivilmilitärischen Zusammenarbeit (ZMZ) aus dem Landeskommando Hessen, Oberstarzt d. R. Dr. med. Ulrich Jürgens, einen interessanten Kontakt herstellen: Dr. med. Ulf Waldmann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und sehr erfahrener Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie. Dieser konnte uns im Abgleich mit der Hausleitung eine beachtenswerte Menge an OP-Sieben mit Osteosynthesematerialien unentgeltlich für die Ukrainehilfe zur Verfügung stellen.
Bei diesen Instrumenten handelt es sich z. B. um ein vollständiges Sieb einer Klingenplatte, die zur Versorgung der körpernahen oder -fernen Oberschenkelfraktur in Nähe der Gelenke gut geeignet ist. Insbesondere in der Kriegschirurgie kann dieses Implantat eingesetzt werden, um Defekte nach Konsolidierung des Weichteilmantels zu überbrücken. Das Implantat ist regulär im Handel und stellt eine kunstgerechte Versorgungsform der genannten Oberschenkelfraktur oder bei orthopädischen Umstellungsoperationen zur Achsenkorrektur dar, es ist lediglich in der traumatologischen Nutzung „etwas unmodern geworden“.
In der hiesigen Versorgungsrealität werden fast ausschließlich Titanimplantate und Kraftträger genutzt, die sich im Markraum verankern. Die aktuellen Zielinstrumente für die genannten Implantate sind im Alltag komfortabel zu nutzen, weil sie z. B. aus Carbon sind und damit während der Operation bequemer gehandhabt werden. Dies stellt allerdings in der Hand des Geübten keinen Nachteil bei der Nutzung dar. Sämtliche auf dem Sieb befindlichen Platten sind fabrikneu und unbenutzt. Die Setzinstrumente und Präparationswerkzeuge sind solide gearbeitet und für den vielfachen Gebrauch ausgelegt. Die Materialien sind also voll einsatztauglich, werden aber hier nicht so gerne genutzt. Im künftigen Einsatz in der ukrainischen Verletztenversorgung sind diese Produkte jedoch sehr begehrt.
In bewährter Weise wurden die jeweiligen Spenden von unserem weiteren Partner, der Non-Profit-Organisation Hope for Ukraine e. V. in Dresden, abgeholt und in die Ukraine gebracht (mein besonderer Dank an die stets einsatzbereiten Herren Sonkin und Susla!). Die Monitore werden nun schwerpunktmäßig in Odessa und dessen Umland zur Anwendung kommen, die traumatologischen Medizinprodukte werden über eine fachliche Verteilstelle bevorzugt im Großraum Charkiv eingesetzt, namentlich in mobilen operativen Feldeinrichtungen.
Dr. med. Alexander Marković, Ehrenamtlicher Beauftragter ZMZ/Ukrainehilfe der Landesärztekammer Hessen
