"Vor Masern und Grippe habe ich mehr Angst!"

 

Zitat: Prof. Dr. Dr. René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt, auf dem Sommerempfang der hessischen Heilberufe

Frankfurt, 14. Juli 2016. "Wir brauchen uns keine Sorgen vor Ansteckung zu machen, wenn wir gut informiert sind und uns richtig verhalten" – das war die Hauptbotschaft des Impulsvortrages von Prof. Dr. Dr. René Gottschalk am gestrigen Abend vor fast 200 Zuhörern auf dem Neroberg in Wiesbaden. Der Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt und des Kompetenzzentrums für hochinfektiöse, lebensbedrohliche Erkrankungen ist Experte für Infektionskrankheiten. "Ebola & Co – eine Gefährdung für die westliche Welt?", lautete der Titel seines Vortrags. Alle Krankenhäuser seien verpflichtet, infizierte Patienten zu behandeln. "Jedes Kreiskrankenhaus braucht nur einen Kreidestrich auf dem Fußboden – Ebola ist nicht so infektiös, wie man denkt", sagte Gottschalk bildhaft. Viel sei falsch gemacht worden im Umgang mit Ebola, Lassa und anderen Erregern. Worauf die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" sehr schnell hinwies, darauf hätten die WHO und die westliche Welt verspätet reagiert. Dagegen seien frühzeitige Information und Sachverstand in solchen Fällen gefragt. "Vor Masern und Grippe habe ich mehr Angst!", sagte Prof. Gottschalk, "wenn jemand hier Masern hat, dann ist der Erreger noch zwei Stunden später im Raum. Ebola ist aus dem Raum, sobald der Infizierte den Raum verlassen hat".

Das Grußwort zum Sommerempfang in der hessischen Landeshauptstadt hielt der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner. Angesichts der hohen Infektionsraten in anderen Ländern sei einerseits schnelle Hilfe, andererseits aber auch der Selbstschutz vor Infektion wichtig. "Ohne Spezialisten geht das nicht", sagte Grüttner. Als Beispiel führte er Mückenmonitoring-Projekte an, die es auch in Hessen gibt: Sie untersuchen das Vorkommen von Stechmücken mit dem Ziel, den Kontakt infizierter Mücken mit anderen Mücken zu verhindern. Zur Bewältigung der Herausforderungen durch neue Erreger bzw. neue Verbreitungsgebiete alter Erreger sei der ganzheitliche One-Health-Ansatz bedeutsam. Dieser fachübergreifende Ansatz berücksichtigt – mit Blick auf die Globalisierung – sowohl die Gesundheit von Mensch und Tier als auch Umweltbedingungen, Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft. Abschließend bedankte sich der Minister bei den anwesenden Repräsentanten der Heilberufe für ihre Unterstützung bei der Untersuchung und Behandlung der Flüchtlinge in Hessen.

Seit acht Jahren eint das Bündnis heilen & helfen Repräsentanten unterschiedlicher Körperschaften des Gesundheitswesens, um mit vereinter Stimme die Anliegen der Heilberufe und ihrer Patienten an die politischen Entscheider und in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Sommerempfang in der hessischen Landeshauptstadt erlebte am 13. Juli 2016 seine dritte Auflage. Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Psychotherapeuten und Tierärzte wollen durch diesen Event den direkten Austausch mit geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Presse ermöglichen.

 

Weitere Informationen zum Bündnis heilen & helfen und seinen Veranstaltungen und Aktionen sind auf der Internetseite des Bündnisses www.heilberufehessen.de zu finden.

Gemeinsame Pressemitteilung von Landesärztekammer Hessen, Landeszahnärztekammer Hessen, Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen, Landesapothekerkammer Hessen, Landeskammer für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Hessen, Landestierärztekammer Hessen.

 

Kontakt:

Stellvertretend für die beteiligten heilberuflichen Körperschaften:
Katja Möhrle, Pressestelle der Landesärztekammer Hessen
Tel.: 069 97672-188
Fax: 069 97672-224
E-Mail: katja.moehrle@laekh.de