Volle Kanne daneben: ZDF-Magazin empfiehlt kriminalistisches Vorgehen beim Arztbesuch

 

Landesärztekammer Hessen empört über Versuch, das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten zu zerstören / "71 Prozent der Patienten vertrauen Ärztinnen und Ärzten"

Bei Anfangsverdacht Beweise sichern: Was das ZDF-Morgenmagazin "Volle Kanne" am 13. Februar seinen Zuschauern bei vermuteten Behandlungsfehlern riet, könnte aus einem kriminalistischen Handbuch stammen. "Wenn Patienten im öffentlich rechtlichen Fernsehen gegen Ärztinnen und Ärzte aufgewiegelt werden, ist das schlichtweg empörend", erklärt Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen. "Außerdem zeugt der offenkundige Versuch, Misstrauen zu säen und das grundlegende Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu zerstören, von Verantwortungslosigkeit."

Der zum Thema "Unnötige Operationen" als Experte ins Studio eingeladene Journalist Frank Wittig nutzte das Morgenmagazin nicht nur als Werbe-Plattform für sein Buch "Die weiße Mafia", sondern auch für platte Schuldzuweisungen. Dass in Deutschland angeblich zu viel operiert und mit einem Wort "überbehandelt" werde, schob Wittig der Ärzteschaft in die Schuhe, die sich die Patienten auf die OP-Tische "diagnostiziere". Es fehle die Kontrolle im Gesundheitswesen, denn diese werde von den Ärzten ausgeübt, klagte der Autor und forderte zugleich die Entmachtung der wissenschaftlichen Fachgesellschaften. "Doch wer außer den Ärzten selbst sollen die Fachleute in gesundheitlichen Fragen von Patienten sein?", fragt von Knoblauch zu Hatzbach.

"Bloß kein medizinischer Sachverstand!", so ließe sich dagegen Wittigs Botschaft überschreiben, die auch von dem "Volle Kanne"–Moderator nicht hinterfragt wurde. Wenn das Ergebnis einer ärztlichen Behandlung für den Betroffenen nicht zufrieden stellend sei, könne dies die unterschiedlichsten Ursachen haben - ungeeignete Therapie, falsche Diagnose oder ein Behandlungsfehler, hieß es im ZDF-Morgenmagazin. Die Tatsache, dass nicht jede Krankheit heilbar ist und ein Behandlungsergebnis daher nicht immer so ausfällt wie erhofft, fand in der Sendung allerdings keinerlei Erwähnung.

"Profit oder Patient?": Das Ergebnis der am Ende des Morgenmagazins präsentierten Online-Umfrage, wonach noch knapp 30 Prozent der "Volle Kanne"-Zuschauer ihrem behandelnden Arzt vertrauen, schien dazu angetan, den detektivischen Spürsinn beim Arztbesuch zu befeuern. Allerdings stehen die Befragungsresultate in auffälligem Widerspruch zu der am 5.12.2012 vorgestellten repräsentativen Patientenstudie von jameda (www.jameda.de), Deutschlands größter Arztempfehlung. Darin bekräftigen 71 Prozent der Patienten ihr Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte.