"Jeder kann Leben retten"

 

Klare Absage an eine staatliche Kontrollbehörde / Hessischer Ärztekammerpräsident appelliert an Organspendebereitschaft

Seitdem vor einem Jahr Manipulationsvorwürfe in Zusammenhang mit der Vergabe von Spenderorganen laut wurden, sind die Organspendezahlen dramatisch zurückgegangen. So verzeichnet die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) für das erste Halbjahr 2013 einen bundesweiten Rückgang der postmortalen Organspender von 18,3 Prozent. In der DSO-Region Mitte, zu der die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zählen, wurden von Januar bis Juni diesen Jahres 63 Organspenden gegenüber 71 im gleichen Vorjahreszeitraum gemeldet. Im ersten Halbjahr des Jahres 2010 konnten dagegen noch 106 postmortale Organspenden verzeichnet werden.


"Die Verunsicherung der Bevölkerung aufgrund der Manipulationsvorwürfe ist nachvollziehbar. Dennoch ist es eine Tatsache, dass die Transplantationsmedizin und das System der Organspende noch nie so sicher waren wie heute", unterstreicht Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen. Bei den vorgeworfenen Manipulationen handele es sich um absolute Einzelfälle. Um das Vertrauen in die Organspende wieder zurück zu gewinnen, seien Aufklärung und Transparenz auf der einen Seite und optimale Kontrollmechanismen auf der anderen Seite erforderlich, macht von Knoblauch zu Hatzbach deutlich.

So wurden im vergangenen Jahr umfassende Maßnahmen zum Schutz der Organspender und -empfänger ergriffen und Kontrollen verstärkt. Im August 2012 ist das geänderte Transplantationsgesetz in Kraft getreten, das die Beachtung des Mehraugen-Prinzips bei der Behandlung der Patientendaten garantiert. Eine Vernetzung der DSO mit den Strukturen des öffentlichen Gesundheitswesens dient der besseren Koordination und soll die Wahrscheinlichkeit von Manipulationen weitgehend einschränken.

Jüngsten Forderungen nach einem Bundesinstitut für Transplantationen erteilt von Knoblauch zu Hatzbach dagegen eine klare Absage: "Die komplexe Organisation des Organspendeablaufs ist eine ärztliche Aufgabe und muss in den Händen von Ärzten bleiben." Der wesentliche Beitrag, den die Bundesärztekammer bei der Aufdeckung möglicher Manipulationen geleistet habe, zeige, dass dieses System funktioniere.

Noch verzeichnen Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation, dass alle acht Stunden ein Mensch in Deutschland stirbt, weil er oder sie ein dringend benötigtes Organ nicht bekommt. Dabei könnte ein Spender das Leben von bis zu sieben Patienten retten. "Wir müssen noch intensiver als bisher über die Organspende und die Kriterien für die Vergabe von Spenderorganen informieren als bisher", fordert von Knoblauch zu Hatzbach und appelliert eindringlich an die Organspendebereitschaft: "Jeder von uns kann Leben retten! Einzige Voraussetzung ist die Unterzeichnung eines Organspendeausweises."