In Hessen kein Anstieg ärztlicher Behandlungsfehler

 

Kammervizepräsident Leimbeck: Reißerische Meldungen verunsichern Bevölkerung zutiefst

"So nachvollziehbar die Jagd nach Schlagzeilen auch sein mag: Eine reißerische Meldung über angeblichen Ärztepfusch, wie sie heute von einer auflagenstarken Zeitung verbreitet wurde, dient nicht der Aufklärung, sondern verunsichert die Bevölkerung zutiefst", erklärt Martin Leimbeck, Vizepräsident der Landesärztekammer Hessen.

"Selbstverständlich ist jeder Todesfall, der durch einen Behandlungsfehler oder durch Komplikationen verursacht wird, einer zu viel", so Leimbeck weiter. Deshalb sei es notwendig, festgestellte Fehler aufzuarbeiten, um sie in Zukunft vermeiden zu können. "Regelmäßige Fortbildung und der offene Umgang mit Fehlern sind der beste Patientenschutz", unterstreicht Leimbeck. Zugleich warnt er davor, statistische Daten unkommentiert zu einer plakativen Meldung aufzubauschen: "Zahlen sagen nichts über die Ursachen von Todesfällen und ihren Zusammenhang mit Behandlungsfehlern aus. So sind mögliche Komplikationen, die nach einer Operation oder etwa in Zusammenhang mit minderwertigen Medizinprodukten auftreten können, keine ärztlichen Fehler."

In Hessen ist kein Anstieg von Behandlungsfehlern zu beobachten. Im vergangenen Jahr wurden 772 Anträge aufgrund vermuteter Behandlungsfehler bei der Gutachter- und Schlichtungsstelle der Landesärztekammer Hessen gestellt. Im Vorjahr waren es noch 817 Anträge, sodass ein leichter Rückgang von -5,5 % verzeichnet werden kann. Nach Bewertung von 592 Anträgen wegen vermuteter Behandlungsfehler im Jahr 2011 wurden 144 Behandlungsfehler festgestellt. In 448 Fällen verneinte die unabhängige Gutachter- und Schlichtungsstelle einen vermuteten Behandlungsfehler.