Der Arztberuf – Berufung und hohe Verantwortung

 

Hessischer Ärztekammerpräsident hebt Aktualität des Hippokratischen Eides auf Examensfeiern in Gießen und Marburg hervor

Marburg/Gießen. "Willkommen in einem ebenso herausfordernden wie erfüllenden Beruf", beglückwünschte Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen, am 15. Dezember 154 Absolventinnen und Absolventen des Medizinstudiums auf ihrer Examensfeier in der Alten Universität in Marburg.

Auch auf dem Examensball der Giessener Universität überreichten von Knoblauch zu Hatzbach und Studiendekan Prof. Dr. med. Joachim Kreuder am selben Abend neben den Examensurkunden Faltblätter mit den Texten des Hippokratischen Eides und des Genfer Gelöbnisses an 93 frisch approbierte Ärztinnen und Ärzte. Der Eid des Hippokrates, benannt nach dem griechischen Arzt Hippokrates von Kós (um 460 bis 370 v. Chr.), gilt als erste grundlegende Formulierung einer ärztlichen Ethik. Seine zeitgemäße Version, das Genfer Gelöbnis, wurde in Gießen von der Studienabsolventin Claudia Heinrich vorgelesen und der abschließende Satz von allen Absolventen gemeinsam gesprochen.

Von Knoblauch zu Hatzbach unterstrich die Aktualität des Hippokratischen Eides. In einem von zunehmender Ökonomisierung geprägten Gesundheitswesen müsse die Zuwendung zum Patienten wieder im Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit stehen. Voraussetzung dafür sei, dass der Arztberuf ein Freier Beruf bleibe, der sich nicht durch Ökonomen versklaven lasse, sondern sich durch Kompetenz auszeichne. "Keines Menschen Herrn, keines Menschen Sklave", forderte der Ärztekammerpräsident mit den Worten Marc Aurels. Während Politiker und Ökonomen Ärzte als "Leistungserbringer" betrachteten, basiere das ärztliche Selbstverständnis auf einem Freien (Heil-)Beruf, der nach akademischer Ausbildung und Weiterbildung auf die Heilung des Patienten ausgerichtet sei.

"Ein Beruf mit Berufung und hoher Verantwortung", so von Knoblauch zu Hatzbach: "Wir Ärztinnen und Ärzte nehmen uns eines kranken Menschen an, der sich Hilfe suchend an uns wendet. Für seine Behandlung sind Weisungsunabhängigkeit, Diagnose und Therapiefreiheit der Ärztin/des Arztes sowie absoluter Vertrauensschutz unverzichtbar." Dass der immer größer werdende Anteil von Frauen an der Ärzteschaft die vollkommen berechtigte Forderung nach Chancengleichheit und Freiheit bei der Gestaltung eigener Lebensentwürfe beinhalte, sollte heute eigentlich selbstverständlich sein, fügte von Knoblauch zu Hatzbach hinzu. "Die Ärztekammer setzt sich mit allen ihr verfügbaren Mitteln für die Freiheit des ärztlichen Berufes und für berufliche Rahmenbedingungen ein, die eine individuelle Lebensplanung ermöglichen."