Organspendebereitschaft durch verstärkte Aufklärung steigern

 Hessischer Ärztekammerpräsident spricht sich für Informations- und Selbstbestimmungslösung mit Erklärungspflicht aus

"Organspende rettet Leben und geht uns alle an. Deshalb sollte sich jeder mit dem Thema auseinandersetzen!", fordert der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. In Deutschland warten derzeit rund 12.000 schwer erkrankte Menschen auf ein Spenderorgan - viele von ihnen vergeblich. Dass die Gesundheitsminister von Bund und Ländern derzeit in Frankfurt über Maßnahmen diskutieren, wie die Organspendebereitschaft erhöht werden kann, begrüßt von Knoblauch zu Hatzbach daher ausdrücklich. "Doch diese Bereitschaft sollte nicht gesetzlich verordnet, sondern durch verstärkte Aufklärung gefördert werden", unterstreicht der hessische Ärztekammerpräsident. Wie der 114. Deutsche Ärztetag in Kiel spricht sich von Knoblauch zu Hatzbach für eine Informations- und Selbstbestimmungslösung mit Erklärungspflicht aus. Danach soll jeder Bürger mindestens einmal in seinem Leben, z.B. beim Erwerb des Führerscheins oder der Ausstellung des Personalausweises über Organspende informiert und gefragt werden, ob er nach dem Tod Organe spenden möchte.

"Grundlage für die Entscheidung für einen Organspendeausweis ist das Vertrauen in das System der Organspende und ein ausreichender Schutz - sowohl für den Organspender als auch für den Organempfänger", erklärt von Knoblauch zu Hatzbach. "Daher ist es dringend notwendig, noch intensiver als bisher über Organspende und Transplantation zu informieren. Außerdem muss die ständige Kontrolle aller in den Organspendeprozess eingebundenen Institutionen gewährleistet sein." Dass intensive Aufklärungsarbeit zu steigenden Organspendezahlen führt, zeige das Beispiel Hessen, so von Knoblauch zu Hatzbach weiter: Mit 15,7 Spendern pro eine Million Einwohner wurde hier 2010 ein erheblicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet. Laut Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) konnten bis Ende Mai 2011 insgesamt 34 Spender gezählt werden, im Juni haben die Zahlen bereits den gleichen Stand des Vorjahres erreicht.

"Wichtig ist, dass wir die Gefühle der Menschen ernst nehmen", hebt von Knoblauch zu Hatzbach hervor. "Dazu gehört auch, nach den Ursachen für eine fehlende Bereitschaft zur Organspende zu fragen, um mögliche Ängste entkräften zu können." So habe eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergeben, dass 47 Prozent der Befragten den Missbrauch durch Organhandel fürchten, 34 Prozent sich nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen wollen und 33 Prozent Angst haben, dass von den Ärzten nicht mehr alles für sie getan wird. "Eine gesetzliche Regelung, nach der Organe ohne Einwilligung entnommen werden könnten, würde diese Sorgen unberücksichtigt lassen und den Menschen das im Grundgesetz garantierte Selbstbestimmungsrecht nehmen."

"Neben verstärkter Öffentlichkeitsarbeit und der Patientenaufklärung durch Ärztinnen und Ärzte ist ein wesentlicher Schlüssel zur Steigerung der Organspende dort zu suchen, wo die Einleitung jeder Organspende beginnt: im Krankenhaus", fügt der hessische Ärztekammerpräsident hinzu. Nur hier könnten mögliche Organspender erkannt und Angehörige sensibel bei ihrer Entscheidungsfindung über eine Organentnahme unterstützt werden. Um ihre komplexen Aufgaben erfüllen zu können, müssten alle Krankenhäuser mit Intensivstation mindestens einen Transplantationsbeauftragten bestellen. Von Knoblauch zu Hatzbach appelliert an die Politik, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Organspende und Transplantation zu schaffen. "Dies ist zugleich ein wirksamer Schutz vor jeglicher Form merkantilen Organhandels."