"IGeL-Kritik zielt ins Leere"

Hessischer Ärztekammerpräsident spricht sich für gemeinsame Vertrauensbasis und gegen Schuldzuweisungen aus

Als populistisch bezeichnet der hessische Ärztekammerpräsident Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach die Forderung des GKV-Spitzenverbandes nach einer Reglementierung der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), wie etwa einer Einwilligungssperrfrist. "Hinter der Behauptung von Verbandsvorstand Gernot Kiefer, IGeL-Angebote seien 'mehrheitlich nutzlos und damit überflüssig', steckt wohl nur vordergründig Unkenntnis. Tatsächlich verbirgt sich dahinter offenbar der Versuch, Patienten zu verunsichern. Regeln im Umgang mit IGeL-Leistungen, insbesondere auch die Schriftform der Vereinbarung zwischen Arzt und Patient, sind Realität." Eine zusätzliche Bedenkzeit des Patienten, wie in dem Positionspapier des Verbandes vorgeschlagen, hält von Knoblauch zu Hatzbach dagegen für überflüssig.

"Mit seiner IGeL-Kritik bewegt sich Kiefer auf dünnem Eis, denn tatsächlich hat erst die Rationierungswut der Gesetzlichen Krankenkassen den Weg für IGeL bereitet", unterstreicht von Knoblauch zu Hatzbach. Da der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen immer schmäler werde, sei es nur folgerichtig, wenn Ärzte mehr anböten, als das, was die Kassen heute noch bezahlen. "Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind medizinisch wünschenswert und sinnvoll", so von Knoblauch zu Hatzbach weiter: "Wir Ärzte wollen unseren Patienten die Leistungen nicht vorenthalten. Da diese jedoch nicht zum Leistungsumfang der vertragsärztlichen Vereinbarung gehören, werden sie nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet."

Dass im Rahmen der IGeL-Vereinbarungen keine "fragwürdigen" Leistungen angeboten werden dürfen, sei selbstverständlich, erklärt der Ärztekammerpräsident. "Es gibt rechtliche Vorgaben, die zwingend einzuhalten sind." Als Richtschnur für Ärztinnen und Ärzte nennt von Knoblauch zu Hatzbach die Berufsordnung und weitere vertragsärztliche Rechtsnormen. "In dem besonderen Arzt-Patienten-Verhältnis sind Transparenz und Offenheit entscheidend. Die Kritik der gesetzlichen Krankenkassen zielt deshalb ins Leere. Im Interesse unseres gemeinsamen Anliegens - des Patientenwohls - sollten Ärzte und Kassen die gemeinsame Vertrauensbasis erhalten und auf gegenseitige Schuldzuweisungen verzichten."