Münchhausen lässt grüßen: Arzthonorare aus der Gerüchteküche

Landesärztekammer warnt vor Folgen

"Es ist offenbar wieder soweit: Mit Behauptungen über erhebliche Honorarsteigerungen im niedergelassenen Bereich sollen Ärztinnen und Ärzte zu Sündenböcken für die Finanzprobleme im Gesundheitswesen gemacht werden. Münchhausen lässt grüßen", empört sich Martin Leimbeck, Vizepräsident der Landesärztekammer Hessen. "Dass auch einige Medien in der Gerüchteküche mitmischen und den Arzt zum Spitzenverdiener hochstilisieren, zeugt von schlechter Recherche." So etwa die gestrige, von Krankenkassen lancierte Mitteilung in einer TV-Nachrichtensendung, wonach das jährliche Durchschnittseinkommen eines niedergelassenen Arztes in diesem Jahr angeblich bei 164.000 Euro liegen werde. "Davon können die meisten Vertragsärztinnen und -ärzte in Hessen nur träumen. Viele Kolleginnen und Kollegen, die in ländlichen Gebieten arbeiten, müssen sich mit rund einem Drittel dieser Summe begnügen", erklärt Leimbeck, der selbst als Landarzt tätig ist.

Der Vizepräsident der Ärztekammer sieht die überzogenen Honorarangaben als Teil einer Kampagne, die von den eigentlichen Problemen in der Gesundheitspolitik ablenken soll. "Bevor man riskiert, mit falschen Hausnummern zu jonglieren, ist es notwendig, sich über die tatsächlichen Zahlen zu informieren", rät Leimbeck. So erhalten beispielsweise hessische Hausärzte ab 01.07.2010 für jeden Patienten 38,15 Euro brutto pro Quartal. Davon müssen unter anderem Praxiskosten und Mitarbeitergehälter gezahlt werden. "Wenn unsere Situation in jeder Beziehung so rosig wäre - warum haben wir dann ein riesiges Nachwuchsproblem? Wer öffentlich mit Unwahrheiten am Arztbild kratzt, braucht sich über das nachlassende Interesse am Arztberuf nicht zu wundern", warnt Leimbeck.