Hessische KV und Kammer sehen Zukunft der Sozialpsychiatrie-Versorgung mit Sorge

Gemeinsame Pressemitteilung der Landesärztekammer Hessen und der Kassenärztlichen Vereinigung

Besorgt haben heute in Frankfurt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die Landesärztekammer Hessen die nahezu flächendeckende Kündigung der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung durch die Krankenkassen kommentiert. Damit ist ungewiss, ob ein überaus erfolgreiches Integrationsmodell auch über das Jahresende hinaus fortgesetzt werden kann. Um die bewährte Versorgung aufrecht erhalten zu können, müsste bis Ende September 2008 eine Anschlussvereinbarung getroffen werden. Die Vereinbarung macht es Kinder- und Jugendpsychiatern möglich, Heil- und Sozialpädagogen in ihren Praxen anzustellen, deren Aufgabe es ist, das soziale und familiäre Umfeld psychiatrisch kranker Kinder zu koordinieren und zu betreuen.

Zwar erfolgte die Kündigung durch die Krankenkassen aufgrund der im Jahr 2009 anstehenden Reform der ärztlichen Vergütung im ambulanten Bereich auch aus formalen Gründen. Doch damit steht die Zukunft dieser und weiterer Vereinbarungen in Frage. Betroffen von den Kündigungen sind Leistungen, die außerhalb des Budgets bezahlt werden - neben der Sozialpsychiatrie gilt dies auch für die ebenfalls gekündigte Onkologie-Vereinbarung sowie die Vereinbarung zur Förderung des ambulanten Operierens. "Angesichts der nun erfolgten Kündigungen ist im Moment fraglich, ob die betroffenen Leistungen im Jahr 2009 noch genauso viel wert sein werden, wie zurzeit", so die Vorstandsvorsitzenden der KV Hessen, Dr. med. Margita Bert und Dr. med. Gerd W. Zimmermann. "Um diese Leistungen aber weiterhin anbieten zu können, benötigen unsere Mitglieder dafür zumindest die gleichen Honorare wie bisher. Wir appellieren deshalb an den Gesetzgeber, seinen Einfluss geltend zu machen, damit diese Leistungen nicht einem systembedingten Preisverfall zum Opfer fallen."

Die Präsidentin der Landesärztekammer, Dr. med. Ursula Stüwe, betont die positiven Erfahrungen, die gerade in Hessen mit dem Integrationsmodell gemacht wurden: "Kommt es zu keiner Anschlussvereinbarung, könnte eines der ersten Integrationsmodelle vor dem Aus stehen, bei dem Ärzte und Nichtärzte erfolgreich zusammen arbeiten, um betroffenen Kindern und ihren Eltern zu helfen. Dies muss unbedingt verhindert werden." Unterstützung erhält sie von Prof. Dr. med. Fritz Poustka, dem Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Frankfurt, der die Wichtigkeit der Berücksichtigung milieurelevanter Faktoren bei der Therapie psychiatrisch kranker Kinder und Jugendlicher unterstreicht: "Dass die engmaschige Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendpsychiatern auf der einen, Heil- und Sozialpädagogen auf der anderen Seite notwendig ist, haben in jüngster Zeit erneut Medienberichte über aufsehenerregende Fälle vernachlässigter Kinder und überforderter Eltern gezeigt."

Seit 1994 existiert die Sozialpsychiatrische Vereinbarung mit dem Verband deutscher Angestelltenkrankenkassen (VdAK) als Anlage zum Bundesmantelvertrag und auf regionaler Ebene in Einzelverträgen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Primärkassen.