Aktionswoche für gute Kliniken in Hessen "Wir machen mobil für Qualität und gegen Spardiät"

Hessisches Aktionsbündnis startet Kampagne für eine bessere Klinikfinanzierung / Betten-Stafette und Denkpause im Mittelpunkt

Mit einer Betten-Stafette beginnt auf dem Frankfurter Römerberg eine Aktionswoche hessischer Krankenhäuser für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kliniken durch die Bundesregierung. Mit zahlreichen Aktionen und Informationsveranstaltungen in ganz Hessen will das aus zehn Partnerorganisationen bestehende hessische Aktionsbündnis die Bundesregierung dazu veranlassen, eine Finanzierungslücke von bundesweit 6,7 Milliarden Euro, davon in Hessen ca. 450 Millionen Euro zu schließen, um damit die Krankenhausversorgung nachhaltig sicherzustellen. Die Aktionswoche ist Teil einer bundesweiten Kampagne, die am 25. September 2008 in einer zentralen Großdemonstration in Berlin gipfeln wird. Zu der Demonstration werden 100.000 Menschen erwartet.

"Vor dem Hintergrund erheblich gestiegener Personal- und Sachkosten brauchen die hessischen Krankenhäuser dringend eine finanzielle Entlastung, um eine gute medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können," begründete Holger Strehlau, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, die Protestaktionen. Sollte die Bundesregierung weiter an ihrem Sparkurs festhalten, hätten Ärzte und Pflegekräfte noch weniger Zeit für ihre Patienten. Die Qualität der Krankenhausversorgung könne nicht gehalten und es müssten Arbeitsplätze abgebaut werden. Auch zu Einschränkungen und Wartezeiten beim Zugang zu den medizinischen Leistungen werde es kommen, so der Präsident. 

"Denkpause" für eine gute Krankenhausversorgung
In der vom 8. bis 12. September 2008 dauernden Aktionswoche werden Krankenhäuser in ganz Hessen mit vielfältigen Aktionen auf die finanzielle Lage der Krankenhäuser aufmerksam machen. Dazu zählen Diskussionsveranstaltungen, Einladungen an Landtags- und Bundestagsabgeordnete zu "Praktika" im Krankenhaus, Infostände in Fußgängerzonen und vieles mehr.

Höhepunkt der Aktionswoche ist am Dienstag, 9. September, 11.45 Uhr eine "Denkpause" für eine gute Krankenhausversorgung, in deren Rahmen in den beteiligten Kliniken das Management und die Beschäftigten über die Situation der Krankenhäuser diskutieren. An den Stationen der "Betten-Stafette" machen Beschäftigte aus Krankenhäusern in ganz Hessen in Gesprächen mit den Bürgern sowie mit Landtags- und Bundestagsabgeordneten auf die schwierige finanzielle Lage der Krankenhäuser aufmerksam und werben für Unterstützung. Nächste Stationen der Betten-Stafette sind am 8. September Darmstadt, am 9. September Fulda und am 10. September Kassel. Die Betten-Stafette endet am Freitag, 12. September vor dem Landtag in Wiesbaden.

Dem am 16. Juli 2008 unter Federführung der Hessischen Krankenhausgesellschaft, dem Dachverband der Krankenhäuser in Hessen, gegründeten hessischen Aktionsbündnis gehören folgende Verbände der Krankenhausträger, Fachverbände, Körperschaften und Organisationen an: dbb beamtenbund und tarifunion, Hessische Krankenhausgesellschaft, Hessischer Landkreistag, Hessischer Städtetag, KAV Hessen, Landesärztekammer Hessen, Landespflegerat Hessen, Marburger Bund Hessen, ver.di Landesbezirk Hessen und die VKD Landesgruppe Hessen.

Die Bündnispartner fordern gemeinsam von den politisch Verantwortlichen:

  • stoppt die Kürzungen - auch den ungerechtfertigten Rechnungsabzug zur Sanierung der Gesetzlichen Krankenversicherung umgehend,
  • weg mit dem Deckel auf den Krankenhausbudgets,
  • Ausgleich für steigende Energie- und Sachkosten,
  • Finanzierung medizinischer Innovationen,
  • volle Gegenfinanzierung der Tariflohnsteigerungen,
  • mehr Geld für Arbeitsplätze und berufliche Nachwuchssicherung.

Bereits seit Jahren stehen für die medizinischen und pflegerischen Aufgaben der Kliniken keine ausreichenden Finanzmittel zur Verfügung. "Die engen gesetzlichen Vorgaben für die Finanzierung der Krankenhäuser und die Kürzungspolitik der Bundesregierung auf der einen sowie die massiv steigenden Kosten auf der anderen Seite treiben die Krankenhäuser immer mehr in die Enge. Die Patienten müssen sich jedoch darauf verlassen können, dass sie eine individuell notwendige, hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung erhalten. Hierfür tragen Bund und Länder im Rahmen ihres Gesetzgebungsrechts eine große und entscheidende Mitverantwortung", fasst HKG-Präsident Holger Strehlau die Position des Aktionsbündnisses zusammen. Die Forderung der Krankenhäuser ist ebenso berechtigt, wie die bereits erfüllte Forderung der niedergelassenen Ärzte nach einer besseren Finanzierung.

 

 

Zahlen und Fakten in Kürze

180 Krankenhäuser in Hessen versorgen jährlich über 1,1 Mio. Patienten. Seit mehr als zehn Jahren begrenzt der Gesetzgeber die Einnahmen der Krankenhäuser für die von ihnen erbrachten Behandlungsleistungen drastisch. 2008 beträgt die vom Gesetzgeber verordnete Zuwachsrate lediglich 0,64 Prozent - und davon müssen die Krankenhäuser aufgrund der letzten Gesundheitsreform noch 0,5 Prozent zur Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherung abgeben. Gleichzeitig steigen die Kosten der Krankenhäuser infolge tariflicher Steigerungen und der allgemeinen Preisentwicklung immens. In den Jahren 2008 und 2009 ist mit einer Finanzierungslücke für die Kliniken in Hessen in Höhe von 450 Mio. EUR zu rechnen.

Die jährlichen Krankenhausausgaben in Deutschland liegen mit 787 EUR deutlich unter dem Durchschnittswert von 1.001 EUR anderer Industrieländer.

 

Veränderungen zwischen 1997 und 2006

Kürzere Verweildauer
Die durchschnittliche Verweildauer verringerte sich von 10 auf 8,4 Tage.

Weniger Krankenhausbetten
Die Bettenzahl verringerte sich von 40.873 um 5.782 auf 35.091 Betten.

Weniger Personal
Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich von 75.851 um 5.714 auf 70.137.

Steigende Personal- und Sachkosten
Mehrkosten für Personal 2008 ca. 70 Mio. EUR, 2009 weitere Personalmehrkosten 210 Mio. EUR.
Steigerung des Verbraucherpreisindexes von 2005 (= 100) bis 2008 auf 1006,2

Wirtschaftsfaktor Krankenhaus
Jährlicher Gesamtumsatz rd. 3,9 Mrd. EUR
70.000 Beschäftigte (2,8 Prozent der Beschäftigten in Hessen)
6.249 Ausbildungsplätze Ende 2006
7.115 Medizinstudenten (ohne Zahnmedizin)

 

 

Pressekontakte:
Hans Ditzel, Pressesprecher HKG, Tel.: 06196 409961
Detlef Hans Franke, FuP Kommunikations-Management GmbH, Tel.: 069 9543160; Mobil: 0171 4142811

Die Hessische Krankenhausgesellschaft e.V. (HKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Hessen, in dem über 160 Akutkrankenhäuser des Landes mit zusammen ca. 36.000 Krankenhausbetten und einer Gesamtbeschäftigtenzahl von rd. 70.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammengeschlossen sind. Die HKG ist Interessenvertretung der Krankenhäuser in der gesundheitspolitischen Diskussion, nimmt gesetzlich übertragene Aufgaben im Gesundheitswesen wahr und unterstützt ihre Mitglieder durch individuelle Beratung.