Wenn Heilen den Heiler gefährdet

Hessische Ärztekammer bietet Ärzten mit Suchtproblemen Hilfe

"Dass Ärzte häufiger als andere Berufsgruppen an Depressionen, Burn-out und Suchtproblemen leiden, liegt auf der Hand", erklärte der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach heute in Frankfurt: "Unmenschliche Arbeitsverdichtung und wachsende Entfremdung vom eigentlichen Arztberuf als Heiler und Helfer verleiden immer mehr Kolleginnen und Kollegen die Freude an ihrer Tätigkeit. Viele reagieren mit körperlichen und seelischen Erkrankungen, oder suchen Zuflucht bei Suchtmitteln wie Alkohol und Medikamenten." Um Ärztinnen und Ärzten dabei zu helfen, sich aus der Situation zu befreien, hat die Landesärztekammer Hessen deshalb zusätzlich zu den Bezirksärztekammern als Anlaufstellen eine Einrichtung geschaffen, an die sich Mediziner mit Suchtproblemen wenden können: Der niedergelassene Internist Dr. med. Mark Siegmund Drexler ist Suchtbeauftragter der Landesärztekammer für Kammermitglieder.

Dass die Einrichtung dringend notwendig ist, machen die Zahlen deutlich: Über 60 betroffene Ärztinnen und Ärzte haben sich im vergangenen Jahr an den Suchtbeauftragten gewandt. "Ihre Schwierigkeiten im Berufsalltag ähneln sich: Häufig stecken Arbeitsüberlastung, Zeitdruck durch überbordende Bürokratie und private Probleme hinter einer Alkohol- oder Tablettensucht," berichtet Drexler. "Wir führen als Kammer keine Therapien für die Betroffenen durch, sondern beraten sie und organisieren geeignete Behandlungsmöglichkeiten. Verschwiegenheit ist dabei selbstverständlich." Drexler bezeichnet es als Aufgabe des Suchtbeauftragten, suchtkranke Ärztinnen und Ärzte auf ihrem Weg aus der Sucht zu unterstützen, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.

"Mit diesem Angebot der Ärzteschaft ist die Politik jedoch keineswegs ihrer Verantwortung enthoben", unterstrich Ärztekammerpräsident von Knoblauch: "Ärztinnen und Ärzte müssen wieder heilen und helfen können. Voraussetzung hierfür sind humane Arbeitsbedingungen und eine zumutbare Belastung mit Arbeitszeiten und Bürokratie. Sonst macht der Arztberuf krank."