Unsere Geduld ist am Ende

Hessische Landesärztekammer unterstützt den Protesttag der Ärzte in Berlin

„Miserable Arbeitsbedingungen, Bürokratismus und zu wenig Zeit für die Patienten: Die Zustände im Gesundheitswesen sind unerträglich", erklärte die hessische Ärztepräsidentin, Dr. med. Ursula Stüwe, heute in Frankfurt. Die Landesärztekammer Hessen unterstütze daher den bundesweiten Protesttag der Ärzte am 18. Januar in Berlin und erkläre sich ohne jedes Wenn und Aber solidarisch. „Unsere Geduld ist am Ende", sagte Stüwe. "Wir nehmen nicht mehr hin, dass ärztliche Arbeitskraft ausgebeutet und der Geldhahn für die Versorgung hilfsbedürftiger Menschen immer weiter zugedreht wird."

Dass die Zeichen auf Sturm stehen, mache auch der Protest des ärztliches Nachwuchses deutlich. „Wenn junge Ärztinnen und Ärzte zunehmend ihrem Beruf den Rücken zukehren, oder ins Ausland abwandern, ist das ein Alarmsignal. Weder Politik noch Öffentlichkeit dürfen vor dieser Entwicklung in Deutschland die Augen verschließen, denn sie wird sich verheerend auf die Patientenversorgung auswirken", warnte Stüwe: „Wo kein Arzt ist, da können auch keine Kranken behandelt werden!" Die Ärztepräsidentin wies auf eine Untersuchung der Landesärztekammer Hessen hin, die belegt, dass die Zahl der ins Ausland abwandernden hessischen Ärztinnen und Ärzte in den Jahren 2000 bis 2005 um das 10-fache angestiegen ist. „Mit Marathondiensten, unbezahlten Überstunden und einer nicht mehr konkurrenzfähigen Vergütung werden Ärzte förmlich aus dem Land gejagt", urteilte Stüwe. 

Die Überlegungen zur Abschaffung der privaten Krankenversicherung und die Fusion gesetzlicher Krankenkassen hätten in den vergangenen Wochen für eine zusätzliche Verunsicherung von Ärzten und Patienten geführt. Auch die Diskussion um die Bonus-Malus-Regelung lasse Schlimmes befürchten, sagte die Kammerpräsidentin. Durch die finanzielle Inhaftungsnahme für Arznei- und Heilmittelfinanzierung setze sie Ärzte einer ständigen Regressgefahr aus und bedrohe die notwendige medikamentöse Behandlung von gesetzlich krankenversicherten Patienten. „Wenn Ärztinnen und Ärzte jetzt nicht auf die Straße gehen und ein politisches Umdenken fordern, fährt dieses Gesundheitssystem sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich wegen falscher politischer Weichenstellungen gegen die Wand."