„Ulla Schmidt spricht mit gespaltener Zunge"

Hessische Ärztekammerpräsidentin fordert eine Verbesserung der ärztlichen Arbeitsbedingungen

Empört reagierte die Präsidentin der Landesärztekammer Hessen, Dr. med. Ursula Stüwe, heute auf Ulla Schmidts Behauptung, die Forderung der Krankenhausärzte nach besseren Arbeitsbedingungen sei unbezahlbar. Die Äußerungen der Bundesgesundheitsministerin machten deutlich, dass sie sich nicht nur über die gesundheitliche Belastung von Ärztinnen und Ärzten durch ihre überdurchschnittliche Arbeitsbelastung hinwegsetze, sondern auch ungerührt eine zunehmende Verschlechterung der Patientenversorgung in Kauf nehme, erklärte Stüwe.

„Wenn Schmidt die Ärztestreiks in den meisten Bundesländern verurteilt und Patienten als die Leidtragenden bezeichnet, spricht sie mit gespaltener Zunge", warf die Kammerpräsidentin der Ministerin vor. „Die Patientenversorgung wird doch nicht durch bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus beeinträchtigt. Tatsächlich sind Patientinnen und Patienten durch übermüdete Ärztinnen und Ärzte gefährdet!"

Während Fehler, die aus Müdigkeit resultieren, z.B. bei Berufskraftfahrern und Piloten hinreichend bekannt seien und der Gesetzgeber entsprechend reagiert habe, sei diese "Fürsorgepflicht" des Staates sowohl für Ärzte wie für Patienten im medizinischen Bereich längst überfällig, sagte Stüwe. Unverfroren setze sich die Politik über tarifliche Vereinbarungen und das europäische Arbeitszeiturteil hinweg und bürde Ärztinnen und Ärzte zusätzlich zu ihrer ärztlichen Tätigkeit bürokratische Aufgaben in Hülle und Fülle auf. „Auch in Hessen sind die Zustände in Kliniken und in niedergelassener Praxis so unbefriedigend, dass sich die Zahl der ausreisewilligen Ärztinnen und Ärzte seit gut einem Jahr auf einem hohen Niveau eingependelt hat. Uns werden in Zukunft die Ärzte ausgehen, wenn die Politik nicht umgehend für bessere Arbeitsbedingungen sorgt", warnte Stüwe.