Ärztekammerpräsidentin fordert generelles Rauchverbot

„Wer Rauchen verharmlost, macht sich schuldig": Mit scharfen Worten kritisierte die Präsidentin der Landesärztekammer Hessen, Dr. med. Ursula Stüwe, heute die Unfähigkeit der deutschen Politik, das Rauchen in öffentlichen Räumen gänzlich zu verbieten. „Dass in Deutschland jährlich über 3.300 Nichtraucher* an den Folgen unfreiwilligen Tabakkonsums sterben, ist erschreckend. Angesichts dieser Zahlen muten Aufrufe an die Gaststätten- und Restaurantbetreiber, freiwillig Nichtraucherzonen einzurichten, inkonsequent an." Mit unverbindlichen Appellen lasse sich kein wirkungsvoller Nichtraucherschutz durchsetzen, sagte die Kammerpräsidentin. Für Hessen forderte sie daher ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und in Gaststätten.

Stüwe sprach sich außerdem dafür aus, das Tabakwerbeverbot umgehend umzusetzen. Die Tabakwerbung ziele bewusst auch auf Kinder und Jugendliche ab – und dies mit einigem Erfolg: So habe die im Oktober 2004 vorgestellte „Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen" (ESPAD), an der sich erstmals Deutschland vertreten durch das Bundesland Hessen beteiligt hatte, ergeben, dass von den befragten Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Jahrgangsstufe in Hessen 76 % mindestens einmal in ihrem Leben geraucht hatten. Jeder dritte 15-jährige Schüler in Hessen raucht täglich. Ausdrücklich lobte Stüwe deshalb das jüngst vom hessischen Kultusministerium verhängte Rauchverbot an hessischen Schulen. Durch dieses Verbot könne der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer Studie festgestellte Trend, wonach die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen gegenüber den Jahren 2003 und 2004 (23 Prozent) 2005 auf 20 Prozent gesunken ist, fortgesetzt werden.

Der Rückgang stehe, so Stüwe, in zeitlichem Zusammenhang mit dem Start einer Antiraucherkampagne der BZgA und der Erhöhung der Tabaksteuer. Damit werde einmal mehr deutlich, dass Aufklärung in Verbindung mit effektiven Maßnahmen am ehesten geeignet seien, Rauchen von Anfang an zu verhindern oder den Weg aus der Sucht zu ebenen. „Ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und in Gaststätten, wie es jetzt in einer fraktionsübergreifenden Initiative im Bundestag gefordert wird, ist längst überfällig," unterstrich die Kammerpräsidentin. 

* Nach aktuellen Berechnungen des deutschen Krebsforschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft Heidelberg