Wenn die eigene Praxis zum Verlustgeschäft wird

Hessische Ärzte fordern angemessene Honorierung ärztlicher Tätigkeit

Die Entwicklung ist alarmierend: Immer mehr niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Deutschland kommen aus den roten Zahlen nicht mehr heraus. Weil bei ihnen Einnahmen und Ausgaben weit auseinander klaffen, wird die eigene Praxis zum Verlustgeschäft. "Die Lage ist auch für viele hessische Ärzte prekär", sagte Dr. med. Ursula Stüwe, Präsidentin der Landesärztekammer Hessen, heute in Frankfurt. "Ohne zusätzliche Einnahmen durch Privatpatienten läuft in der Regel gar nichts mehr." Dennoch führe das unübersichtliche und mit zu wenig Geld ausgestattete Honorarsystem der gesetzlichen Kassen häufig dazu, dass niedergelassene Ärzte Angestellte entlassen müssten, um eine drohende Pleite abzuwenden.

Das geplante Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung löse dieses Einnahmeproblem keinesfalls, stellte Stüwe fest: "Die massive Unterfinanzierung des Gesundheitswesens bleibt erhalten. Und es wird auch weiterhin keine Planungssicherheit für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte geben, falls das Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet werden sollte."

Die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen - das Ärzteparlament des Landes - hatte bereits am 25. November in einer Resolution die angemessene Honorierung ärztlicher Tätigkeit gefordert. Diese liege nicht vor, wenn die Betriebskosten eines Arztes höher seien als die Vergütung der ärztlichen Leistung. "Keine Arztpraxis kann auf Dauer unter solchen Bedingungen existieren", erklärte Stüwe. "Dass damit auch der Bestand ärztlicher Versorgungsstrukturen gefährdet ist, liegt auf der Hand. Leidtragende sind wieder einmal die Patienten."

Die hessische Ärzteschaft rief die verantwortlichen Vertragspartner auf, dringend und umfassend alles zu tun, um zu angemessenen Honoraren für Ärzte zu gelangen.