Offener Brief an die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt

„Übernehmen Sie endlich die Verantwortung für Ihre Politik, Frau Schmidt!"

Sehr geehrte Frau Ministerin Ulla Schmidt,

Ihre bemerkenswerte Fähigkeit, die Verhältnisse dialektisch in ihr Gegenteil zu verkehren, ist bekannt. Daß Sie jetzt jedoch versuchen, der Ärzteschaft den Schwarzen Peter zuzuspielen, wenn Sie die Ärztelobby auffordern, für ein besseres Ansehen ihres Berufsstandes zu sorgen, mutet geradezu zynisch an. „Es muß aufhören, daß schon Etablierte so tun, als sei das Schlimmste, was einem in Deutschland passieren kann, Arzt oder Ärztin zu werden", haben Sie gesagt und damit auf unredliche Weise die Verantwortung für die verfehlte Politik Ihres Ministeriums von sich geschoben.

Wir sind weder bereit, für die Verschlechterung der Versorgung der Bevölkerung durch die Rationierung von Gesundheitsleistungen den Kopf hinzuhalten, noch uns die Schuld für die Abwanderung von Ärzten ins Ausland oder in andere Berufe geben zu lassen. Seit mehreren Jahren macht die verfaßte Ärzteschaft auf Landes- und auf Bundesebene immer wieder deutlich, welche Auswirkungen die Arbeitsüberlastung in Kliniken und niedergelassenen Praxen, das sich verschlechternde Arbeitsklima im Gesundheitswesen und auch die ständige pauschale Verunglimpfung von Ärzten in den Medien auf den medizinischen Nachwuchs haben. Diese Prognosen wurden zunächst in Hessen und dann in den übrigen Bundesländern durch repräsentative Umfragen der Ärztekammern untermauert, die auch das Bundesgesundheitsministerium zur Kenntnis genommen hat.

Im Namen der hessischen Ärztinnen und Ärzte appellieren wir daher an Sie, die Bevölkerung und die Medien nicht länger bewußt in die Irre zu führen. Übernehmen Sie endlich die Verantwortung für die Folgen Ihrer Politik, Frau Schmidt.

Mit freundlichen Grüßen

Das Präsidium der Landesärztekammer Hessen

i.V. Dr. med. Ursula Stüwe
Präsidentin