Konzept Medizinischer Katastrophenschutz in Kraft

Sozialministerin Silke Lautenschläger und Innenminister Volker Bouffier: Konzept zum "Medizinischen Katastrophenschutz" sorgt für bestmögliche medizinische Versorgung im Schadensfall

Hessen nimmt Vorreiterrolle im Katastrophenschutz ein / Rettungskette vom Laien vor Ort bis zur Spezialbehandlung in Klinik geregelt

Wiesbaden – Ein Konzept zum Medizinischen Katastrophenschutz stellten heute Sozialministerin Silke Lautenschläger und Innenminister Volker Bouffier in Wiesbaden vor. „Ein solches Konzept ist einzigartig in Deutschland; Hessen baut damit seine Vorreiterstellung beim Katastrophenschutz weiter aus", sagten die beiden Minister und setzten das Konzept per Erlass gleichzeitig in Kraft. Der Landesbeirat für Brandschutz, Allgemeine Hilfe und Katastrophenschutz hat diesem Konzept ebenso zugestimmt wie die kommunalen Spitzenverbände.

Innenminister Volker Bouffier erklärte, Hessen verfüge jetzt über eine aktuelle und umfassende Konzeption im Bereich des Katastrophenschutzes, die Vorbildcharakter für andere Länder habe. Im Jahr 2000 wurde bereits eine Gefährdungsanalyse für das Land Hessen erstellt. Darauf aufbauend folgte im August 2002 die Herausgabe des Konzeptes Katastrophenschutz in Hessen. „Mit dem heute in Kraft gesetzten Konzept für den medizinischen Katastrophenschutz hat Hessen derzeit als einziges Bundesland alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen für den Schutz der Bevölkerung im Katastrophenfall umfassend und in optimaler Abstimmung mit allen Beteiligten geregelt", hob Innenminister Bouffier hervor.

Das jetzt vorliegende Konzept zum „Medizinischen Katastrophenschutz" regelt und beschreibt nicht nur sämtliche Bereiche der Rettungskette bei einem Großschadensfall, sondern auch der medizinischen Versorgungskette im Katastrophenfall. „Es beginnt beim Laien vor Ort und endet bei der Behandlung in einer Spezialklinik", erläuterte Sozialministerin Silke Lautenschläger. Grundsätzlich verfolge das Konzept zwei Ziele: Zum einen will es dafür sorgen, dass im Fall einer Katastrophe alle Bereiche optimal vorbereitet sind, um eine möglichst schnelle medizinische Versorgung einer großen Anzahl Kranker oder Verletzter zu gewährleisten. Zum zweiten regelt es eindeutig die Formen der Zusammenarbeit, damit im Schadensfall jedes Glied ineinander greift. „Wir wollen das Prinzip Zufall weitgehend ausschließen", so beide Minister.

Schwerpunkt des Konzeptes, so Lautenschläger und Bouffier, sei daher eine ausführliche Zusammenstellung aller organisatorischen und fachlichen Vorbereitungen für die medizinische Versorgung sowie der notwendigen Rechtsgrundlagen. Zugleich werde die Aufgabe und die Verteilung der verschiedenen Funktionsträger im Katastrophenfall beschrieben. „Zum ersten Mal haben wir hier geregelt, dass so genannte sanitätstaktische und medizinische Fachberater die Katastrophenstäbe vor Ort beraten sollen", sagte Innenminister Volker Bouffier. Auch seien klare Richtlinien zu Bevorratung von Heil- und Hilfsmitteln aufgenommen, so der Minister weiter.

„Für die Versorgung der vielen täglichen Verkehrs- und Arbeitsunfallopfer oder sonstiger Erkrankten besteht in Hessen ein bundesweit anerkannt guter Rettungsdienst und eine qualifizierte medizinische Versorgung in Krankenhäusern", betonte Silke Lautenschläger und weiter: „Für den so genannten Massenanfall Verletzter oder Kranker werden jedoch viele zusätzliche Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes sowie größere Mengen an Sanitätsmaterial benötigt. Auch die Vorbereitungen in Krankenhäusern und die Einbeziehung niedergelassener Ärztinnen und Ärzte sind bei den Katastrophenschutzmaßnahmen von maßgeblicher Bedeutung."

Zugleich betonten die Sozialministerin und der Innenminister, dass die Versorgung Verletzter mit der Ersten Hilfe an der Unfallstelle beginne. Deshalb enthalte dieses Konzept ganz bewusst auch Vorschläge zur Verbesserung der Breitenausbildung im Bereich in Erster Hilfe und Herz-Lungen-Wiederbelebung. „Gerade im Katastrophenfall ist die Mithilfe vieler Bürgerinnen und Bürger notwendig. Diese Ausbildung muss künftig bereits in der Schule systematisch verbessert werden", so Bouffier und Lautenschläger. Gleichrangig müsse auch die Aus-, Weiter- und Fortbildung des medizinischen Personals in der „Katastrophenmedizin" gefördert werden.

Der Hauptgeschäftsführer der Landesärztekammer Hessen, Dr. Michael Popovic´, äußerte sich sehr positiv zu diesem Konzept und lobte „die motivierte, sachkundige und harmonische Zusammenarbeit". Dabei stellte er das bundesweit beispielhafte Zusammenwirken aller im Bereich Katastrophenschutz Tätigen und ihre zielorientierte Arbeit zur Verbesserung der katastrophenmedizinischen Vorsorgeplanung besonders heraus. Mit der Verabschiedung des Konzepts zum Medizinischen Katastrophenschutz trage nunmehr in dieser Form Hessen als erstes Bundesland langjährigen Vorschlägen der Ärzteschaft Rechnung, wonach der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung bei Großschadenslagen und Katastrophen medizinischen Notwendigkeiten zu folgen habe.

Innenminister Volker Bouffier und Sozialministerin Silke Lautenschläger bewerteten das Konzept als „einzigartige Zusammenstellung, die die medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger auch in Katastrophenfällen deutlich stärken wird". Beide Minister seien sich sicher, dass die Regelungen dieses Konzeptes schnell umgesetzt würden, zumal sie auf Bewährtem aufbauen und alle Verbesserungen von Praktikern realitätsbezogen bearbeitet wurden, so Bouffier und Lautschläger abschließend.

Unter Federführung des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport waren an dem Konzept beteiligt:

Hessisches Sozialministerium, Landesärztekammer Hessen, Landesapothekerkammer Hessen, Hessische Krankenhausgesellschaft, Landesverbände der vier Hilfsorganisationen, die den Sanitätsdienst und Betreuungsdienst im Katastrophenschutz übernehmen (Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser-Hilfsdienst), Landesfeuerwehrverband Hessen, Sanitätskommando II der Bundeswehr sowie zahlreiche medizinische Fachkräfte aus dem Rettungsdienst und Krankenhausbereich.