"Ohne Hygiene ist Medizin machtlos": Ärztekammer fordert nationale und internationale Strategien gegen multiresistente Keime

"Wenn wir nicht in der Lage sind, Hygiene-Probleme in den Griff zu bekommen, drohen Menschen künftig auch hierzulande an banalen Infektionen zu sterben", warnt der hessische Ärztekammerpräsident Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. "Selbst Hightech-Medizin ist machtlos, wenn Antibiotika nicht mehr gegen multiresistente Keime wirken. Um die zunehmende Verbreitung dieser Keime zu verhindern und weiteren Antibiotikaresistenzen entgegenwirken zu können, sind nationale und internationale Strategien notwendig."

In Deutschland habe sich in den vergangenen Jahren schon viel getan, betont von Knoblauch zu Hatzbach. So sei die Einhaltung strenger Hygienevorschriften an den meisten Kliniken verpflichtend. "Aber es muss noch mehr getan werden: Die Hygienemaßnahmen müssen intensiviert werden und es darf kein Weg an der Einstellung von mehr Pflegepersonal und Fachärzten für Hygiene und Umweltmedizin vorbei führen", fordert der Präsident der Landesärztekammer Hessen. "Krankenhäuser, die hier sparen, setzen die Gesundheit von Patienten und Mitarbeitern aufs Spiel." Zusätzlich sei es wichtig, das Hygiene-Bewusstsein jedes Einzelnen zu stärken "Mehrfaches, gründliches Händewaschen am Tag muss selbstverständlich sein." Beim Betreten von Krankenhäusern, vor dem Patientenbesuch und beim Verlassen einer Klinik müssten die Hände außerdem gründlich desinfiziert werden.

"Die Bedrohung durch multiresistente Keime ist international". Wegen der geringen Produktionskosten ließen Pharmakonzerne Antibiotika und andere Medikamente in Indien oder China herstellen, so von Knoblauch zu Hatzbach weiter. Wie aktuelle TV-Recherchen zeigten, könne diese Produktion mit unhygienischen, gesundheitsgefährdenden Bedingungen verbunden sein. So sollen bei einer indischen Arzneimittelfabrik Rückstände von Antibiotika in das Grundwasser gelangt sein. "Ein Skandal", urteilt der hessische Ärztekammerpräsident. Weder der verschreibende Arzt, noch der Apotheker oder der Patient wüssten, wo und unter welchen Bedingungen die Medikamente hergestellt würden. "Hier muss auf internationaler Ebene ein Umdenken erfolgen", erklärt von Knoblauch zu Hatzbach: "Wir fordern Transparenz als oberstes Gebot. Nur wenn die Umstände der Antibiotikaherstellung nachvollziehbar sind, kann die Qualität nach internationalen Kriterien gesichert und damit die Verbreitung multiresistenter Keime eingedämmt werden."