Die Sommer- und Reisezeit kommt! Gesundheitstipps für ältere Menschen

Einige reisen ihrer Gesundheit wegen.
Mögen sie
- gutes Wetter haben!
- keine Alterationen!
- sich durch nichts erhitzen!
- kluge Ärzte finden!

Und das beste ist, auf ihrer ganzen Reise keines Arztes bedürfen! Möge ihre Laune sich immer erheitern und ein edler Freund die Runzeln der Furcht des Alters aus ihrem Angesicht weglächeln.

(Kaspar Lavater, Taschenbüchlein für liebende Reisende oder Andenken, Zürich 1790)


Dies sind Gesundheitstips für reisende ältere Menschen aus dem Jahr 1790, die besser nicht formuliert werden können. Für die heutige Zeit, in der immer mehr auch ältere Menschen reisen, bedürfen diese Empfehlungen einiger Ergänzungen. Der Sommer bringt für ältere Menschen - auch wenn sie in unseren Breiten bleiben - oft sehr belastende klimatische Bedingungen mit sich.

Der Aufenthalt in großer Hitze mit niedriger oder hoher Luftfeuchtigkeit kann bei alten Menschen sehr schnell zum Hitzestau und zum Hitzschlag führen.

Dies kann bereits nach 1 - 2 Stunden Aufenthalt in der Sonne bei einer Außentemperatur von 28°C eintreten.

Deshalb: Bei großer Hitze körperliche Anstrengungen meiden und sich nicht längere Zeit direkter Sonneneinstrahlung aussetzen. In der Sonne eine Kopfbedeckung tragen, luftige und empfindliche Hautpartien bedeckende Kleidung anziehen. Der Aufenthalt im Schatten oder in der Wohnung ist vorzuziehen.

Bei Hitze nimmt der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und unsichtbares Verdunsten von Flüssigkeit zu.
Das Gesamtkörperwasser nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab.
Das Durstgefühl ist bei älteren Menschen vermindert.

Oft nehmen alte Menschen wegen hohem Blutdruck oder Herzschwäche wasserausscheidende Medikamente ein, die den Flüssigkeitsverlust noch verstärken. Alte Menschen sind daher besonders empfindlich gegen Flüssigkeitsmangel. Ein Flüssigkeitsverlust von 1 - 2 % des Gesamtkörpergewichts führt schon zu einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bei 4-5 % Flüssigkeitsverlust sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit auf ca 50 % ab.

Folge: Bei großer Hitze kann der zusätzliche Flüssigkeitsverlust zu lebensbedrohlichen Zuständen mit Absinken des Blutdrucks, Durchblutungsstörungen, Stürzen und akuten Verwirrtheitszuständen führen. Dies gilt besonders für Hochrisikogruppen wie hochaltrige oder chronisch kranke alte Menschen, aber auch für gesunde alte Menschen.

Daher: Bei Hitze für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen, am besten Tee oder Mineralwasser. Für die Hessen sind auch 3-4 Schoppen ¼ Äppelwoi gespritzt mit ¾ Mineralwasser über den Tag verteilt zu empfehlen.

Anstrengende körperliche Tätigkeit sollte bei Hitze vermieden werden. Alte Menschen sollten sich die italienische Siesta zum Vorbild nehmen. Spaziergänge und andere Aktivitäten kann man auch gut am frühen Morgen oder in den Abendstunden unternehmen.

Unsere älteren Mitbürger sind sehr reiselustig - und das ist gut so.
Ca 52 % der 60-69jährigen und 35 % der über 70jährigen verreisen mindestens einmal im Jahr.
Ca 56 % der 60-69jährigen und 43 % der über 70jährigen reisen ins Ausland. (Zahlen des Studienkreises für Tourismus 1986)

Wer verreist - und das gilt besonders für Fernreisen und Reisen, die mit körperlicher Aktivität und Anstrengungen verbunden sind (z.B. Bergreisen) - sollte sich rechtzeitig vorher von seinem Hausarzt untersuchen lassen. Das Untersuchungsprogramm muß die körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung, Ekg mit Belastung, Lungenfunktionsprüfung und Blutbild umfassen. Dieses Programm ist 1 x jährlich erforderlich.
Ferner sollten mit dem Hausarzt Reiseziel, Aktivitäten, notwendige vorbeugende Maßnahmen wie Impfungen besprochen und entsprechende Ratschläge eingeholt werden.

 

Bahnreisen

Für Reisen in Deutschland und Europa ist die Bahn das bequemste, einfachste und für ältere Menschen besonders geeignete Transportmittel.

 

Autoreisen

Staus auf der Autobahn und die damit verbundenen Probleme sind hinreichend bekannt. Ältere Menschen sollten möglichst nicht während der Ferienzeiten, sondern in der Vor - oder Hauptsaison mit dem Auto reisen.

Wie für jüngere gilt:
Nicht rasen, sondern reisen!
Keine Kilometer fressen, sondern vernünftige Etappen fahren!
Regelmäßige Pausen einlegen zur Entspannung von Körper und Seele!
Bewegungs- und Atemübungen in der Pause nicht vergessen!

 

Schiffsreisen

Sind in der Regel unproblematisch. Wichtig ist: Klimatische Veränderungen und Bedingungen beachten.
Gefahr: wenig Bewegung und zuviel gutes Essen!

 

Flugreisen

Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Mut - das sind die Gründe, warum immer mehr ältere Menschen Fernreisen und Bildungsreisen mit dem Flugzeug unternehmen.

 

Was muß beachtet werden?

 Informationen über notwendige Impfungen für das jeweilige Reiseland einholen (Reisebüro, Hausarzt, Flughafenklinik Frankfurt).

 

Vor dem Flug

 Rechtzeitig zum Flughafen fahren. In Ruhe und ohne Aufregung einchecken. Vom Vorabend - Check In Gebrauch machen, falls möglich. Bei Problemen kann man die Betreuungsdienste der Airlines oder der Fraprot in Anspruch nehmen. Bei akuten und chronischen gesundheitlichen Problemen steht das Team der Flughafenklinik auf den Rhein - Main - Flughafen zur Beratung und Behandlung rund um die Uhr zur Verfügung (Telefon 069 690 66767).

 

Während des Fluges

  • In der Kabine herrscht ein Druck, der einer Höhe von ca. 2.000 m über Meeresspiegel entspricht. Die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut nimmt dabei um ca 10 - 15 % ab. Dies kann für ältere Menschen mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Herzinsuffizienz, chron. Lungenerkrankungen, höhergradiger Blutarmut gefährlich werden.
  • Die Kabinenluft ist sehr trocken und kann bei chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale akute Atemprobleme verursachen. Deshalb: viel trinken.
  • Gase dehnen sich bei niedrigem Kabinendruck um ca 30 % aus. Neben den bekannten Ohrproblemen können bei Patienten mit Erkrankungen des Magen-Darmtraktes sehr unangenehme Bauchbeschwerden auftreten.
  • Wenig Platz und wenig Bewegungsmöglichkeit - das ist die bekannte Situation im Flugzeug, besonders im Charterverkehr.
    Langes Sitzen mit gebeugtem Knie, fehlende Bewegung und zu wenig Flüssigkeit begünstigen das Auftreten von tiefen Beinvenenthrombosen und leider auch - nach der Landung - von Lungenembolien.
    Deshalb: Während des Fluges isometrische Muskelübungen (die Airlines bieten sie im Videoprogramm an) durchführen, häufiger aufstehen, sich bewegen, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.
  • Der Hausarzt sollte gefragt werden, ob im Einzelfall vor Antritt des Fluges eine medikamentöse Thrombosevorbeugung sinnvoll und notwendig ist.
    Während des Fluges möglichst leichte Kost zu sich nehmen, den Magen nicht überladen.
    Alkoholische Getränke sollten in Maßen konsumiert werden. Die Alkoholwirkung nimmt mit der Höhe zu. 2 Cocktails in 2400 m Höhe entsprechen etwa 4 Cocktails auf Meereshöhe.
    Rauchen ist zu vermeiden und bei fast allen Flügen verboten. Darauf müssen sich Raucher einstellen.

Jet-Lag - Zeitverschiebung

Oft ist eine Anpassung der Medikamenteneinnahme an die zeitlichen Veränderungen notwendig, z.B. bei Hypertonikern oder Diabetikern. Daher: vor der Reise über die Zeitverschiebung informieren und die Therapieänderung mit dem Hausarzt besprechen.

 

Am Zielort

Die Resynchronisation (Anpassung an die neue Zeit) verläuft bei alten Menschen langsamer. Bei einem Flug von Frankfurt nach New York (Zeitverschiebung 6 Stunden) dauert sie ca 1 Woche (zum Vergleich: 3 Tage bei jüngeren Menschen). In dieser Zeit übermäßige Belastungen vermeiden. Evtl. ein mildes, kurzwirksames Schlafmittel einnehmen, falls der Schlaf empfindlich gestört ist.

 

Krankheiten auf Reisen

 Am häufigsten ist die Reisediarrhoe (Durchfallerkrankung). Gefahr für alte Menschen: Wasser- und Salzverlust, dadurch Gefahr der Austrocknung mit Blutdruckabfall, Durchblutungsstörungen, Verwirrtheit.

Therapie: Wasser- und Salzverlust ausgleichen: z.B. ¾ Teelöffel Kochsalz, 1 Teelöffel NaHC03 (Natron), ½ Teelöffel KCl (oder 2 Bananen), 4 Eßlöffel Zucker auf 1 l Wasser.

Alternativ: fertige Elektrolyt - Mischung ( z.B. Elotrans) in angegebener Wassermenge auflösen.
Versuchen Sie, die Diarrhoe mit Loperamid (Immodium) zu stoppen.
Bei andauernder Diarrhoe: unbedingt den Arzt aufsuchen zur Infusions - Therapie.

 

Es ist empfehlenswert, eine Auslandskrankenversicherung bzw Rückholversicherung für den Fall einer schweren Erkrankung abschließen. Ein Krankenhausaufenthalt im Ausland kann problematisch sein: Sprachprobleme, Hygiene, Qualität der Versorgung.

Weiterhin unbedingt eine Bescheinigung des Hausarztes über bestehende Erkrankungen und/oder Behinderungen sowie eine genaue Beschreibung der verordneten Medikation mitnehmen.
Internationale Freinamen der Medikamente angeben, mit Handelsnamen kann der Arzt im Ausland nichts anfangen! Die Bescheinigung sollte in Englisch und Deutsch abgefaßt sein! 

 

Häufige Fehler, die zu Erkrankungen im Urlaub führen können

  • Nichtbeachtung der Akklimatisationsregeln
  • Forcierte Wanderungen und andere Anstrengungen am ersten Tag
  • ausgedehnte, ungewohnte Sonnenbäder, langer Aufenthalt in der Hitze
  • Bergfahrten gleich nach Ankunft in ungewohnte Höhen
  • Reichliche Aufnahme ungewohnter Nahrung
  • Schlafentzug, ungewohntes Klima und reichlicher Alkoholgenuss

Nach einer Studie, die auf Teneriffa durchgeführt wurde, traten praktisch alle Fälle von plötzlichem Herztod innerhalb der ersten 3 Tage nach Ankunft auf!

 

Reiseapotheke für ältere Menschen

  • Eigene, verordnete Medikamente in ausreichender Menge.
  • Material für die kleine Wundversorgung (Pflaster, Mullkompressen, elastische Binde)
  • Ein Schmerzmittel, z.B. Aspirin 500 mg oder Paracetamol 500 mg
  • Ein Medikament gegen Reisediarrhoe, z.B. Loperamid (Imodium) und einige Beutel einer fertige Elektrolyt - Mischung (s. oben)
  • Ein kurzwirksames Schlafmittel bzw Beruhigungsmittel. Der Hausarzt berät über geeignete Medikamente. Schlaflosigkeit mindert die Urlaubsfreude und den Erholungswert. Deswegen ist die kurzfristige Einnahme eines Schlafmittels erlaubt.
  • Medikamente bei einer Flugreise nie in den Koffer packen, immer im Handgepäck mit sich tragen! (Koffer könnte verloren gehen oder verspätet eintreffen).

 

Dr. med. Hansjörg Werner
Facharzt für Innere Medizin, Klinische Geriatrie
Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Chefarzt der Klinik für Geriatrie
Evangelisches Krankenhaus Elisabethenstift GmbH
Darmstadt