Was tun bei Insektenstichen?

Von lästig aber harmlos bis tückisch oder gar lebensbedrohlich reicht die Palette der einheimischen Plagegeister. Besonders im Frühsommer und Sommer fallen sie in der freien Natur oder in warmen Wohnräumen zur Last. Welche Insekten uns in diesen Wochen peinigen und welche Schutzmaßnahmen gegen ihre Stiche getroffen werden kann, beschreibt die Wiesbadener Hautärztin Dr. Marlies Wengenroth:

Mücken: Sie sind unangenehm, doch in unseren Breiten völlig ungefährlich. Ihre Stiche schwellen an und jucken. Durch das Kratzen entstehen gelegentlich örtliche Infektionen mit Bakterien, seltener auch mit Pilzen.

Bremsen: Sie sind meist in ländlichen Gebieten anzutreffen. Ihr Stich ist zwar schmerzhaft, aber harmlos. Ebenso wie die Hummeln stellen sie kein größeres Problem dar.

Anders Bienen und Wespen: Ihr Stich ist sehr schmerzhaft. Charakteristischerweise bleibt der Stachel der Biene mit seinen kleinen Widerhaken in der Haut stecken, die Wespe dagegen nimmt ihren Stachel sozusagen wieder mit. Der Bienenstachel muß ganz vorsichtig entfernt werden; beim bloßen Herausreißen bleiben die Widerhaken in der Haut zurück und können zu Vereiterungen führen. Da Bienen und Wespen eine beträchtliche Menge Gift in die Haut spritzen, schwillt die betroffene Stelle sofort schmerzhaft an. Größte Vorsicht ist bei Allergikern geboten: ein Bienen- oder Wespenstich kann bei ihnen einen schweren, lebensgefährlichen Schock auslösen. Jeder Stich – häufig jedoch erst der dritte oder vierte – können plötzlich zu einer Allergie führen.

 

Besonders mit Vorsicht zu genießen:

Zecken: Vom Frühjahr bis spät in den Herbst hinein krabbeln diese Insekten im Unterholz und im Gras herum. Sie lassen sich keineswegs- wie oft vermutet – von oben herab auf ihre Opfer fallen, sondern arbeiten sich von unten an der Haut hoch. Für den Betroffenen bleibt dies oft unbemerkt – ebenso wie ihr Stich, den sie bevorzugt an einer weichen Körperstelle vornehmen.

Dabei übertragen sie oft schlimme Krankheiten:

  1. die Borreliose (Lyme-Krankheit)
  2. FSME ( Frühsommermeningoenzephalitis)


Die Borreliose tritt in ganz Deutschland auf; die Zecken sind zu einem hohen Prozentsatz selbst damit infiziert. Diese bakterielle Infektion kann – rechtzeitig erkannt – gut behandelt werden. Eine Impfung gibt es bei uns noch nicht, da verschiedene Arten von Bakterien vorkommen.


Die FSME findet sich südlich des Rhein-Main-Gebietes im Odenwald, im Schwarzwald, im Allgäu und in vielen südlichen und östlichen Regionen. Eine gut wirksame Impfung muß ca. 1 Jahr vor dem Aufenthalt in dem Gebiet begonnen werden. Dazu sind 3 Spritzen notwendig. Kinder unter 12 Jahren können derzeit nicht geimpft werden, da kein zugelassener Impfstoff vorliegt. Bei ihnen verläuft die Erkrankungen allerdings generell harmloser als bei Erwachsenen.


Wie kann man sich wirksam vor Insektenstichen schützen?

  • Die Kleidung sollte nicht aus zu dünnem Stoff sein und möglichst bis zu den Hand- und Fußgelenken den Körper umschließen. Niemals barfuß gehen!
  • Keine Duftstoffe und kein Parfum verwenden. Leider ist unsere eigener Körperstoff für die Insekten Lockstoff genug ( das sogenannte „süße Blut"). Aromatische Speisen, z.B. Wurst, Pflaumenkuchen oder Apfelsaft , sind für Wespen – seltener auch für Bienen-  äußerst attraktiv. Allergiker sollten daher nichts im Freien verzehren; zu leicht kann ein Insekt verschluckt werden. Der Stich in die Zunge kann dann tödlich sein.
  • Insektenabwehrmittel (Repellentien) sind wirksam. Mischungen aus ätherischen Ölen wie z. B. Citronellaöl und Nelkenöl bewirken einen gewissen Schutz. Chemische Repellentien sind wesentlich effektiver als natürliche; mittlerweile gibt es auch für Kinder geeignete Mittel.
  • Insektizide (Insektenspray): Bei allzu starker Insektenplage können Gepeinigte durchaus auch einmal zu diesen Mitteln greifen. Allerdings sollte das Einatmen der Dämpfe jedoch unbedingt vermieden werden. Vor einem längeren Aufenthalt in gesprühten Räumen gut lüften!


Sinnvoll ist es, den ganzen Körper abends nach Insektenstichen abzusuchen. So kann eine evtl. notwendige Behandlung früh begonnen werden. Auch ist es wichtig, Zecken möglichst frühzeitig zu entfernen: Je eher eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borrelioseinfektion. Ist jedoch ein Stich erfolgt, sollte man die Stelle kühlen und vor allem nicht in Panik geraten! Allergikern wird dringend geraten, eine Notfallmedizin bei sich zu tragen und diese auch sofort anzuwenden. Trotzdem sollten sie danach so schnell wie möglcih einen Arzt aufsuchen!

Zur Behandlung gibt es wirksame Medikamente: Antihistaminika als Creme oder Gel, auch als Tabletten; in schwerwiegenden Fällen Cortison. Wenn Insektenstiche nach 2 Tagen nicht abklingen, sich vielleicht sogar noch vergrößern und weiter schmerzen und jucken, sollte man unbedingt zum Arzt gehen.