Statement des Präsidenten der Landesärztekammer Hessen zur Coronakrise

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Dr. med Edgar Pinkowskinoch immer beherrscht Corona die Schlagzeilen und wirkt sich auch auf unseren beruflichen Alltag aus. Doch während zu Beginn der Pandemie die Sorge vorherrschte, dass das Gesundheitssystem durch die steigenden Zahlen von Covid-19-Patienten überforderte würde, sind Schreckensszenarien wie in Italien oder Spanien hierzulande zum Glück nicht eingetreten. Dies ist zum einen der umsichtigen Eindämmungsstrategie in den vergangen Wochen zu verdanken, zum anderen dem großartigen Einsatz von Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, sowie aller in der Pflege Tätigen. Innerhalb kurzer Zeit wurden auch in Hessen Intensivstationen für Covid-19-Patienten eingerichtet, Beatmungsbetten aufgestockt und ein Teil der niedergelassenen Arztpraxen zu Corona-Behandlungszentren umfunktioniert. Durch die Neuorganisation und die vorbildliche Zusammenarbeit von ambulantem und stationären Bereich kann die Versorgung der Patienten je nach Schwere ihrer Erkrankung sichergestellt werden.

Der Rückgang der Reproduktionsrate und der Infektionszahlen führen nun dazu, dass das Gesundheitswesen in Hessen langsam wieder hochgefahren werden kann. Auf längere Sicht sind leere Krankenhausbetten nicht nur zu teuer, sie machen auch keinen Sinn, solange die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen in Hessen auf dem aktuellen, verhältnismäßig niedrigen Niveau bleibt. Andererseits ist es dringend erforderlich, dass nicht an Covid-19 erkrankte Patientinnen und Patienten notwendige Arztbesuche, Behandlungen und Krankenhausaufenthalte nicht aus Sorge vor einer Corona-Infektion aufschieben, sondern weiterhin wahrnehmen.

Dass der Normalbetrieb in den Krankenhäusern wieder aufgenommen wird, weil sich unsere Behandlungskapazitäten bislang zum Glück als ausreichend erwiesen haben, ist erfreulich. Aber natürlich kann niemand ausschließen, dass die schrittweisen Lockerungen des öffentlichen Lebens möglicherweise wieder zu einem Anstieg von Infektionen führen. Unter den derzeitigen Umständen reichen die Ressourcen im Gesundheitswesen aus, so dass eine Triage nicht notwendig wird. Aber sollte die Entwicklung in Richtung einer zweiten Welle gehen, sind wir personell und strukturell darauf vorbereitet. Dazu gehört auch, Ärztinnen und Ärzten wichtige rechtliche und ethische Orientierungshilfen zu geben, wenn sie im Fall knapper Behandlungskapazitäten schwierige Entscheidungen über die Vergabe medizinischer Ressourcen treffen müssen.

Der Vorstand der Bundesärztekammer hat daher eine entsprechende Orientierungshilfe zur Allokation medizinischer Ressourcen am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie im Falle eines Kapazitätsmangels erarbeitet.
Nach Überzeugung der Bundesärztekammer (BÄK) handeln Ärztinnen und Ärzte rechtmäßig, wenn sie in einer Situation existentieller Knappheit unter sorgfältiger Berücksichtigung der ärztlichen Berufsordnung und des aktuellen Standes der medizinischen Erkenntnisse einzelfallbezogene Entscheidungen über die Vergabe intensivmedizinischer Ressourcen treffen müssen.

Beste Grüße und bleiben Sie gesund

Dr. med. Edgar Pinkowski
Präsident der Landesärztekammer Hessen