Mitteilung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI): Gemeinsam gegen SARS-CoV-2

 

Sehr geehrte Ärztinnen und Ärzte,

die nächsten Wochen sind für uns alle eine große Herausforderung. Es kommt jetzt darauf an, dass wir alle dem Ziel, die gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in Hessen sicherzustellen, vieles, das sonst wichtig erscheint, unterordnen. Gleichzeitig geht es darum, die Leistungsfähigkeit des hessischen Gesundheitssystems zu beweisen.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist schwer abschätzbar, welche Herausforderungen und auch Belastungen auf uns alle zukommen werden. Wenn wir uns unterhaken und uns gegenseitig unterstützen, werden wir diese Herausforderung meistern – dies dient dem Schutz der gesamten Gesellschaft, insbesondere aber dem der besonders gefährdeten Älteren und der Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen.

In enger Zusammenarbeit mit allen Bundesländern und dem Bund, mit der Expertise des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie der engen Begleitung durch die wissenschaftlichen Einrichtungen in Hessen unternehmen wir alles erdenklich Mögliche, um den sehr dynamischen Verlauf der Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen. Dazu haben ganz wesentlich alle Ärztinnen und Ärzte in Praxen und Krankenhäusern, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sowie der Hessischen Krankenhausgesellschaft, die Pflegenden und viele weitere im Gesundheitssystem Arbeitende beigetragen. Einen ganz wesentlichen Beitrag leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Durch die Ärztinnen und Ärzte der Gesundheitsämter werden die Erkrankten identifiziert, ihre Kontaktpersonen konsequent ermittelt und rigide Absonderungsmaßnahmen verordnet.

Bei weiter steigenden Fallzahlen ist dieses Vorgehen nur noch sehr bedingt möglich. Deshalb war es notwendig, umfangreiche Maßnahmen zu ergreifen, die die gesamte Bevölkerung betreffen und das öffentliche Leben stark einschränken. Unser Ziel ist, die Ausbreitung des Geschehens zu verzögern. Der so erzielte Zeitgewinn ist essentiell, um sowohl den ambulanten als auch stationären Bereich möglichst gut vorzubereiten.

Es ist dabei von grundlegender Bedeutung, dadurch auch unsere Krankenhäuser in einen Zustand zu versetzen, in dem insbesondere die Behandlung einer hohen Zahl von Patienten mit intensiv- oder beatmungspflichtigem Krankheitsbild ermöglicht wird. Hierzu benötigen wir nicht nur Zeit, sondern auch die Mithilfe aller in Hessen lebenden Menschen.

Der Hausärzteverband Hessen unterstützt die Hessische Landesregierung in dem Bemühen, die Corona-Pandemie einzudämmen. "Hausärztinnen und Hausärzte sind hier die Kolleginnen und Kollegen an vorderster Front. Dies gilt nicht nur in den Praxen, auch in den Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentralen und in den eingerichteten COVID-19-Ambulanzen", erklärt Herr Beck als Vorsitzender des Hausärzteverbands Hessen.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Hessen unterstützt das Hessische Ministerium für Soziales und
Integration hier in allen Bereichen der ambulanten Versorgung der Kinder und Jugendlichen. Der Landesvorsitzende,
Herr Dr. Moebus, betont: "Wir sehen die große Herausforderung der Ärztinnen und Ärzte als eine gemeinsame Aufgabe
aller Fachgruppen und nehmen die Lage sehr ernst."

Gemeinsam müssen wir die begrenzten Kapazitäten der Krankenhäuser vor einem unkontrollierten Zustrom ambulant zu
versorgender Menschen schützen. Die bisherige Entwicklung lässt einen überwiegenden Anteil an Patientinnen und Patienten mit nur leichten Krankheitssymptomen erwarten. Diese Personen benötigen insbesondere eine erreichbare, gute ambulante medizinische Betreuung.

Wir möchten Sie eindringlich bitten, diese Patientinnen und Patienten so weit wie möglich im ambulanten Bereich zu versorgen. Nur so können wir den Schwerkranken wirklich gerecht werden. Um in der ambulanten Versorgung Sicherheit
im Umgang mit COVID-19-Erkrankten aufzubauen, gibt das RKI sehr gute Hinweise, wie man sich als Ärztin oder Arzt sowie alle Mitarbeitenden schützen und vorbereiten kann.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass jede und jeder Einzelne von Ihnen jetzt individuelle, täglich anzupassende Lösungen für den Umgang mit Patientinnen und Patienten vorbereiten sollte, denn einheitliche Lösungen für alle Fragen wird es nicht geben können.

Der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Herr Dr. Pinkowski stellt heraus: "Wir sind alle dazu aufgerufen, unkonventionelle Ideen zu entwickeln und für unseren jeweiligen Bereich die bestmöglichen Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen und anzuwenden."

Wir empfehlen dringend, die Erreichbarkeit und insbesondere das Angebot telefonischer Sprechstunden auszuweiten,
nachdem es durch G-BA-Beschluss möglich ist, Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auch nach telefonischer Beratung auszustellen.

Auch sollte möglichst eine räumliche oder zeitliche Trennung von verschiedenen Patientengruppen organisiert werden.

Der Bund und das Land Hessen unternehmen große Anstrengungen, um Sie für Ihre Arbeit mit persönlicher Schutzausrüstung auszustatten. Eine kurzfristige hessenweite Verteilung ist vorgesehen.

Das RKI passt regelmäßig seine Empfehlungen den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Virus an und gibt
sowohl für den ambulanten Bereich als auch für den stationären Bereich wertvolle Hinweise, u.a.:

  1. Organisatorische Aspekte der Lenkung von Patientinnen und Patienten mit respiratorischen Symptomen vor Besuch
    der Praxis bzw. innerhalb der Praxis.

  2. Distanzierung von Patientinnen und Patienten bei entsprechendem Verdacht (Unterbringung in einem separaten
    Bereich; Einhalten eines Abstands von 1–2 m, wo immer möglich).

  3. Versorgung der Patientinnen und Patienten mit einem Mund-Nase-Schutz, sofern es deren Gesundheitszustand
    zulässt.

  4. Personal: Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) je nach Art und Umfang der Exposition. Bei Maßnahmen,
    die eine Freisetzung von Tröpfchen bzw. Aerosolen produzieren, ist ein adäquater Atemschutz (FFP2) erforderlich.

  5. Beobachtung des Gesundheitszustands des Praxispersonals.

"Unser Gesundheitssystem ist eines der Besten der Welt. Jetzt müssen wir dringend zusätzliche Kapazitäten schaffen, um vorbereitet zu sein. Die eingeleiteten Maßnahmen dienen einem Ziel: Die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die
Kurve abflachen und strecken, lautet jetzt die oberste Handlungsmaxime. Wir können die Verbreitung des Corona-Virus nur bremsen, wenn alle mithelfen und zusammenhalten", appelliert der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai
Klose, eindringlich. "Entschlossenes Handeln und gemeinschaftliche Solidarität sind die wichtigsten Voraussetzungen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Wenn wir uns unterhaken, werden wir das gemeinsam meistern. Schon jetzt: Meinen herzlichen und persönlichen Dank für Ihre Mithilfe!"

Kai Klose
Hessischer Minister für Soziales und Integration